Vegane Rohkost: Nicht alle Freunde von Hendrik Schulze akzeptieren es!

Hendrik isst seit drei Jahren hauptsächlich vegane Rohkost – Auslöser dafür waren mehrere Schicksalsschläge durch Krankheit in seinem familiärem Umfeld. Er wollte so etwas nicht wieder erleben, nahm seine Gesundheit selbst in die Hand und stellte vor drei Jahren seine Ernährung um.

Nicht nur seine Denk- und Lebensweise änderte sich sondern er wurde seinen Heuschnupfen los, war mittags nicht mehr so müde und Zahnfleischbluten sowie Blut im Stuhlgang verschwanden auch. Er ist leistungsfähiger, hat mehr Lust auf Sport und kann besser mit Stress umgehen.

Die Umstellung ist nicht einfach

Viele Veganer und Rohköstler berichten von Entgiftungserscheinungen in der ersten Zeit nach der Umstellung. Ich hatte damit sehr zu kämpfen. Hendrik hatte lediglich in den ersten zwei Wochen leichte Kopfschmerzen: „Die erste Zeit ist nicht einfach, viel Motivation habe ich aus Lesen und Austausch genommen. Da ich mich aber auch nie gezwungen habe, Hundert prozentig perfekt zu sein, fällt vieles leichter. Insgesamt habe ich etwa 13 Kilo abgenommen, von denen ich inzwischen wieder fünf zugenommen habe, allerdings ist der Körperfettanteil geringer. Im Nachhinein bin ich überzeugt, dass in diesem Abnehmprozess auch viele Stoffe, Fette, Ablagerungen etc. enthalten waren, die mein Körper durch die Entgiftung losgeworden ist,“ erzählt er.

Wie funktioniert das im Alltag?

Veganer Rohköstler Hendrik Schulze.
Veganer Rohköstler Hendrik Schulze.

Hendrik ernährt sich nicht nach einer bestimmten Methode sondern hinterfragt sich und seine Ernährungsweise ständig, probiert Sachen aus und beobachtet, wie sein Körper darauf reagiert. Zum Beispiel hat er zwar ein Dörrgerät, benutzt aber nur sehr selten.

Da er beruflich stark eingespannt ist und nicht selbst Sprossen und Keime herstellen kann, hat er folgenden Tipp: „Ich kann den Tip geben, fertig gekeimte und unter Rohkostqualität zurückgetrocknete Samen etc. zu kaufen. Es gibt gekeimten Buchweizen, Haferflocken, Quinoa etc. bei verschiedenen Onlinelieferanten. Langfristig möchte ich aber auf jeden Fall mehr selbst keimen und insbesondere Lebensmittel selbst anbauen, um die maximale Nährstoffdichte aufgrund sehr kurzer Transportwege von der Pflanze in den Mund zu erhalten.“ Für viele Menschen dürfte das allerdings auch eine Kostenfrage sein, denn Hendrik verrät mir, dass er etwa das Dreifache für Lebensmittel ausgibt wie vor der Umstellung.

Wer etwas mehr Zeit hat, kann viel Geld durch das Sammeln von Wildkräutern sparen. Hendrik sammelt auch: „Brennessel, Lindenblätter, Bärlauch, Löwenzahn… Aber hier ist noch sehr viel Potenzial, man braucht etwas Zeit um sich damit zu beschäftigen und zu lernen, was man essen kann und was nicht,“ stellt er klar.

Wie reagiert das Umfeld?

Hendrik erzählt, dass es sehr große Unterschiede zwischen den Freunden gab: „Ich habe gute Freunde die, völlig unabhängig ob sie sich für meine Ernährung interessieren oder nicht, mich weiter so behandeln wie früher. Sie respektieren was ich mache und wenn sie Fragen haben, dann fragen sie mich direkt.

Bei anderen, eigentlich ebenfalls guten Freunden, merkt man jedoch leider, dass diese einen nicht mehr so mit einbeziehen wie früher. Man wird weniger zu gemeinsamen Abenden, Aktionen oder Essen gehen eingeladen. Dabei habe ich selbst nie angefangen bei Gesellschaften von Essen zu sprechen, es waren andere Leute, die Fragen oder Kommentare abgegeben haben, auf die ich schlicht reagierte.

