The End of Meat: Steve Jenkins & Derek Walter über Esther, das Wunderschwein

Derek Walter und Steve Jenkins (v.l.)

Auf der The End of Meat-Conference erzählten Steve Jenkins und Derek Walter wie sie zu Esther, das Wunderschwein, sich in ihr Herz und Heim schnäuzelte. Viele von euch kennen Esther bestimmt schon – diese selbstbewusste Schweinedame ist schließlich ein Social Media-Phänomen mit über einer Million Facebook-Fans! Ihre beiden Väter erzählten, was man alles so erlebt, wenn man sich mit einem ausgewachsenen Hausschwein von 300 Kilo ein 90 Quadratmeter großes Haus in Toronto, Kanada, teilt.

Wie viele andere Geschichten auch beginnt diese mit einer Anfrage von Bekannten. Eine ehemalige Schulfreundin fragte Steve per Facebook-Nachricht, ob er es sich vorstellen könne, ein Zwergschwein bei sich aufzunehmen, da sich dieses mit ihren Hunden nicht vertrage? Steves Neugier war geweckt und er schrieb ihr, dass er interessiert sei, jedoch noch einiges klären müsse und sich dann wieder melden würde.

Derek Walter.

Die Freundin schrieb ihm jedoch wenige Stunden später, dass es noch einen anderen Interessenten geben würde. Als Makler hätte er diesen uralten Trick eigentlich durchschauen müssen, gibt er selbst zu. Aber wenn er etwas unbedingt haben will, stürze sein IQ rapide ab 😉 Kurz und gut: Er sagte zu. Jetzt musste er seine Neuerwerbung nur noch seinem Mann Derek beichten.

Er schmiedete einen Plan und wartete in einem auf Hochglanz polierten Haus und mit seinem Lieblingsessen, darauf, dass Derek nach Hause kam. Da er jedoch ansonsten nicht viel zu Hause putzt, ahnte dieser schon beim Anblick des sauberen Hauses, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Er sah, dass die Hunde an der Terrassentür saßen und in das Arbeitszimmer starrten.

Derek war entsetzt, als er Esther entdeckte und meinte, dass sie neben zwei Hunden und Katzen nicht noch ein Tier im Haus brauchten. Eine Woche lang schmollte er und Steve benahm sich wie der perfekte Ehemann, um die Wogen zu glätten. Wie ihr euch schon denken könnt, war Derek nach einer Woche genauso in Esther verliebt wie Steve. 🙂 Alles schien in bester Ordnung!

Wie bekommt man ein Schwein stubenrein?

Foto: mindjazz pictures

Steve und Derek bauten ihr ein großes Katzenklo, welches sie auch mehr oder weniger benutzte. Als sie größer wurde, versuchten sie, mit ihr regelmäßig in den Garten zu gehen, damit sie dort ihr Geschäft erledigte. Immer, wenn sie erfolgreich war, bekam sie ein Leckerli. Ihr wisst ja wahrscheinlich, dass Schweine sehr schlau sind. Was machte Esther? Sie meldete sich und zeigte, dass sie mal musste. Einer von beiden ging mit ihr in den Garten und sie setzte sich hin und tat so, als würde sie pinkeln und bekam daraufhin die Belohnung 😉

Derek erzählt, wie er mit den Hunden und Keksen gespielt hat. Er meinte, den Trick mit dem Keks in der Hand, den er in die Luft geworfen hat und die Hunde ihn gefangen haben, funktionierte mit Esther genau einmal, dann hatte sie ihn durchschaut. Sie stellte sich hinter ihn, da sie wusste, dass der Keks in seiner Hand hinter dem Rücken war 😉

Dass Schweine sehr schlau sind, bewies Esther unter anderem dadurch, dass sie beispielsweise anfing, ihre Essensdiebstähle in Etappen einzuteilen. Sie ging ins Wohnzimmer, sah, dass alle ruhig auf dem Sofa saßen, ging in die Küche, öffnete den Schrank, holte die Kiste hervor und ging wieder ins Wohnzimmer, um die Lage zu checken. Sie teilte diese in Etappen ein, um so unauffällig und leise wie möglich zu sein und so ihre Erfolgschancen zu vergrößern.

