Milch und Milchprodukte begünstigen Akne, zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Harvard-Universität nach der Auswertung von 14 internationalen Studien. Der Konsum von Milchprodukten erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Akne zu erkranken. Die Studie wurde in der Zeitschrift „Nutrients“ am 9. August 2018 veröffentlicht.

Akne, lateinisch Acne vulgaris, ist die am weitesten verbreitete Hautkrankheit der westlichen Zivilisation. Sie ist eine häufige chronisch entzündliche Hauterkrankung der Talgdrüsenfollikel. Klinisch ist Akne durch das Vorhandensein von offenen und geschlossenen Komedonen, Papeln, Pusteln und dermalen Gewebeschäden mit eventuell starker Narbenbildung gekennzeichnet. 85 von 100 Jugendlichen bekommen irgendwann während der Pubertät die ärgerlichen Pickel. Jungen sind etwas häufiger und oft auch stärker betroffen als Mädchen. Die Krankheit ist vor allem auf hormonelle Veränderungen zurückzuführen. In den meisten Fällen verschwindet sie bis zum 30. Lebensjahr wieder. Doch tritt die Hauterkrankung immer früher auf und bleibt auch länger bestehen.

Ursachen sind neben hormonellen Schwankungen, genetischen Vorbelastungen und psychischen Faktoren auch die Ernährung. In der groß angelegten Metastudie wurden nun Daten von Untersuchungen zu dieser Fragestellung mit insgesamt 78.000 Teilnehmern im Alter von sieben bis 30 Jahren ausgewertet. 23.046 Probanden litten unter Akne, 55.483 waren den jeweiligen Kontrollgruppen zugeordnet.

Nach Angaben der Harvard-Forscher zeigte sich die erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Akne zu erkranken, unabhängig davon, ob die Probanden voll-, halbfette oder Magermilchprodukte konsumierten. Sie stieg schon bei einem regelmäßigen Milchkonsum von einem Glas pro Tag.

Zusammenhang zwischen Akne und dem Konsum verschiedener Milchprodukte

Eine systematische Literaturrecherche von PubMed von Anfang an bis zum 11. Dezember 2017 wurde durchgeführt, um den Zusammenhang von Milchkonsum und Akne bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Beobachtungsstudien abzuschätzen. Die Vererbung der Akne allein erklärt nicht die hohe Häufigkeit von über 80 Prozent in den westlichen Ländern. Es wurde lange diskutiert, ob eine westliche Ernährung an sich oder bestimmte Nahrungsbestandteile zur Prävalenz und Schwere der Akne beitragen. Dies wurde überwiegend in Beobachtungsstudien untersucht und es gibt nur wenige Studien. Vor allem Milchprodukte wurden verdächtigt, hier besonders der insulinähnliche Wachstumsfaktor-1 (IGF-1).

Mehrere weltweite Beobachtungsstudien wurden über die Aufnahme von Milchprodukten und Akne bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 7 bis 30 Jahren in verschiedenen Ländern veröffentlicht. Das Hauptziel dieser Studie war es, eine Meta-Analyse durchzuführen, um die Assoziation von Akne bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Milchprodukte konsumieren, abzuschätzen. Darüber hinaus war es Ziel, den Zusammenhang zwischen Akne und der Aufnahme von verschiedenen Arten von Milchprodukten (Milch, Joghurt, Käse), Milchuntergruppen (Vollfett, fettarm, Magermilch) und verschiedenen Mengen und Häufigkeiten der Aufnahme von Milchprodukten (Zeiten pro Woche oder Tag) zu untersuchen.

Ergebnisse

Alle Milchprodukte, von Vollfett, Vollmilch, Magermilch und Joghurt unabhängig von Menge oder Frequenz begünstigten Akne im Alter von sieben bis 30 Jahren im Vergleich zum Verzicht auf diese Produkte. Beim Käsekonsum genauso. Schon ein Glas oder mehrere pro Tag erhöhten das Aknerisiko. Vollmilch erhöhte das Risiko weniger als die fettarme Variante. Eine wahrscheinliche Erklärung für diese Beobachtung könnte sein, dass die Menge an Milch, die für fettarme/entrahmte Milch verbraucht wurde, höher ist als die für Vollmilch. Die Ergebnisse sollten jedoch aufgrund der Heterogenität und Verzerrung der Studien mit Vorsicht interpretiert werden.

Eine kürzlich durchgeführte multinationale europäische Online-Fragebogenstudie bei Jugendlichen zeigte, dass sich die Akneprävalenz nicht nach Geschlecht, sondern nach Land unterschied, und Akne war bei jüngeren Menschen und fettleibigen Menschen stärker verbreitet. Die Aufnahme von Milch variiert weltweit und ist weitgehend abhängig von der genetisch bedingten Laktaseverträglichkeit, die bei Menschen nordeuropäischer Abstammung hoch ist, bei Menschen südeuropäischer Abstammung jedoch geringer, in Afrika lückenhaft und im Nahen Osten und Asien niedrig. Die Entwöhnung der Laktase-Enzymaktivität findet in der Regel im Kindes- und Jugendalter statt. Wie das Alter der Entwöhnung der Laktase-Enzymaktivität die Akneentwicklung beeinflusst, ist nicht bekannt.

Nur zwei Studien in der Meta-Analyse berichteten auch über die glykämische Belastung und den glykämischen Index von Lebensmitteln, die in Verbindung mit Milch und Milchprodukten konsumiert wurden, berichteten aber nicht spezifisch über die glykämische Belastung durch den Milchkonsum. Es gibt Hinweise darauf, dass Akne zum Spektrum der mTORC1-getriebenen Zivilisationskrankheiten wie Metabolisches Syndrom, Fettleibigkeit, Insulinresistenz und Krebs gehört. Eine randomisierte Studie hat gezeigt, dass eine Diät mit geringer glykämischer Belastung die Symptome bei Akne vulgaris-Patienten verbessert.

Die Zellen des Körpers besitzen Moleküle, die registrieren, ob eine Zelle wachsen kann oder nicht. Ein zentrales Steuermolekül ist hier mTOR (mechanistic target of Rapamycin). Ist die Nahrungssituation gut, gibt mTOR der Zelle das Signal zum Wachsen. Auf diese Weise wächst Gewebe, zum Beispiel Muskelgewebe. Was bei Kindern gewünscht ist, führt bei Erwachsenen durch einen Überschuss an Proteinen zu verklumpten Zellen, was Alzheimer auslösen kann.


Quelle:

Dairy Intake and Acne Vulgaris: A Systematic Review and Meta-Analysis of 78,529 Children, Adolescents, and Young Adults
Grafiken zur Studie

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