Das Buch Raus aus der Käsefalle von Dr. Neal Barnard erklärt im Einzelnen, warum so viele Menschen einfach nicht auf Käse verzichten können, beziehungsweise sie es sich nicht vorstellen können. Denn fast jeder schon länger vegan lebende Mensch kennt wohl den Spruch: “Ich könnte nie auf Käse verzichten!” Warum ist das so? Macht er tatsächlich süchtig? Käse enthält in hochkonzentrierter Form gesättigte Fettsäuren, Cholesterin und Salz, was ihn zu einem potenziellen Mitverursacher von Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen macht.

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Milchprodukte enthalten auch Östrogene, die im Laufe des Herstellungsprozesses im Käse konzentriert werden. Studien haben gezeigt, dass sie ausreichen könnten, um die menschliche Biologie zu beeinflussen. Milchproteine scheinen zu einer Reihe von Erkrankungen beizutragen, von Asthma über Migräne bis hin zu rheumatoider Arthritis.

Neal Barnard, MD, ist außerordentlicher Professor für Medizin an der George Washington University in Washington DC. und Präsident des Ärztekomitees für Verantwortungsvolle Medizin, Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM). Er führte zahlreiche Studien durch, die die Wirkungen von Ernährung auf Diabetes mellitus, Übergewicht und chronischen Schmerzen untersuchten, einschließlich einer Studie zu Ernährung bei Diabetes Typ-2 des National Institutes of Health. Mehr als 70 wissenschaftliche Publikationen und 17 Bücher stammen aus seiner Hand und als Präsident des PCRM lancierte er Programme zur Förderung von Präventionsmedizin, gesunder Ernährung und ethischen Standards in der Forschung. Geboren in Fargo, North Dakota, studierte er Medizin an der George Washington University, arbeitete als Arzt im St. Vincent-Krankenhaus New York und gründete in Washington das PCRM.

Das Buch beinhaltet folgende Kapitel:

  • Der Superlativ verarbeiteter Nahrungsmittel
  • Mehr Kalorien als Coca-Cola, mehr Salz als Kartoffelchips: Was Käse unserer Hüfte antut
  • Wie Käse uns süchtig macht
  • Versteckte Hormonwirkungen
  • Ein trojanisches Pferd voller Gesundheitsprobleme
  • Herzkrankheiten, Diabetes und das Französische Paradox
  • Das Leid der Tiere
  • Die Industrie hinter der Sucht
  • Eine gesunde Ernährungsweise
  • 100% Geschmack, 0% Reue
  • Rezepte
Käse ist ein verarbeitetes Nahrungsmittel

Früher hatte die Käseherstellung hauptsächlich den Grund, dass Milch auf diese Weise länger haltbar war und Milchfett, Protein und Kalorien im Käse konzentriert wurden, so war er leichter transportierbar. Bei der Herstellung wird auch Laktose abgebaut, was praktisch ist für Erwachsene, die das Enzym Laktase nicht mehr produzieren, was die Laktose aufspaltet und bekömmlich macht. Normalerweise können nur Babys Laktose verdauen und nach dem Abstillen stellt sich der Körper um, da jetzt eigentlich feste Nahrung aufgenommen werden soll.

Rund 402 Kilokalorien hat vollfetter Schnittkäse im Durchschnitt pro 100 Gramm und mehr als 30 Gramm Fett. Damit ist Käse durchaus mit Schokolade vergleichbar. Viele Menschen konsumieren zuviel davon im Laufe des Tages, zum Frühstück und Abendessen auf dem Brot und mittags auf der Pizza, Lasagne oder dem Burger.

Während des Herstellungsprozesses wird das Wasser in der Milch herausgepresst und übrig bleibt die Masse, aus der der Käse hergestellt wird. Logisch, dass da die Inhaltsstoffe konzentrierter vorkommen als in der Milch. Allen voran die Kaseine, die bei vielen Menschen Atemwegsbeschwerden, Migräne, Arthritis, Hautirritationen und weitere gesundheitliche Probleme verursachen. Ebenso Fett und Cholesterin. Zusätzlich wird dem Käse als Konservierungsmittel Unmengen von Salz zugesetzt. Eine Orange hat einen Milligramm Salz, ein Apfel zwei, etwa 60 Gramm Chips haben 330 und Cheddar 350, Edamer 500. Velveeta hat einen Salzgehalt von 800 Milligramm. Velveeta ist ein Markenname für ein Schmelzkäseprodukt, das wie ein amerikanischer Käse schmeckt, mit einer weicheren Textur als Käse. Dadurch bleibt beim Schmelzen eine gleichmäßig klumpenfreie Flüssigkeitsstruktur erhalten.

Warum Käse süchtig macht

2015 führte die Universität von Michigan eine Studie mit 384 Teilnehmern durch. Sie fragten sie: „Welches Lebensmittel verursacht ihnen in der Hinsicht Probleme, dass sie einfach nicht aufhören können, es zu essen? Von dem sie mehr essen, als sie eigentlich wollten?“ Der Gewinner war Pizza. Warum schaffte es Pizza auf den ersten Platz? Es gibt drei einfache Gründe: Salz, Fett und Opiate.

Menschen können Salz nur schwer widerstehen und die Nahrungsmittelindustrie weiß das. Sie fügt ihren Produkten extra viel davon zu, damit wir viel davon kaufen. Wir kennen das alle von Chips, essen wir einen, können wir nicht mehr aufhören und essen die ganze Tüte leer. Der Grund dafür liegt mal wieder in früheren Zeiten, als es schwer war, an Salz zu kommen. Wer eine Quelle aufgetan hatte, hatte größere Überlebenschancen. Unsere neurologischen Schaltkreise im Gehirn sind noch darauf programmiert, es aufzuspüren und sofort zu verspeisen, wenn wir es gefunden haben. Im Gehirn wird Wissenschaftlern zufolge beim Konsum höchstwahrscheinlich Dopamin ausgeschüttet, das im Belohnungszentrum dafür sorgt, dass wir uns gut fühlen.

