Hagen Rether: „Als Veganer musst Du einfach nur die Viecher in Ruhe lassen!“

Hagen Rether. Bild: Renate Schmidt
Hagen Rether. Bild: Renate Schmidt

Unter uns Veganern kennt ihn eigentlich jeder – den scharfzüngigen Kabarettisten mit dem Pferdeschwanz, der in seiner Show kein gutes Haar an den Auswirkungen des Fleischkonsums lässt.

Zu seinen Auftritten gehört der schwarze Konzertflügel. Diesen putzt er auch in Münster am vergangenen Wochenende parallel zu seinem Vortrag im Bürostuhl sitzend mithilfe einer Sprühflasche und eines Mikrofasertuches. Als der in Essen lebende Veganer darauf am Ende seines vierstündigen Programms spielt, sagt er: „Ich habe in Essen mal Musik studiert. Merkt man nix mehr von!“ Was natürlich untertrieben ist, denn er spielt Klavier seit seinem achten Lebensjahr.

Hagen Rether wurde 1969 in Bukarest geboren und lebt seit 1973 in Deutschland. Mit seinem Soloprogramm „Liebe“, welches er stets aktualisiert und variiert, geht er seit 2003 scharfzüngig auf meist gesellschaftspolitische Themen wie Religion, Massenmedien, Kapitalismus, Konsumismus und Globalisierung ein.

Fleischkonsum passt nicht mehr in die Zeit

In Münster erzählt er, dass die Menschen heute eigentlich schon wüssten, dass der hohe Fleischkonsum derzeit nicht gut sei für den Planeten: „Du merkst schon wie das so durchschimmert, dass das richtig eklig ist und eigentlich ein No Go ist. Deswegen wurden die Grünen auch in Opposition geschickt weil die sich so empört haben die Menschen, weil die mit dem Veggie Day natürlich das schlechte Gewissen getroffen haben. Jeder, der enttäuscht beim Fleisch ist, isst es mit schlechtem Gewissen. Weil man seit Jahrzehnten Report aus Mainz guckt, Monitor und Frontal 21, WISO, Panorama, Weltspiegel, Auslandsjournal und Wiesenhofdokus kennt. Weil das Jeder kennt, weiß man, dass es so eigentlich nicht mehr geht. Und dann explodiert man und wird doppelt eklig, wenn jemand sagt: ‚Ne, das klappt so nicht mehr!‘

Du musst doch gar nichts machen als Veganer. Weder musst du in eine Sekte eintreten, noch musst du auf ein Buch schwören oder Mitgliedsbeitrag zahlen oder bei Vollmond den Wimpel raushängen. Du musst einfach nur die Viecher in Ruhe lassen! Sonst nix! Und dann hast du alles getan gegen multiresistente Keime, verschmutztes Trinkwasser, keine Freihandelsabkommen, die so unsäglich sind, du hast die Regenwälder noch usw. Du hast dann ganz viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Pharmaindustrie kriegt richtig eins vor den Bug, wenn du vegan lebst. Man hört dann immer vegan leben, das ist ja nur Lifestyle. Mir fällt fast keine politisch heftigere Tat ein, die mehr Fliegen mit einer Klappe schlägt, als die vegane Lebensweise. Und das ist nicht einmal eine Tat. Nur durch das Unterlassen. Nur in dem du etwas nicht machst, machst du ganz viele Sachen gut, die die Kinder heute schon in der Krippe lernen. Das ist erstaunlich. Also wenn wir es jetzt nicht machen, wann dann?“

Auch die Wissenschaftler würden schon lange davor warnen, dass wir bald in der Situation sein würden, in der Antibiotika nicht mehr wirkten. Wir würden demnächst an einem eingerissenen Hühnerauge sterben oder einem vereiterten Backenzahn. Erst wenn eine Bundesministerin eine Enkeltochter durch multiresistente Keime verlöre oder im Landkreis in Südhessen alle Kindergärten aussterben würden, geschähe etwas: „15.000 Kleinkinder sterben aus in Südhessen durch multiresistente Keime. Erst dann gibt es 17 Talkshows und 3 Spiegeltitelseiten und dann müssen wir auf einmal Notgesetze basteln. Ganz schnell. Wie doof ist das denn?“

Arbeitslose Metzger werden Altenpfleger

Mit 15 wurde er zum Vegetarier und müsse sich seitdem angucken, wie verzweifelte Milchbauern ihre Milch in den Gulli kippen würden: „Wollen wir uns jetzt noch die nächsten 30 Jahre verzweifelte Milchbauern angucken und lustige Veganerwitze machen?“

