Interview mit Antje Gahl, DGE, über das Positionspapier vegane Ernährung!

Antje Gahl, DGE Foto: DGE
Antje Gahl, DGE Foto: DGE

Wer sich die Mühe macht und tatsächlich das neue Positionspapier vegane Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) herunterlädt, ausdruckt und durchliest, erkennt schnell, dass die Autoren das erste Mal klar Stellung dazu beziehen, dass der Verzehr von rotem Fleisch und Fleischerzeugnissen das Risiko für viele Krankheiten erhöht, darunter auch viele Krebsarten.

Gleichzeitig berichten die Medien einseitig darüber, dass die vegane Ernährung ohne einen regelmäßigen Besuch beim Arzt sowie eine Ernährungsberatung nicht möglich ist.

Wer hat nun Recht? Ich wollte es genau wissen, rief bei der DGE an und bat um einen Interviewtermin. Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin und Pressereferentin bei der DGE, war sehr freundlich und erklärte sich sofort bereit, mit mir ein Interview zu führen.

Hallo Frau Gahl, meine Leser und ich freuen uns sehr, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Warum hat die DGE das Positionspapier zur veganen Ernährung herausgegeben? War es die Warnung der WHO im Oktober, dass der Verzehr von zu viel Fleisch das Risiko für Krebs erhöht oder die immer beliebter werdende vegane Ernährung?

Wir haben das Positionspapier erarbeitet weil es sich ja in den letzten ein bis zwei Jahren um ein sehr aktuelles Thema handelt, das von Journalisten und Medien oft angefragt wurde. Angesichts des steigenden Interesses an der veganen Ernährung wollten wir unsere Position kommunizieren, um dadurch Verunsicherungen in der Bevölkerung abzubauen und Risiken und Chancen zu bewerten. Wir haben deshalb entsprechend die Literatur gesichtet und die vorhandenen Unterlagen aktualisiert. Das hatte nichts mit der Warnung der WHO zu tun und ist unabhängig davon zu sehen.

In dem Positionspapier wird in der Zusammenfassung etwas drastisch vor einer veganen Ernährung ohne Arzt und Ernährungsberatung gewarnt. Liest man aber das gesamte Papier, wird klar, dass das größte Risiko eine Unterversorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin B12 ist. Dieses Risiko lässt sich mit einer regelmäßigen Supplementierung relativ leicht vermeiden, oder?

Sofern eine gezielte Lebensmittelauswahl erfolgt, die vegane Ernährung abwechslungsreich ist und die Auswahl bewusst und bedarfsgerecht erfolgt, verringert sich das Risiko für weitere Nährstoffdefizite. Dann bezieht sich das Risiko für eine Unterversorgung hauptsächlich auf das Vitamin B12 und es kann völlig ausreichend sein, wenn ich mich ausgewogen ernähre und regelmäßig supplementiere. Pauschal kann ich das jedoch nicht bestätigen. Wir haben wenig Daten darüber, ob eventuell weitere Nährstoffdefizite beispielsweise für Jod oder Calcium bestehen. Eine ausreichende Versorgung mit B12 kann bei einer veganen Ernährung tatsächlich nur mit der Einnahme eines Nährstoffpräparates erfolgen.

Weitere Nährstoffpräparate wären eigentlich nur dann angezeigt wenn bekannt ist, dass ein Bedarf verschiedener Nährstoffe durch den Lebensmittelverzehr nicht ausreichend gedeckt werden kann. Wenn der Mangel durch eine ärztliche Untersuchung diagnostiziert wurde, dann sollte man diesen gezielt ausgleichen. Aber für den gesunden Veganer, der durch eine regelmäßige Untersuchung weiß, dass er keine Nährstoffdefizite hat, für den ist nur eine B12-Supplementierung ausreichend.

Welche Kost beugt Ihrer Meinung nach den meisten Zivilisationskrankheiten am besten vor?

Die Zusammensetzung der Ernährung, insbesondere das Verhältnis von tierischen zu pflanzlichen Lebensmitteln und auch der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel bestimmt nach unseren derzeitigen Erkenntnissen das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten. Es ist schwierig zu sagen ‚diese Kostform ist die Beste.‘ Ernährung kann sehr vielseitig sein. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die hohe Zufuhr von rotem Fleisch insbesondere Fleischerzeugnissen, das Risiko für einige Krankheiten erhöht. Beispielsweise zeigen auch die Daten im 12. Ernährungsbericht der DGE dass das Risiko für bestimmte Krebsarten wahrscheinlich erhöht ist. Nach den vorliegenden Studienergebnissen können wir derzeit nicht von einem gesundheitlichen Vorteil von Vegetariern gegenüber einem sich vergleichbar ernährenden Mischköstler mit wenig Fleischanteil in seiner Ernährung ausgehen.