Esther isst übrigens zweimal am Tag 4,5 Kilo Futter und sie achten darauf, dass es fettarm und ballaststoffreich ist, da Schweine schnell zunehmen, was aber genau wie bei uns, schlecht ist für die Gelenke. Im Gegensatz zu Schweinen in der Massentierhaltung, die extra viele Kalorien essen sollen, um schnell Gewicht zuzulegen.

Bacon braten während Esther bettelt!

Wenn man ein Schwein als Haustier hat und Fleischesser ist, macht man sich erst mal keine Gedanken darüber, dass man ja die Verwandten von seinem geliebten Tier isst. Die Erkenntnis kam den beiden eines Abends, als Derek in der Küche stand und Bacon angebraten hat. Der Duft wehte zu Steve hinüber.

Plötzlich roch dieser Geruch nach Tod. Er guckte in die Küche und sah den seligen Gesichtsausdruck von Esther, die daneben saß und bettelte. Steve sagte zu Derek: „Ich glaube nicht, dass ich das essen kann.“ Derek ging es genauso. Erst mieden sie Schweinefleisch und aßen ansonsten normal weiter. Dann sahen sie Dokumentationen wie Vegucated, Food Inc. und Blackfish und beschlossen nach einer Weile, ihre Ernährung auf vegan umzustellen.

Gründung eines Lebenshofes auf dem Land

Foto: mindjazz pictures

Die beiden konnten sich ein Leben ohne Esther nicht mehr vorstellen, aber das Haus war nun einfach zu klein für die ganze Bande. Steve sollte für einen Kunden ein größeres Anwesen auf dem Land suchen und entdeckte eine perfekte ältere Farm für sich und Derek. Mittlerweile hatten sie den Wunsch, einen Lebenshof zu gründen, um weiteren Tieren ein Heim bieten zu können. Dies posteten sie auf ihrer vor kurzem gegründeten, sehr erfolgreichen Facebook-Seite und die Fans schlugen eine Finanzierung per Crowdfunding vor. Heute leben sie mit Esther und vielen anderen tierischen Freunden auf dem Land in Ontario im Happily Ever Esther Farm Sanctuary.

Steve sagte im Vortrag, dass wir Veganer tolerant und verständnisvoll mit unseren Freunden und der Familie sein sollen, denn auch sie hätten wahrscheinlich nie ihre Ernährung umgestellt, wenn Esther nicht gewesen wäre. Durch sie erkannten sie, dass Tiere Individuen sind mit Charakter. Wir sollen jedoch auch die Hoffnung nie aufgeben, denn jeder kann sich ändern!

Auf der Facebook-Seite versuchen sie, mit emotionalen Beiträgen, Menschen vor Augen zu führen, dass die Schweine, die auf ihren Tellern landen, zu Esthers Familie gehören und ihre Brüder und Schwestern sein könnten. Da es für ihre Fans unvorstellbar wäre, Esther zu essen, erreichen sie so viele Menschen, die anfangen, über ihren Fleischkonsum nachzudenken. Denn der größte Teil der Fans sind keine Veganer, sie kommen auf die Seite wegen der lustigen Fotos von Esther und erzählen davon ihren Freunden. Das nennen die beiden den Esthereffekt.

Nach dem Vortrag kam eine Frage aus dem Publikum, ob es denn ein neues Buch geben wird? Ja, es wird ein neues Buch geben, sie haben es gerade fertiggestellt und es wird voraussichtlich im Frühjahr erscheinen. Vermutlich dann jedoch erst einmal auf Englisch. Sie haben auch ein Kinderbuch geschrieben, erzählen sie, welches ein sehr spannendes Projekt für die beiden war, denn Kinder sind die Zukunft und bei ihnen muss man ansetzen 🙂 Sie hätten eine Mail von einer Großmutter bekommen, die sich darüber beschwerte, dass ihre Enkel durch Esther beschlossen hätten, kein Fleisch mehr zu essen. Ihre Tochter habe nun Probleme, etwas für ihre Kinder zu kochen!


Mehr Informationen

Website estherthewonderpig.com
Autor: Steve Jenkins, Derek Walter, Caprice Crane
Titel: Esther, das Wunderschwein (Werbung)
Erschienen: 12. September 2016
Verlag: btb Verlag
Form: 256 Seiten
ISBN: 978-3442714889
Preis: 12,99 €
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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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