Vegan bei Rheuma und Arthrose – hilft das, um die Schmerzen zu lindern und ein Leben ohne Tabletten führen zu können? Arthritis und Gicht gehören zu den sogenannten Volksleiden. Häufig hängt der Verlauf dieser Erkrankungen mit der Ernährung zusammen, denn tierische Produkte enthalten gesundheitsschädigende Stoffe und können Gelenkschmerzen verstärken und begünstigen. Wer sich stattdessen pflanzlich ernährt, kann entsprechende Beschwerden eindämmen.

Ich habe meine Arthrose mit veganer Ernährung bekämpft

2014 habe ich mich den ganzen Sommer über mit einem fürchterlich schmerzenden Fuß durch die Gegend geschleppt und bin schließlich zu meinem Orthopäden gegangen. Auf dem Röntgenbild war es eindeutig zu sehen – ich hatte die Vorstufe zur Arthrose an den Zehen des rechten Fußes. Mein Orthopäde gab mir ein Rezept für Einlagen und diese halfen auch wirklich ganz gut. Aber ich konnte nun nur noch bestimmte Schuhe tragen und brauchte alle halbe Jahre neue Einlagen. Kein schöner Zustand, zumal ich auch so nicht ganz schmerzfrei war.

Ich begann zu recherchieren und fand heraus, dass Arthrose hauptsächlich durch die sogenannte Arachidonsäure ausgelöst wird, eine vierfach ungesättigte Fettsäure in der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren. Arachidonsäure gilt als eher entzündungsfördernd. Besonders hoch ist ihr Anteil laut Wikipedia in Schweineschmalz (1700 mg pro 100 g), Schweineleber (870 mg pro 100 g), Eigelb (297 mg pro 100 g), Thunfisch (280 mg pro 100 g) und Leberwurst (230 mg pro 100 g). Darüber hinaus kann es bei zuckerreicher Ernährung zu einer verstärkten hormonell gesteuerten Einschleusung in die Zellen kommen.

Geringe Mengen Arachidonsäure in Pflanzen

Pflanzliche Lebensmittel enthalten wenig Arachidonsäure und können helfen, arthritisbedingte Schmerzen zu vermeiden. Eine konkrete Ernährungstherapie gibt es bislang nicht. In Studien* konnte jedoch beobachtet werden, dass eine vegane Lebensweise sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

Ich kaufte mir das Buch Vegan for Fit von Attila Hildmann und probierte die vegane Ernährung einfach mal aus, aß am Wochenende oder bei Feiern aber noch etwas Fleisch oder Fisch. Schon nach wenigen Wochen wurden die Schmerzen immer weniger und ich aß auch immer seltener Fleisch – meistens nur noch auswärts. Irgendwann habe ich die Einlagen einfach weg gelassen.

Rheumatoide Arthritis

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen – zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung – unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dabei entzünden sich die Gelenke, schwellen an und schmerzen, bis der Patient sich nicht mehr frei bewegen kann. Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Appetitlosigkeit, Gewichtabnahme und erhöhte Körpertemperatur von bis zu 38 °C treten als mögliche Vorboten der Erkrankung auf.

Kochbuchautorin Gabriele Lendle erklärt: „Seit ich vegan lebe, habe ich keine rheumatischen Beschwerden mehr“. Nach vielen Therapieversuchen war es die konsequente Ernährungsumstellung, die ihr Leiden linderte und ihr die Lebensqualität zurückgab, die sie sich wünschte. Ihre Erfahrungen mit der Ernährungsumstellung und ihre 140 liebsten Rezepte stellt sie im Sach- und Kochbuch „Ab jetzt vegan!“* vor.

Studie beweist die Wirksamkeit

Benjamin P Williamson brachte 2012 seine Übersichtsarbeit „The Role Of Vegetarian Type Diets In The Management Of Rheumatoid Arthritis: A Literature Review” heraus. In dieser gibt er den bisherigen Forschungsstand zur Beeinflussbarkeit der rheumatoiden Arthritis durch eine vegetarische Ernährung wieder.