Dagegen hat eine pflanzenbetonte Kost, mit hohem Anteil an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Gemüse und Obst gegenüber der derzeit in Deutschland üblichen Mischkost gesundheitliche Vorteile und kann das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus senken.

Für die DGE ist die optimale Kost eine vollwertige Ernährung in Form einer Mischkost, die größtenteils aus pflanzlichen und zu einem kleineren Teil aus tierischen Lebensmitteln inklusive Fisch und wenig Fleisch und Fleischerzeugnissen besteht. Natürlich ist auch dauerhaft eine pesco- und ovo-lacto-vegetarische Ernährung geeignet.

Welche Vorteile bietet die vegetarische oder vegane Ernährungsform gegenüber der durchschnittlichen deutschen Mischkost?

Eine vegetarische beziehungsweise vegane Kost zeichnet sich ja schon durch die pflanzenbetonte Ernährung aus und ist häufig auch mit weiteren gesundheitsfördernden Faktoren verbunden – insbesondere auch der Lebensstil, der bei vegetarischer oder veganer Lebensweise noch dazu kommt. Viele Veganer sind auch Nichtraucher, konsumieren keinen oder nur ganz wenig Alkohol und sind körperlich aktiv. Das macht es manchmal ein bisschen schwer, den Effekt allein auf die Ernährung zurückzuführen. Aber trotzdem kann man anhand der aktuellen Daten sagen, dass eine ballaststoffreiche, gemüse- und obstreiche Kost natürlich viele Krankheitsrisiken senken kann. Das ist aber unabhängig von vegetarisch oder vegan. Von daher kann ich keinen Vorteil für die Gesundheit von Vegetariern oder Veganern gegenüber sich vergleichbar ernährenden Mischköstlern mit einem geringen Fleischanteil in der Ernährung erkennen. Ich kann nicht sagen der Vegetarier oder der Veganer ernährt sich grundsätzlich gesünder.

Wenn die Auswahl der Lebensmittel wirklich vielseitig und abwechslungsreich ist, mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und vielen Nüssen und Samen – dann haben wir auf jeden Fall eine ernährungsphysiologisch günstige und gesundheitsfördernde Ernährungsweise. Da kann ich wieder nur sagen, dass anhand der aktuellen Daten Vegetarier keinen gesundheitlichen Vorteil gegenüber Mischköstlern mit geringem Fleischanteil in der Ernährung haben. Gleiches gilt übrigens auch im Hinblick auf das Sterblichkeitsrisiko.

Im Umkehrschluss gibt es mittlerweile ja auch den Puddingveganer. Es sollte allen klar sein, dass es den Fleischesser genauso wenig gibt wie DEN Veganer. Warum aber warnt die DGE nur bei dem Veganer davor, dass dieser mangelernährt sein könnte?

Ja das stimmt. Also jede Ernährungsweise, die essenzielle Nährstoffe und Energie nicht bedarfsgerecht zuführt – egal ob das ein Mischköstler ist, ein Veganer oder ein Vegetarier ist – ist für die Gesundheit ungünstig. Wie schon erwähnt, kann die adäquate Zufuhr der Nährstoffe durch eine abwechslungsreiche vielfältige Lebensmittelauswahl das Risiko für Nährstoffdefizite verringern. Beim Puddingveganer ist diese eingeschränkt. Er verzehrt zwar keine tierischen Produkte aber auch wenig Vollkornprodukte und Gemüse und stattdessen Süßigkeiten und viele Fertigprodukte.

Was auch beim Mischköstler sein kann, der sich von vielen Fastfood-Produkten und Fertiggerichten ernährt. Für Veganer gibt es im Handel ein reichhaltiges Sortiment an Fleischersatzprodukten auf Sojabasis. Die sind grundsätzlich eine Alternative und können zur Nährstoffversorgung von Veganern beitragen, sind aber ernährungsphysiologisch nicht immer günstig einzuordnen. Auch diese können einen hohen Anteil an Zucker, Speisesalz und Fett sowie viele Zusatzstoffe enthalten.

Fakt ist, dass bei einer rein pflanzlichen Ernährung eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht bzw. nur schwer möglich ist. Wir weisen aber nicht nur beim Veganer darauf hin, dass der mangelernährt sein könnte. Weil die vegane Ernährungsweise jetzt so stark diskutiert wurde, haben wir eben speziell die Risiken dafür aufgezeigt. Auch ein üblicher deutscher Mischköstler kann mangelernährt sein.