Ich war lange Zeit schon recht traurig darüber, aber ich scheine bei diesem Muster nicht alleine zu sein. Viele Menschen die so eine ‚harte‘ Umstellung gemacht haben, haben ähnliche Erfahrungen mit ihren Freunden gemacht. Wenn man bei dem Thema etwas mehr in die Tiefe geht, dann findet man diesen Effekt sogar in der Psychologie wieder, wo nachgewiesen ist, dass sich Menschen immer an dem Gewohnten, Liebgewonnenen orientieren und sich sicher fühlen. Alles andere verunsichert sie und deswegen vermeiden sie es.“

Er ist nicht sauer auf seine Freunde: „Es scheint menschlich zu sein. Ich bin sicher mit der Zeit werden sie das auch lockerer sehen und selbstsicherer werden, und dann beruhigt sich das alles wieder. Meine Familie ist glücklich, dass ich das mache und ich teile mein Wissen und meine Erfahrung mit ihr.“

Geht er auch Kompromisse ein?

Ich habe mal von einer Rohköstlerin gelesen, die schlimme Bauchschmerzen bekam, wenn sie wieder erhitzte Nahrung aß. Hendrik bekommt zwar eine verschnupfte Nase, ist aber nicht streng mit sich. Bei einer Sache macht er wirklich keine Ausnahme mehr: „Wann immer es nötig ist oder es sich einfach anbietet, gehe ich auch Kompromisse ein. Ich bin nicht streng zu mir. Außer Brot bzw. Weizen – das fass ich wirklich gar nicht mehr an.“

Er profitiert von der zunehmenden Anzahl veganer Restaurants: „Es gibt ja glücklicherweise immer mehr tolle vegane und sogar auch Rohkost-Restaurants, vor allem in Berlin. Tatsächlich esse ich aber auch mal in einem Restaurant, welches auf seiner eigenen Weide Tiere grasen hat, ein Stück von deren Wildfleisch, welches etwa 40 Sekunden von beiden Seiten angebraten wurde und innen Rohkosttemperatur hat. Das mag den einen oder anderen strengen Veganer schockieren, aber auf diese Art und Weise ist mein Fleischkonsum 99 Prozent geringer als früher, daher finde ich es legitim.“

Im Urlaub verpflegt er sich häufig selbst: „Ich frühstücke meist erst mittags, und wenn ich mal lange unterwegs bin habe ich auch kein Problem damit, erst Abends zu frühstücken. Wo ich diese Zeilen schreibe befinde ich mich im Urlaub in der Schweiz. Es gab hier eine ordentliche Bioabteilung im Supermarkt, heute gab es dementsprechend leckeren Kohlsalat und im Anschluss einen Smoothie mit Leinsamen, Haferflocken und Zimt.“

Welche Bücher kann er empfehlen?

„Aktuell lese ich gerade das große Rohkost Buch von Angelika Fischer, und obgleich ich noch nicht ganz durch bin, kann ich schon jetzt sagen, dass es hervorragend ist. Ebenfalls kann ich aber auch die Bücher von Dr. Strunz empfehlen, unabhängig davon, dass sich diese nicht mit Rohkost beschäftigen beinhalten sie viel Lehrreiches und Denkwürdiges.“

Seine Lieblingsrezepte verrät er mir auch noch: „Kohlrabi, in Stücke schneiden, mit rotem Pesto. Dieses sollte vegan sein und kalt verarbeitet werden, damit die guten Nährstoffe der unerhitzten Pflanzenöle erhalten bleiben. Man kann auch Tomaten und Gurken schneiden und vegane Mayo, etwas Tamari (Sojasoße) und etwas Balsamico dazu geben. Mit Hanfsamen bestreuen. Simpel aber himmlisch lecker. Oder eine Hand Mandeln, eine Hand Cashews und drei EL Leinsamen in den Mixer, sowie Stevia oder Birkenzucker mit Wasser mixen zu einer zähflüssigen Konsistenz. Dazu etwas Vanille und etwas gekeimten Buchweizen zum Knuspern drüberstreuen. Holy Shit :)“

Er empfiehlt auch den Blog von nordischroh.com

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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