Alle vier Studien hatten die Hypothese, dass eine vegetarische Ernährung positive Auswirkungen auf die rheumatoide Arthritis hat. Alle Studien ergaben, dass die subjektiven Symptome und die Beschwerden in Bezug auf die Krankheit verbessert wurden, meist innerhalb weniger Wochen. Die Studien, die ein Jahr oder länger dauerten, zeigten auch eine Verbesserung in den Bereichen der objektiven, klinischen Krankheitsmarker, wie einer Abnahme des CRP im Blut und einer Abnahme der Anzahl und des Grades der geschwollenen Gelenke. 

Die vier Diäten in den Studien waren alle unterschiedlich. Eine war eine fettarme vegane Ernährung mit Getreidekörnern, eine war rohvegan mit fermentierten Getränken, eine war eine vegane glutenfreie Diät, und die letzte war eine vegane Diät, die sich entwickelte zu einer personalisierten vegetarischen Ernährung. Alle Ernährungsformen scheinen geholfen zu haben, aber nur die letzte Form bot den Patienten mehr persönlichen Freiraum und Durchhaltevermögen bei der Diät. Was jedoch alle Ernährungsformen gemeinsam hatten, war der Verzicht auf rotes Fleisch und einem großen Anteil an Gemüse.

Naturheilverfahren und vegane Ernährung

Roman Huber, Leiter des Uni-Zentrums Naturheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg, empfiehlt in einem Artikel der Welt auch klassische Naturheilverfahren, die der Lehre von Sebastian Kneipp folgen. Sie umfassen neben der Behandlung mit Heilpflanzen auch Wasseranwendungen, Ernährungs- oder Bewegungstherapien. So greifen die Wirkstoffe bestimmter Pflanzen in die komplexen Zusammenspiele an Signalen ein, die sich bei Entzündungen im Körper abspielten: „Nachtkerze, Borretsch, Brennnessel oder Krallendorn sind solche Pflanzen. Einzelne Patienten erlebten dadurch eine Besserung der Symptome, verallgemeinern lasse sich das aber nicht,“ so Huber. „Insgesamt ist die Wirksamkeit der bisher in Deutschland verfügbaren Phytotherapeutika sowohl von der Studienlage als auch von der klinischen Erfahrung her bei der rheumatoiden Arthritis als eher gering einzuschätzen.“

Größere Erfolge beobachtet er, wenn die Patienten auf eine vegane Ernährung umstellen: „Bei veganer Ernährung sind weniger Entzündungsbotenstoffe im Körper feststellbar. Wir empfehlen den Patienten, die vegane Ernährung drei Wochen lang zu praktizieren. Ein erster Effekt stellt sich nach drei Tagen ein, die maximale Wirkung nach drei Wochen. Die Patienten können dann selbst entscheiden, wie sie mit dieser Erfahrung umgehen“.

Übergewicht abbauen

Je weniger die Gelenke zu tragen haben, desto besser geht es ihnen. Das Gewicht zu reduzieren, kann zudem den Harnsäuregehalt im Blut senken. Ballaststoffreiche und kalorienarme vegane Lebensmittel helfen dabei. Dazu gehören frisches Gemüse, Obst und gesunde Kohlenhydrate wie Hirse, Buchweizen oder Kartoffeln sowie pflanzliche Eiweiße aus Linsen, Kichererbsen oder Tofu. Fette sollten aus hochwertigen, pflanzlichen Ölen stammen und reich an Omega 3-6-9- Fettsäuren im richtigen Verhältnis sein. Hierfür empfehlen sich Leinöl oder Olivenöl.

Ich habe inzwischen knapp 20 Kilo mit einer Mischung aus Wandern, Kalorien zählen und einer Saftkur gesund über mehr als ein Jahr abgenommen. Ich berichte über meine Fortschritte hier im Blog.


Mehr Informationen

Vegane Ernährung bei Gicht: Übersicht über Purine in pflanzlichen Lebensmitteln
The Role Of Vegetarian Type Diets In The Management Of Rheumatoid Arthritis: A Literature Review
Erfahrungsbericht Gabriele Lendle
Vegane Diät zeigt günstigen Effekt bei Rheuma
Rheumatoid arthritis treated with vegetarian diets

*Leitzmann, Claus /Keller, Markus: Vegetarische Ernährung. 380 S. Ulmer, Stuttgart, 3. Aufl. 2013

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