Ich ernähre mich beispielsweise seit 1,5 Jahren vegan und meine Blutwerte sind vorbildlich. Ich esse viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Nüsse und benutze eine B12-Zahnpasta. Ab und zu trinke ich ein Glas Rotwein, esse veganes Eis oder Schokolade und trinke Kaffee mit Sojamilch. Bin ich ein Vorzeigeveganer oder auch gefährdet?

Die DGE sagt ja auch in ihrem aktuellen Positionspapier, dass eine bedarfsgerechte vegane Ernährung durchaus möglich ist. Wenn Sie alles essen und B12 -Präparate einnehmen, mal ein Glas Rotwein trinken oder Schokolade essen, dann könnten sie der Vorzeigeveganer sein und sind nicht gefährdet. Von daher ist eine bedarfsgerechte vegane Ernährung möglich, wenn man die schon erwähnten Dinge beachtet. Dann verringert sich das Risiko für eine Unterversorgung mit Nährstoffen.

Mir persönlich erschien die Argumentation in dem Papier hinsichtlich der veganen Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit als etwas widersprüchlich. Ich kenne mittlerweile viele vegan lebende Frauen, die ihre Kinder vegan ernähren. Die Kinder sind eher schlank und seltener krank als ihre Altersgenossen. Was ist ihre Meinung?

Säuglinge stellen eine sehr sensible Bevölkerungsgruppe dar. Wir weisen einfach darauf hin, wenn Frauen sich und auch ihre Kinder vegan ernähren, dass sie dann darauf achten sollten. Man kann das nicht immer pauschal für alle beurteilen. Es besteht eben eine Versorgungsproblematik für einige Nährstoffe wie Vitamin B12 oder Jod. Wenn sich Kinder über die gesamte Wachstumsphase bis hin zum Jugendlichen oder auch Schwangere und Stillende vegan ernähren, sollte eine gesonderte Aufmerksamkeit auf den Nährstoffen liegen, da gerade in den genannten sensiblen Lebensphasen das Risiko für einen Nährstoffmangel höher ist als bei gesunden erwachsenen Veganern. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, aber wir denken, dass gerade Kinder von sich vegan ernährenden Müttern ein größeres Risiko für Nährstoffdefizite haben.

Im Positionspapier betonen wir auch, dass für eine umfassende Beurteilung aussagekräftige Studien mit vegan lebenden Kindern fehlen. Es gibt immer nur einzelne Fallberichte die zeigen, dass bei sich vegan ernährenden Müttern insbesondere eine Versorgung mit B12 und Jod nicht ausreichend ist und es dort bei den Säuglingen zu neurologischen Störungen und anämischen Zuständen, also Blutarmut, gekommen ist.

Auch für Säuglinge, die nicht gestillt werden, bleibt es unklar, ob eine Säuglingsmilchnahrung auf Kuhmilch- oder Sojabasis gesünder ist, da sich hier die Meinungen widersprechen. Was empfehlen Sie Müttern die vegan leben und aus verschiedenen Gründen ihre Kinder nicht stillen können?

Beim Verzicht auf Kuhmilch bleibt mir als Alternative nur die Säuglingsmilchnahrung auf Sojabasis. Ob diese geeignet ist, wird unterschiedlich diskutiert. Das müssen letztlich die Mütter selber entscheiden und gegebenenfalls Rücksprache mit dem Kinderarzt halten. Sojagetränke und vegane Ersatzprodukte, die ja auch umgangssprachlich als Milch bezeichnet werden, sind nährstoffspezifisch nicht auf Säuglinge abgestimmt und daher ungeeignet. Es gibt Übersichtsarbeiten die zu dem Schluss kommen, dass diese sicher sind und nicht anders als andere Milchnahrung wirken.

Wenn Mütter sich dafür entscheiden sollten Sie aber die möglichen Risiken im Auge behalten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Netzwerk Junge Familie sowie die Ernährungskommission der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sind der Meinung, dass eine Säuglingsmilchnahrung auf Sojabasis keinen Ersatz für Produkte auf Kuhmilch darstellen und nicht für die Ernährung von gesunden Säuglingen geeignet ist.

Bei Kuhmilcheiweißallergie können die Mütter auch darauf zurückgreifen, wenn sie nicht die speziellen Hydrolysatnahrungen verwenden wollen. Machbar ist es also schon, trotzdem sollte man beispielsweise bei den Untersuchungen ein Augenmerk auf die Nährstoffe haben. Es ist möglich, dass Wachstumsstörungen aufgrund von Energie- und Proteinmangel auftreten. Das sollte man im Hinterkopf behalten.

