Hagen Rether: „Sie müssen ja nicht über Nacht Veganer werden!“

Vor zwei Jahren war ich das erste Mal in einer Show meines Lieblingskabarettisten und Veganer Hagen Rether, der immer so herrlich scharfzüngig den Finger in die Wunde des Fleischkonsums legt. Hagen Rether wurde 1969 in Bukarest geboren und lebt seit 1973 in Deutschland. In seinem Soloprogramm „Liebe“, welches er stets aktualisiert und variiert, geht er seit 2003 auf meist gesellschaftspolitische Themen wie Religion, Massenmedien, Kapitalismus, Konsumismus und Globalisierung ein.

Zu seinen Auftritten gehört der schwarze Konzertflügel neben dem er immer in einem Bürostuhl sitzt. Als der in Essen lebende Veganer sich bei der Show in Vechta im Stuhl zurücklehnt und seinen vollen Pferdeschwanz schüttelt, sagt er: „Das kommt vom Veganismus – volle Haare! So habe ich meine Frau kennengelernt: ‚Suche Mann mit Pferdeschwanz, Penis egal!’“ Er fragt ins Publikum, ob jemand wisse, warum er manchmal Pornos gucke? Weil die so humorlos seien! Eine Stimme aus dem Publikum ruft: „Da gucken Sie aber die Falschen!“

Glyphosat und das Insektensterben

Einige Minuten später fragt er: „Sie haben hier viel Geflügel, oder?“ Und spielt auf die intensive Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland an. Es weist die größte Dichte an Geflügel-, Schweine- und Rinderzuchtbetrieben in Massentierhaltung in der Bundesrepublik auf. Rether verkneift sich auch nicht einen Kommentar zum Thema Insektensterben und Glyphosat, indem er darauf hinweist, dass wir jahrzehntelang Insektenvernichtungsmittel auf die Felder gesprüht hätten und uns jetzt wundern würden, dass die Insekten vernichtet sind. Er zitiert Einstein: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Rether daraufhin: „Okay, dann lass uns mal 60 Jahre Insektenvernichtungsmittel auf die Felder sprühen!“

Kinder lernten heute in der Schule, wie viele Erden wir bräuchten, wenn wir weiterhin so mit den Ressourcen umgingen und der Fleischkonsum so hoch sei: „Und dann kommt das Kind nach Hause und sieht, wie der Vater den Chromgrill auf Hochglanz poliert!“

Gülle sorgt für Nitrate und multiresistente Keime im Grundwasser

Gülle als Dünger sorgt für multiresistente Keime im Grundwasser und birgt unabsehbare Risiken für Gesundheit und Umwelt. Denn über die Ausscheidungen gelangen Nitrate und Antibiotika ins Grundwasser. Die Klärwerke müssen das Wasser aufwändig aufbereiten und filtern, wodurch das Trinkwasser in absehbarer Zeit teurer werden wird.

Nach dem verregneten Winter sind die Güllespeicher der Landwirte voll und mit dem Sperrfristende für die Gülleausbringung am 31. Januar werden die Böden nun wieder enorm belastet. Der Konsum von Fleisch, Milch, Käse und Eiern verursacht große Umweltprobleme. Aus Profitgründen halten Bauern jedoch immer mehr Tiere, wodurch der Gülleausstoß und die Belastung des Grundwassers zunehmen.

Lachgas aus Gülle in der Luft
Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist bekannt für einen immensen Wasserverbrauch, aber auch Gülle als Dünger hat fatale Folgen. Aus ihr dünstet Lachgas aus, das 310-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Es entsteht Ammoniak, das wiederum zur Feinstaubbildung beiträgt und Erkrankungen auslöst. Durch die Gülleausbringung versickern zudem Schadstoffe. Dadurch steigen die Nitratwerte im Grundwasser, die Wasserqualität nimmt ab und das Wasser ist schlimmstenfalls nicht mehr nutzbar.

Hagen Rether: „Als Veganer musst Du einfach nur die Viecher in Ruhe lassen!“

Unter uns Veganern kennt ihn eigentlich Jeder – den scharfzüngigen Kabarettisten mit dem Pferdeschwanz, der in seiner Show „Liebe“ kein gutes Haar an der jeweils aktuellen politischen Lage und an den Auswirkungen des Fleischkonsums lässt. „Du musst doch gar nichts machen als Veganer. Weder musst du in eine Sekte eintreten, noch musst du auf ein Buch schwören oder Mitgliedsbeitrag zahlen oder bei Vollmond den Wimpel raushängen. Du musst einfach nur die Viecher in Ruhe lassen! Sonst nix! Und dann hast du alles getan gegen multiresistente Keime, verschmutztes Trinkwasser, keine Freihandelsabkommen die so unsäglich sind, du hast die Regenwälder noch usw. Du hast dann ganz viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Pharmaindustrie kriegt richtig eins vor den Bug wenn du vegan lebst.“