Darmflora nach Antibiotika wieder aufbauen, wie geht das? Gerade jetzt im März ist die Zahl verordneter Antibiotika besonders hoch laut Statistiken des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland. Wird der Körper nicht selbst mit einem bakteriellen Erreger eines Infekts fertig, verschreibt der Arzt zum Beispiel bei Lungenentzündungen oder hartnäckigen Blasen- oder Halsinfektionen ein Antibiotikum.

Wer wissen will, wie es in der Zeit vor der Erfindung des Antibiotikums war, der braucht nur ein paar historische Bücher zu lesen oder Filme zu gucken – die Menschen starben an Krankheiten, die für uns heute fast banal erscheinen. Allerdings töten diese Medikamente nicht nur das für die Krankheit verantwortliche Bakterium ab, sondern auch viele andere Mikroorganismen im Körper, was das empfindliche Gleichgewicht im Darm durcheinanderbringen kann.

Das Mikrobiom des Darms, auch Darmflora genannt, ist so aufgebaut, dass jedes Lebewesen seine Funktion und Nische hat. Antibiotika zerstören nicht nur schädliche Bakterien, sondern auch die die guten. Das Mikrobiom ist flexibel und passt sich ständig an neue Gegebenheiten an. Alter, Hormone, Genetik, Immunsystem, Lebensstil, Jahreszeiten und Medikamente beeinflussen es, wie ein Laborscreening ergab, dessen Ergebnisse 2018 im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden.

Es gibt kein anderes Arzneimittel, welches sich so auf das Mikrobiom auswirkt, wie es Antibiotika tun. Etwa ein halbes Jahr dauert es, bis es sich von einem Breitband-Antibiotikum erholt hat. Entsprechende Studienergebnisse haben Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin kürzlich im Fachmagazin Nature Microbiology publiziert.

Die Bakterienstämme siedeln sich zwar in ähnlicher Verteilung wieder an, der eine oder andere Stamm kann jedoch komplett verschwinden. Das Mikrobiom werde also nie wieder genauso aufgebaut sein wie vorher. Doch in kleinen Nischen des Darms können kleine Mengen an Bakterienarten überleben und sich wieder erholen.

Mit Nahrung die guten Bakterien unterstützen

Die Regeneration kann gut mit der richtigen Nahrung unterstützt werden. Gut geeignet sind zum Beispiel präbiotische Lebensmittel, da sie Futter für wichtige Darmbakterien enthalten wie Ballaststoffe. Diese sind zum Beispiel vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Vollkorngetreide, Nüssen, Samen und Hülsenfrüchten.

Wer Angst vor Bauchschmerzen und Blähungen hat, der fängt langsam an und integriert diese Lebensmittel immer mehr in den Speiseplan. Irgendwann hat sich der Magendarmtrakt an die Umstellung gewöhnt und es haben sich wieder gesündere Bakterien angesiedelt. Bereits nach zwei Wochen ist die Darmflora wieder abwechslungsreicher, die Verdauung funktioniert besser und man fühlt sich insgesamt leichter. Rote Zwiebeln sind leichter verträglich genau wie rote Hülsenfrüchte. Der Anteil wichtiger Ballaststoffe ist etwa gleich.

Ein Geheimtipp ist auch die Morosche Karottensuppe. Sie setzt den Quellstoff Pektin frei, der die Stuhlfrequenz normalisiert und hilft, die Ausscheidung im Fall einer Durchfallerkrankungen fester zu machen – schließlich sind Durchfälle häufige Begleiterscheinungen einer Antibiotika-Therapie. Lein- und Flohsamen sind hier auch sehr hilfreich für die Regeneration des Darm-Mikrobioms. Als Quellstoff dicken sie zu flüssigen Stuhl ein und machen zu festen mit Schleim geschmeidig und fördern die Darmbewegung. Nach der Einnahme sollte man aber viel Wasser trinken.

Bei einem geschwächten Mikrobiom lieber Weißbrot und Süßigkeiten sowie Fertigprodukte mit Zusatzstoffen und Fast Food vermeiden. Auch hoch dosierte Probiotika-Präparate sind während und direkt nach der Antibiotika-Therapie tabu. Im Unterschied zu Präbiotika dienen sie nämlich nicht als Futter für Bakterien. Eine neue Studie hat für hoch dosierte probiotische Präparate gezeigt, dass sie zwar bestimmte Spezies fördern aber kleineren Bakteriengruppen es schwerer machen, sich wieder zu regenerieren. Kann nur eine Art wieder gut wachsen, besteht die Gefahr einer einseitigen Darmflora.

Ich habe bei meiner letzten Antibiotikaeinnahme darauf geachtet, mich möglichst gesund zu ernähren. Das heißt, ich habe keinen Kaffee getrunken, um den Magen zu schonen, täglich Joghurt gegessen wegen der guten Milchsäurebakterien und viel Obst und Gemüse. Ich hatte keine Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Hautausschlag, obwohl ich relativ hochdosiert über zwei Wochen ein Antibiotikum nehmen musste.

Milchsäurebakterien

Lebensmittel wie Sauerkraut oder sauer eingelegte Bohnen sowie Produkte wie Quark, Joghurt oder Kefir, die es auch vegan gibt. Manche Antibiotika werden in ihrer Wirksamkeit geschwächt, wenn man sie gleichzeitig mit Kuhmilch einnimmt, da das enthaltene Kalzium diese an sich binden kann. Auch Magnesium-, Eisen- oder Kalziumpräparate haben diesen Effekt genau wie Medikamente mit Aluminium gegen Magenbeschwerden.

Bei akuten Beschwerden hilft Mutter Natur mit alten Hausmitteln. Wer unter Blähungen oder Durchfall leidet, kann
Fenchel-Anis-Kümmel-Tee trinken oder auch Stilltee. Gemahlenen Kardamom in Kaffee oder Tee rühren hilft auch. Den Bauch mit Kümmelöl einreiben.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Eine Schweizer Kohortenanalyse an Patienten mit Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, zeigte, dass sich bei regelmäßigem Fleischkonsum eine geringere Biodiversität mit vermehrt entzündlich wirksamen Bakterienstämmen ansiedelt. Patienten, die sich glutenfrei oder vegetarisch ernährten, hatten weniger schlechte Bakterienstämme im Darm und stattdessen eine große Vielfalt.


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