Welche positiven Wirkungen hat das Keimen lassen von Getreide auf die menschliche Ernährung und warum empfehlen Sie dies?

Keimlinge von Getreide, Nüsse und Samen sind eine wesentliche Lebensmittelquelle in der veganen Ernährung. Da in Getreide auch natürliche Stoffe wie Phytate oder Tannine enthalten sind, die die Aufnahme von verschiedenen Nährstoffen vermindern können, empfehlen wir, Getreide auch einmal keimen zu lassen oder einzuweichen. Dadurch verbessert sich die Verfügbarkeit von Nährstoffen, unter anderem für das Vitamin B2. Phytate verhindern dann auch nicht mehr die Eisenaufnahme. Durch das Einweichen oder Kochen wird die Verfügbarkeit dieser Nährstoffe verbessert.

Guckt man, wie im Positionspapier auch erwähnt, auf die internationalen Ernährungsempfehlungen der Academy of Nutrition and Dietetics in den USA oder das National Health and Research Council in Australien, so fällt auf, dass eigentlich nur in Deutschland so vor den Gefahren einer Mangelernährung gewarnt wird.

Die Academy of Nutrition and Dietetics in den USA vertritt ihre Position, die aus 2009 stammt, dass eine gut geplante vegane Ernährung, die Nährstoffpräparate und angereicherte Lebensmittel einschließt, allen Ernährungsempfehlungen gerecht werden kann und auch für alle Altersgruppen und Schwangere und Stillende angemessen ist. Die Australier folgen dieser Einschätzung und die Kanadier auch. Es gibt aber – wie schon erwähnt – nur wenig aussagekräftige Studien zur Beurteilung der ernährungsphysiologischen Qualität sowie zur veganen Ernährung in diesen sensiblen Lebensphasen. Daher ist auch zur Nährstoffversorgung vegan lebender Menschen, insbesondere in Deutschland, relativ wenig bekannt und das erschwert die Beurteilung. Die nordamerikanischen Studien können nicht zwangsläufig auf die deutsche Bevölkerung übertragen werden, da dort deutlich mehr Lebensmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert auf dem Markt sind.

Auch bei uns gibt es immer mehr angereicherte Lebensmittel , so dass diese Problematik vielleicht nur noch eine Frage der Zeit ist. Durch die Unterschiede in der Verfügbarkeit ist die Versorgung mit kritischen Nährstoffen in diesen Ländern wahrscheinlich einfacher zu realisieren als bei uns. Das unterschiedliche Angebot angereicherter Lebensmittel und die unterschiedliche Bewertung des möglichen Risikos bei Gesundheitsstörungen bei veganer Ernährung sind eine mögliche Erklärung.

Da das Risiko des Nährstoffmangels in dieser sensiblen Lebensphase als hoch eingeschätzt wird, hat sich die DGE anhand der verfügbaren Daten entschieden, die vegane Ernährung für diese Bevölkerungsgruppe nicht zu empfehlen.

Um auf Nummer sicher zu gehen oder?

Genau, um auf Nummer sicher zu gehen. Weil wir es einfach anhand der wenigen vorhandenen Daten nicht abschätzen können. Die DGE zeigt deshalb auch auf, worauf bei veganer Ernährung geachtet werden sollte, um Nährstoffdefizite zu vermeiden.

Anfang April schrieb das Wochenmagazin DIE ZEIT, dass es erstmals weltweit mehr Übergewichtige als Untergewichtige gibt. Ist es da nicht eher die Aufgabe einer Institution wie der DGE vor den Folgen einer falschen Ernährung zu warnen?

Ja das ist sicherlich unsere Aufgabe und diese nehmen wir schon seit unserer Gründung in den 50er Jahren wahr. Mit unseren lebensmittelbezogenen Empfehlungen weisen wir darauf hin, wie sich die Bevölkerung „gesünder“ ernähren kann und dass Übergewicht ein Problem ist.

