Rezension: Die Küche der Achtsamkeit von Tainá Guedes

Die Küche der Achtsamkeit von Tainá Guedes hat das Ziel, gesundes Essen mit kreativer Küche und der Schonung von Ressourcen zu verbinden. Der Begriff „Mottainai“ kommt ursprünglich aus dem japanischen Buddhismus und bedeutet reduzieren, wiederverwenden und -verwerten aber gleichzeitig auch, Dankbarkeit zeigen: „Weil es so vielschichtig ist, habe ich mich entschlossen, dieses Buch über eine Küche der Achtsamkeit zu schreiben und darin von Mottainai zu erzählen und davon, wie ich dieses Prinzip beim Kochen und Essen umsetze,“ schreibt die Autorin in der Einleitung.

1978 wurde sie in São Paulo, Brasilien geboren, ihre Mutter ist Japanerin, ihr Vater ein brasilianischer Künstler. Sie wuchs in der kreativen Atmosphäre auf, die in den Kreisen der Kunstgalerie ihres Vaters und seiner Freunde herrschte. Hautnah musste sie die Industrialisierung und Zerstörung der Umwelt miterleben: „Ich habe gesehen, wie die indigene Bevölkerung in Reservate verbannt wurde und die Flächen, die sie vorher bewohnt hatte, gerodet wurden.“ Auch die Verschwendung von Lebensmitteln ist ihr ein Dorn im Auge: „Es hängt eng zusammen mit dem Nachdenken über die Natur, über den Boden, unser Verhältnis zu Lebensmitteln und generell über unser Verhältnis zur Erde und zu den Menschen, die dort leben.“ Mottainai schließe all das ein ließe sich in jedem Augenblick des Lebens anwenden: Beim Kochen, Einkaufen und Wegwerfen.

Gründung eines Restaurants in São Paulo

Mit 19 gründet sie mit einigen Leuten ein japanisches Restaurant, welches sie einige Jahre mitführt. Es ist sehr erfolgreich und expandiert schnell. Während dieser Zeit lässt sie sich an der SENAC, der Hochschule für Gastronomie, zur Köchin ausbilden – sie wollte so gut kochen können wie die Küchenchefs ihres Restaurants: „Essen ist etwas, das ständig präsent ist,“ in der Kultur, Geschichte, Philosophie, unseren Gefühlen. Es verbinde alle Aspekte des Lebens miteinander.

2006 zieht sie nach Europa um und beginnt, “Shojin Ryori” zu studieren – die buddhistische vegetarische Küche Japans. 2007 lädt ein Shojin-Küchenmeister sie nach Japan ein und sie „erlebt den freundlichen, hingebungsvollen Geist, der das Wesen der japanischen Kultur ausmacht. Shojin Ryori ist nicht nur eine antike, schöne, harmonische, philosophische und hingebungsvolle ‚Zutat‘ der traditionellen japanischen Kultur. Es ist vielmehr ein Ausdruck ständiger Veränderung und Erneuerung. Im modernen Leben wird diese Suche nach innerem Gleichgewicht, Gesundheit und – insgesamt – nach einem harmonischen Miteinander und Respekt voreinander zu einer Kunst, aktueller und innovativer denn je.“

Shojin ist ein buddhistischer Ausdruck, der Hingebung, Reinigung, Askese oder Sorgfalt bedeutet, auf der Suche nach Erleuchtung und Perfektion. Shojin Ryory ist eine vegetarische Küche, die via China und Korea nach Japan gebracht wurde, gleichzeitig mit der Einführung des Buddhismus im sechsten Jahrhundert.

Kann Essen Kunst sein?

Heute lebt sie in Berlin und hat eine eigene Galerie, die Entretempo Kitchen Gallery, wo sie verschiedene Arbeiten der Food Art zeigt und Abendessen mit thematischen Schwerpunkten veranstaltet: „Diese Arbeit als Köchin und als eine mit Essen arbeitende Künstlerin bietet mir die Chance, mich mit allen möglichen Menschen, Kindern wie Erwachsenen, über diese Themen auszutauschen.“ Mit Aromen, Düften und Texturen möchte sie Menschen auf einer sinnlichen Ebene ansprechen und so eine positive Veränderung in der Welt erreichen.

Sie gründete die Food Art Week, die sehr erfolgreich ist. Inzwischen umfasst das Programm der Berlin Food Art Week über 60 Veranstaltungen an 30 Orten.

Heute gibt es Kater an Buch 😉

Tainá Guedes erzählt in ihrem Buch mit vielen ästhetischen Fotos, Illustrationen und Texten viel über Mottainai und ihrer Biografie: „Die Rezepte in diesem Buch handeln von dieser Geschichte, einem Leben zwischen den Kulturen: Brasilien, Japan, Europa.“ Nichts soll verschwendet werden – nicht der trockenste Brotkrümel, das letzte Reiskorn, der kleinste Marmeladenrest: „Die Welt mit Respekt zu behandeln, darum geht es bei Mottainai. Ich wünsche mir, gemeinsam mit Euch allen anderen Träumern da draußen die Saat für ein harmonischeres Leben zu legen.“

Sushi aus Gemüseschalen und paniertes Affenschnitzel

Als sie elf Jahre alt ist, stirbt ihr Vater und die Familie steht vor großen finanziellen Problemen: „Selbst einmal Armut erfahren zu haben, das motiviert mich bis heute, dafür einzutreten, dass wir uns eine bessere und gerechtere Welt erschaffen.“ Ihre Mutter musste ein Bild ihres Vaters verkaufen, ihr Lieblingsbild, da sie nicht genug zu essen hatten: „Essen wurde wichtiger als Kunst.“

Tainá zeigt Rezepte für Gemüsechips aus Misfits, also Gemüse, welches krumm gewachsen ist, einem Salat aus Gemüseschalen mit Zitronendressing, ein Wildpflanzenpesto, eine Salatsauce mit Marmeladenresten oder beispielsweise ein Kuchen aus überreifen Bananen. „Ist es nicht unglaublich, dass wir Bananenschalen essen können? Es geht wirklich,“ schreibt sie begeistert. Natürlich würde ich nur Biobananen nehmen.

Im hinteren Teil erfahrt ihr Grundrezepte für asiatische Gerichte, die in den Rezepten verwendet werden, Einkaufs- und Aufbewahrungstipps sowie Bezugsquellen und ein Glossar. Ein Kapitel von insgesamt zehn hat sie auch Rezepten gewidmet, mit denen sie ihren kleinen Sohn glücklich macht. Von 50 Rezepten sind 30 vegan und 20 vegetarisch, aber sie lassen sich durch die Verwendung von Pflanzenmilch, -joghurt und den üblichen Eiersatzprodukten kinderleicht veganisieren. Man sollte das Buch deshalb nicht verdammen, denn dann würde man viel verpassen.


Mehr Informationen

Autor: Tainá Guedes
Titel: Die Küche der Aufmerksamkeit (Werbung)
Erschienen: 8. März 2017
Verlag: Verlag Antje Kunstmann GmbH
Form: 208 Seiten
ISBN: 978-3956141355
Preis: 28,00 €

DIE FRAU HINTER DER FOOD ART WEEK, TAINA GUEDES
ENTRETEMPO KITCHEN GALLERY
Tainá Guede Kochen mit Brot

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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