Fleischkonsum im derzeitigen Ausmaß müsse verboten werden, sagt Rether: „Ja dann sind die ganzen Metzger arbeitslos. Ja und? Wir können doch nicht Leute in Arbeit halten, die alles kaputt machen.“ Im Ruhrgebiet gäbe es durch den Strukturwandel auch keine Bergleute mehr. Dafür gäbe es heute eine Generation von Windkraftingenieuren. Das Gleiche müsse mit dem Berufsstand der Metzger passieren, so Rether. Drehe sich die Gesellschaft ethisch weiter, gingen einige Dinge eben nicht mehr, weil sie so unvernünftig seien, dass es weh tue: „Was meinst du, was die Henker gejammert haben, als man die Todesstrafe abgeschafft hat. Da war aber was los in der Henkergewerkschaft. Das ist doch ein ehrenwertes Handwerk in der achten Generation!“

Man könne doch nicht zusehen, wie die Urwälder kaputt gehen. In der Geflügelzucht würden von 100 investierten Kalorien für den Konsumenten nur 12 Kalorien übrig bleiben. 88 Prozent der Kalorien wären vernichtet. In der Schweinezucht wären es nur 10 Kalorien. 90 Prozent wären vernicht, um 10 Prozent Gaumenfreude rauszukriegen. Bei den Rindern wären es sogar nur 3 Kalorien: „Um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren, brauchst du 10.000 Liter Trinkwasser, manche Zahlen gehen bis 15.000. Die haben wir gar nicht zur Verfügung.“

Metzger könnten doch als Altenpfleger umgeschult werden, schlägt Rether vor: „Uns fehlen jetzt schon 60.000 Altenpfleger – und wir haben 60.000 Metzger. Sind wir noch ganz dicht? Wir halten an etwas fest, obwohl wir sehen, dass das Elend auf uns zu rast.“ Wir müssten uns jetzt die Altenheime bauen, die wir in 20, 30 Jahren brauchen würden: „Oder wollen sie von einer Leberwurst gepflegt werden?“ Und beißt dabei in die Biobanane, die auf dem Klavier lag.

Der Mensch hat Reißzähne

Sein Opa konnte damals mit seinem Vegetarismus nicht viel anfangen, erzählt er. Ihm sei es zutiefst suspekt gewesen, dass er keine Tiere mehr essen wollte. Das Standardargument seines Opas für den Fleischkonsum war: „Ich habe Reißzähne!“ Darauf antwortete Rether: „Und was jetzt, hast du wieder eine Bockwurst gejagt? Opa das sind Rudimente!“ Sein Opa: „Ne das sind Reißzähne.“ „Gorillas haben Reißzähne. Solche Reißzähne haben die. Das sind Veganer! Dein Steißbein ist auch ein Schwanz. Damit kannst du dich an den Baum hängen.“ Opa: „Ne von der Natur habe ich Reißzähne bekommen, die muss ich auch verwenden.“ Rether: „Wieso? Du hast doch auch ein Großhirn gekriegt!“

Wer mehr von Hagen Rether hören will, guckt entweder das Video oder geht in seine Liveshow. Termine stehen auf seiner Homepage.

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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12 comments

  1. Hagen Rether trifft ganz einfach den Nerv. Immer wieder ertappe ich mich beim Hören seiner Programme dabei, wie ich amüsiert nicke und zustimme, und dabei oftmals eingestehen muss, dass ich mich anders oder gar gegenteilig verhalte. Ich denke, so geht es vielen seiner Zuhörer oder gar Anhängern. Ich lebe weder vegetarisch noch vegan, beschäftige mich nun aber schon eine lange Zeit mit diesem Thema. Die anspruchsvollsten Berichte, Dokumentationen und Reportagen bringen mich zwar zum Nachdenken aber wirklich Umdenken lässt mich Herr Rether, denn „Wie doof ist das denn?“ trifft den Nagel ganz einfach auf den Kopf. Mit einem gemäßigten Fleischkonsum ohne Massentierhaltung wäre es höchstwahrscheinlich niemals zu solchen Diskussionen gekommen und nur eine (noch viel) kleine(re) Minderheit würde vegetarisch/vegan leben. Die Entwicklungen dieser Zeit jedoch erfordern ein Umdenken zumindest derer, die nicht zwingend auf tierische Produkte angewiesen sind. Und das sind wir alle, die in Wohlstandsgesellschaften leben. Ich bin noch nicht so weit, aber mein Fleischkonsum hat bereits drastisch abgebaut und ein Bewusstsein ist längst entstanden. Ich bin selbst gespannt, ob ich den Schritt vollziehen werde. Beste Grüße!