Pizza zum Beispiel ist deshalb so beliebt bei Menschen, weil der Käse darauf Casomorphine enthält, aus Kasein gebildete morphinähnliche Substanzen, die an denselben Gehirnrezeptoren andocken wie Heroin oder andere Rauschmittel. Casomorphine sollen dafür sorgen, dass das Baby oder das Kalb auf jeden Fall bei der Mutter trinken will. Opiate haben eine beruhigende Wirkung und sorgen mittels Dopamin dafür, dass wir uns gut fühlen und entspannt sind. Kuhmilch enthält etwa 7,7 Gramm Protein, wovon etwa 80 Prozent Kasein sind. Macht man aus Kuhmilch Cheddar, enthält dieser siebenmal so viel Protein, nämlich 56 Gramm.

Endometriose nach viel Käsekonsum

Im Buch stellt er mehrere Menschen vor, die durch den Verzicht auf Käse, schwerwiegende Krankheiten geheilt haben und heute ein gesundes, glückliches Leben führen. Eine davon ist Kathrin, sie wuchs auf in Louisiana, im Süden der USA. Sie war Mitglied der US Air Force und ging 2003 in den Irak. Ihre Aufgabe dort war die Einrichtung von Militärstationen. Dort war sie auf die Lebensmittel angewiesen, die die Regierung für sie vorgesehen hatte und hielt ihr Gewicht. Als ihre Mission dort zu Ende war, fuhr sie wieder nach Louisiana.

Ihre Freunde freuten sich, dass sie wieder da war und fragten sie, welches Essen sie wirklich vermisst hat und sie antwortete mit: „Käse! Makkaroni mit Käse, Snacks mit Käse.“ Ihre Freunde schenkten ihr zum Geburtstag 48 Packungen Makkaroni mit Käse, die sie in den nächsten Wochen alle aufgegessen hat. Sie nahm zu und bekam Schmerzen im Unterleib, die innerhalb der nächsten Wochen immer schlimmer wurden. Auch ihre Menstruation wurde sehr heftig. Ihr Arzt machte eine Bauchspiegelung und fand heraus, dass sie Endometriose hatte.

Endometriose ist eine häufige, gutartige, oft schmerzhafte chronische Erkrankung von Frauen, bei welcher der Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle vorkommt. Wie die normale Gebärmutterschleimhaut verändert sich auch das Endometriosegewebe während des Menstruationszyklus und kann Gewebeblutungen, Narbenbildung und Schmerzen bewirken. Die Endometriose tritt meist im unteren Bauch- bzw. Beckenraum auf, zum Beispiel auf der Gebärmutter oder den Eileitern.

Endometriose verursacht starke Schmerzen und kann zur Unfruchtbarkeit führen. Kathrin nahm sich vor, gegen diese Krankheit zu kämpfen. Aber nach einem Monat wurden die Schmerzen unerträglich. Der Arzt wollte ihr die Gebärmutter entfernen aber sie wollte mit ihrem Mann gerne noch Kinder bekommen.

Endometriose mit veganer Ernährung geheilt

Eine Freundin schlug Kathrin vor, sie sollte ihre Ernährung umstellen: „Wir wissen schon lange, dass Menschen ihre Ernährung umstellen, um ihren Hormonspiegel zu beeinflussen. Frauen mit Brustkrebs beispielsweise, verzichten auf tierische Produkte, um ihren Östrogenspiegel zu reduzieren.“

Kathrin traf sich mit einer Ernährungsberaterin, die ihr eine vegane fettarme Ernährung empfahl. Schon nach kurzer Zeit, begann sie, Gewicht zu verlieren, gewann ihre alte Energie zurück und auch ihre Schmerzen wurden weniger und weniger. Ihr Arzt führte erneut eine Bauchspiegelung durch. Kathrin kam in den Aufwachraum und der Arzt ging zu ihrem Mann: “Das ist faszinierend, ihre Endometriose ist praktisch verschwunden!” Ihr Mann antwortete: “Sie hat ihre Ernährung auf vegan umgestellt und es ging ihr immer besser.” Der Arzt sagte: “Nein, nein, Lebensmittel verursachen keine Endometriose! Eine Ernährungsumstellung kann sie nicht behandeln. Es gibt nur eine Erklärung: Das ist ein Wunder!” Sie hatte keine Operation, hat inzwischen drei Kinder, fühlt sich blendend und arbeitet inzwischen für die Organisation PCRM von Barnard als Beraterin. 🙂

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und fand es hochspannend, obwohl es ein Fachbuch ist. Vieles wusste ich schon, aber ich betrachte Käse jetzt mit einem anderen Blick und denke mir meinen Teil, wenn In den sozialen Medien die Menschen schreiben, dass sie alles mit dreifach Käse überbacken müssen! Sie sind einfach Junkies 😉

Im hinteren Teil ist eine Sammlung köstlicher Rezepte zu finden, die einem dabei helfen, seine Sucht zu überwinden mit Gerichten wie Cashewparmesan, rauchigen Tomaten-Mandel-Käsekugeln oder den cremigen Fettuccine Alfredo.


Mehr Informationen

VegMed 2018: Fakten über Käse von Dr. Neal Barnard

Autor: Dr. Neal Barnard
Titel: Raus aus der Käsefalle: Warum der Verzicht auf Käse uns schlanker, gesünder und vitaler macht*
Erschienen: 26. Oktober 2018
Verlag: Narayana Verlag
Form: 352 Seiten
ISBN: 978-3962570415
Preis: 24,90 €

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