Mit den 10 Regeln der DGE oder dem Ernährungskreis haben wir wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen zum vollwertigen Essen und Trinken erarbeitet. Fakt ist auch, dass die Ernährung der Bevölkerung in einigen Bereichen nicht optimal ist. Tatsächlich wird zu viel Fleisch und damit zu viele gesättigte Fettsäuren gegessen, aber auch zu viel Zucker aus zuckergesüßten Getränken verzehrt. Die Energiebilanz sollte auch stimmen. Diese Aufgabe scheint nur aktuell etwas in den Hintergrund gerückt, da die vegane Ernährungsweise in der letzten Zeit immer mehr thematisiert wird und wir viele Anfragen bekommen, auf die wir auch reagieren. Die DGE beschäftigt sich stetig mit aktuellen Fragestellungen zur Ernährung. So veröffentlichten wir kürzlich ein Stellungnahme zur Speisesalzzufuhr in Deutschland sowie eine Leitlinie zum Fettkonsum und zur Kohlenhydratzufuhr.

Wie steht es um die wirtschaftlichen Interessen und organisationellen Verflechtungen der DGE? Welche anderen Unternehmen sind finanziell an einem Fortbestand der DGE beteiligt?

Die DGE ist eine neutrale und unabhängige Organisation. Wir finanzieren uns zu einem Drittel aus Eigeneinnahmen und zu zwei Dritteln aus Einnahmen des Bundes. Wir können unabhängig vom Bund arbeiten, leisten keine interessengeleitete Arbeit. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden neutral weiter gegeben. Es gibt natürlich im Bereich der Mitglieder einige Wirtschaftsunternehmen, die Mitglieder sind. Nur beeinflussen die Mitglieder nicht die wissenschaftlichen Aussagen der DGE.

Das wird Ihnen ja immer vorgeworfen!

Ja, das wird uns häufig vorgeworfen, aber wir sind, wie gesagt, eine neutrale Organisation und unabhängig. Informationen geben wir seriös und unabhängig weiter und sind nicht daran gebunden, dass wir finanzielle Unterstützung von Unternehmen erhalten. Es gibt eine Stiftung zur Förderung der DGE, die beispielsweise unsere Wissenschaftspreise finanziert, den wissenschaftlichen Austausch, z. B. durch Reisestipendien, fördert.

Wie groß schätzen Sie den Dunkelziffer-Anteil an Vitamin B12- und D-Mangel bei der deutschen Bevölkerung die sich mit Mischkost ernährt? Ich sage dann immer, dass Vitasprint die teure Fernsehwerbung ja nicht für eine Million Veganer sendet.

Wie hoch die Dunkelziffer ist kann ich nicht abschätzen. Anhand der Daten des Robert Koch-Instituts zeigt sich beim Vitamin D zum Beispiel, dass dies nicht nur ein Problem von Veganern und Vegetariern ist, sondern auch von Mischköstlern. Etwa 60 Prozent der allgemeinen Bevölkerung ist hier nicht optimal versorgt. Das heißt zwar nicht, dass sie einen Mangel haben, aber sie erreichen eben nicht die wünschenswerte Blutkonzentration, um das präventive Potenzial im Hinblick auf die Knochengesundheit ausnutzen zu können.

Beim Vitamin B12 ist es ein bisschen anders. Bei Mischköstlern besteht in der Regel kein Defizit. Wahrscheinlich weil sehr viele tierische Lebensmittel konsumiert werden. Aber auch da gibt es Risikogruppen wie beispielsweise ältere Menschen über 65 Jahren. Gründe dafür können Magenkrankheiten oder -funktionsstörungen sein, die dazu führen, dass ein Faktor der zur Resorption von Vitamin B12 erforderlich ist, nicht mehr ausreichend gebildet wird.


Mehr Informationen

Serie vegane Kinder im Blog
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
Woher bekommen Veganer Protein und Vitamin B12? FAQs zu veganer Ernährung
Download FAQ vegane Ernährung

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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2 Kommentare

  1. Ich lese da nur eine ständige Warnung vor der veganen Mangelernährung und habe nicht den Eindruck, dass die DGE neutral ist.

    Das kann sie gar nicht sein, denn die Menschen die ihr angehören sind nicht vegan.

    Ich war in einer Apotheke und sehe da ein ganze Regalreihe mit B12-Präparaten.
    Die waren nicht für Veganerinnen gedacht, sondern für Tierqualproduktesserinnen!

    • Liebe Astrid,

      ich denke, die DGE hat schon für ihre Verhältnisse eine große Wandlung durchgemacht und sich was die vegane Ernährung angeht, geändert. Man kann vieles nicht von heute auf morgen ändern – vieles geht nur schrittweise! Die Regale von Nahrungsergänzungsmitteln sind natürlich hauptsächlich für Mischköstler und nicht für die paar Veganer – aber es ist halt einfacher, zu behaupten, dass wir mangelernährt sind. Es hat sich schon viel getan, wir müssen einfach Geduld haben!

      Liebe Grüße,

      Katrin

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