    • Hallo Jan,

      ja ich finde ihn auch einfach genial und ich denke, gerade weil er die Probleme der Massentierhaltung und des überbordenden Fleischkonsums in sein Programm verpackt, hören es viele Menschen und fangen an, nachzudenken. Er hat mal gesagt: „Ich mache einfach solange weiter, bis Fleisch essen verboten wird.“ 🙂 Versuche die vegetarische oder vegane Küche doch einfach mal für 4 Wochen aus – du wirst merken, es wird dir so gut gehen, dass du nicht mehr zurück willst. 😉

      Viele Grüße,

      Katrin

  2. Moin, ich bin kein Veganer und auch kein Vegetarier muss ich gestehen. Ich finde obenstehendes von Hr. Rether nicht nur belustigend, sondern es regt sicher zum Nachdenken an. Völlig klar ist, dass die Form der Tierhaltung, wie sie größtenteils praktiziert wird, nicht in Ordnung ist. Solange aber politisch und wirtschaftlich dieses System subventioniert wird und teures Fleisch keine Mehrheit findet, ändert sich nichts.
    Außerdem wäre es auch illusorisch alle in ihrem kulturellen Handeln dahingehend zu verändern oder mit Verboten zu belegen, mit dem Ziel das Fleischverzehr obsolet ist. Es gilt zunächst ein Bewusstsein zu schaffen, dass mit unseren Ressourcen sorgfältig und angemessen umgegangen wird.

    • Moin Küchenbulle,

      wenn alle so denken würden wie Sie, wäre uns schon sehr geholfen! Tatsache ist ja, dass ohne Subventionen das Fleisch gar nicht so billig wäre. Ich wäre schon froh, wenn die Massentierhaltung wie sie derzeit praktiziert wird, ersetzt werden würde durch die klassische Biolandwirtschaft. Die wäre besser für Mensch, Tier und Umwelt. Und genau dafür müssten wir ein Bewusstsein schaffen.

      Viele Grüße,

      Katrin Luber

  3. Klar doch, Veganer sind nie krank und schon garnicht können sie an Krebs erkranken oder gar sterben. Herr Rether ich wünsche Ihnen ein krankheitsfreies und krebsfreies Leben. Glauben Sie auch gerne, dass Sie das Ihrer veganen Lebensweise verdanken. Und allen Veganern, die dennoch an Krebs oder sonstigen Scheußlichkeiten erkranken wünsche ich, dass sie sich nicht als Versager fühlen müssen.

    • Hallo Mara,

      ich finde Ihren Kommentar sehr aggressiv. Hat Herr Rether in seinem Programm irgendwo behauptet, dass Veganer keinen Krebs mehr bekommen? Es ist jedoch bewiesen, dass die vegane Ernährung zum Beispiel Krankheiten wie Diabetes heilen kann. Ich kenne sogar in meinem privaten Umfeld mehrere Menschen bei denen das geholfen hat. Und auch Gefäßverschlüsse lösen sich wieder auf.

      Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund bleiben!

      Viele Grüße,

      Katrin Luber

  4. Ich hab mal von franz konz gehört 2% Kleinstlebewesen im Speiseplan wären primatengerecht. Also doch Fleisch nur von lebenden Tieren!

    • Moin Martin,

      naja beim Radfahren verschlucken wir wahrscheinlich auch so einiges an Insekten im Sommer 😉 Trotzdem möchte ich nicht mehr als diese 2% zu mir nehmen 🙂

      Viele Grüße,

      Katrin

  5. Lieber Hagen, das mit den Fliegen und mit der Klappe schlagen, find ich auch nicht so toll. Man soll sie doch in Ruhe lassen 😀 😀 😀

    ansonsten wurde alles gesagt was gesagt werden muss. Daumen hoch.

  6. Bin voll einverstanden mit dem was Hagen Rether sagt. Nur die Metapher, man/frau habe mit Veganismus „ganz viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, ist reichlich unbedacht.

    Lieber Hagen Rether, laß‘ dir bitte eine vegane Alternative zum unveganen Sprachbild des Totschlagens von Fliegen einfallen.

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