Warum viele Veganer toleranter sein sollten! Sie sind auch nicht perfekt!

Bei vielen Diskussionen auf meiner Facebookseite bin ich immer wieder erschrocken darüber, wie radikal viele Veganer sind. Neulich hatte ich eine sehr lange Diskussion darüber, dass ich es sehr traurig finde, dass man unter Veganern offenbar nur dann ein echter Veganer ist, wenn man es aus ethischen Gründen ablehnt, tierische Produkte zu konsumieren. Nur dann ist man ein „besserer“ Mensch. Wer „nur“ aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen vegan lebt oder die Umwelt und das Klima schützen will, ist ja quasi nur ein Lifestyleveganer!

Richard David Precht: Das Ende des Fleischkonsums – Segen für alle?

Das Ende des Fleischkonsums – Segen für alle? Richard David Precht erläuterte in seinem Vortrag auf der The End of Meat-Konferenz in Berlin Ende August die Bedingungen und Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels, die ein Ende des Fleischessens mit sich bringen würde. Sein Buch „Tiere Denken“ habe ich bereits im Blog rezensiert und ich kann es euch sehr empfehlen! Er plädiert dort für einen ganz neuen Umgang mit Tieren.

Precht ist einer der bekanntesten Philosophen im deutschsprachigen Raum. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Seit 2012 moderiert er die Philosophiesendung „Precht“ im ZDF und ist Honorarprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.

Gibt es einen Unterschied zwischen Mensch und Tier?

Precht beginnt seinen Vortrag unter anderem mit den Worten: „Es gibt zwei Kategorien von Tieren: Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt und die andere hat darunter zu leiden. Die erste nennt sich selbst Menschen und das andere sind eben nur Tiere.“ Im Laufe der Menschheitsgeschichte sei diese Unterscheidung nicht sehr schwierig gewesen, erzählt er. Spätestens seit Charles Darwins Entstehung der Arten 1859 sei klar, dass Menschen auch Tiere sind: „Wir wollen nicht so tun als ob die Menschen das nicht vorher auch gewusst hätten. Wenn sie sich mit Philosophie beschäftigen oder biologischer Theoriebildung, dann ist völlig klar, auch schon im 18. Jahrhundert wussten die Menschen, dass Menschen Tiere sind.“

Carl von Linné war ein schwedischer Naturforscher, der mit der binären Nomenklatur die Grundlagen der modernen botanischen und zoologischen Taxonomie schuf und den Namen Homo sapiens erfand: „Er hatte große Probleme, den Menschen von anderen Menschenaffen zu unterscheiden. Der Gorilla war damals noch nicht bekannt, aber Schimpanse und Orang Utan. Er hat gesagt: Ich weiß kein einziges Unterscheidungsmerkmal nachdem ich als Biologe sorgfältig den Menschen von anderen Tieren trennen könnte. Trotzdem macht er das, weil er Angst hat, mit der schwedischen Kirche Ärger zu kriegen. Deshalb kommt die Unterscheidung zustande von Homo sapiens, dem Menschen und Pan, dem Schimpansen. Pan-domicilium cavae übersetzt der Höhlen bewohnende Pan. Damals hatte man noch die Vorstellung, Schimpansen würden in Höhlen leben.“

Diese Unterscheidung ziehe sich durch die ganze Kulturgeschichte und sei häufig die Begründung für die Legitimität von Fleischessen. Erst in jüngerer Zeit fange man an, sich Gedanken darüber zu machen, was ein natürlicher Umgang mit Tieren sei: „Es gibt Leute, die sagen, der natürliche Umgang ist, Tiere als Mitgeschöpfe zu achten und sie von allen Böswilligkeiten zu verschonen. Es gibt andere Leute, die sagen ein natürlicher Umgang ist das, was Menschen schon immer gemacht haben, mein Gott, Menschen haben, seit es sie gibt, Tiere gegessen. Der Mensch ist halt von Natur aus Jäger. Beide berufen sich auf etwas Natürliches. Aber die Konsequenzen, die sie daraus ziehen, sind meilenweit voneinander entfernt.“

Rezension: Tiere denken von Richard David Precht

Richard David Precht beginnt die Einleitung zu seinem Buch Tiere denken – vom Recht der Tiere und den Grenzen der Menschen mit den Worten: „Es gibt zwei Kategorien von Tieren. Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere hat darunter zu leiden.“ Eigentlich ist damit schon alles gesagt – aber der prominente Philosoph versucht Antworten auf Fragen zu finden, die sich viele leider zu selten stellen: Wo verläuft die Grenze zwischen Mensch und Tier? Woher nehmen wir das Recht, Tiere zu benutzen und ihnen Leid zuzufügen? Und was können wir tun angesichts der hemmungslosen Ausbeutung von Tieren und Umwelt?

Precht ist derzeit in vielen Talkshows und Zeitungen und Zeitschriften führen Interviews mit ihm. Dort macht er immer wieder auf den brutalen und gedankenlosen Umgang mit Tieren, das millionenfache Leid und die Folgen des Fleischkonsums auf die Umwelt aufmerksam. Doch ist es nicht eine Art Doppelmoral, einerseits auf die Folgen des Fleischkonsums aufmerksam zu machen und selber noch Fleisch zu essen? Precht argumentiert in einem Interview sehr klug, wie ich finde, denn er betont, dass er so mehr Menschen erreiche, als wenn er Veganer wäre. Er sagt, wenn die Leute merken würden, dass er selber auch umgedacht und seinen Konsum reduziert habe, würde er sie dort abholen wo sie gerade stehen. Wäre er Veganer würden sich die Leute sagen, naja die Veganer wieder, die waren mir schon immer suspekt!