Rezension: Landraub von Kurt Langbein & Christian Brüser

„Kaufen sie Land. Es wird keines mehr gemacht,“ – ist dieses Zitat von Mark Twain die Ausrede von internationalen Finanzinvestoren für immer brutaleren und rücksichtsloseren Landraub? Die globale Jagd nach Ackerland wird immer attraktiver, denn Ackerland ist inzwischen wertvoll und selten. Jedes Jahr gehen etwa 12 Millionen Hektar Agrarfläche durch Versiegelung verloren. Kein Wunder, dass nach der Finanzkrise 2008 das globale Finanzkapital die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckte. Mit dem Landraub wollen die Reichsten der Welt sich Zugriff auf die wichtigste Ressource dieser Welt sichern – doch wollen wir, dass statt Bauern internationale Konzerne mit ihren Profitinteressen über die Böden und unsere Lebensgrundlagen bestimmen?

Kurt Langbein, Jahrgang 1953, setzt sich in seinem Film „Landraub“ mit diesem Thema auseinander und porträtiert die Investoren und ihre Opfer. Die Investoren sprechen begeistert von gesundem Wirtschaften, Sicherung der Nahrungsversorgung und Wohlstand für alle. Die Opfer erzählen von Vertreibung, Versklavung und vom Verlust der wirtschaftlichen Grundlagen.

Langbein studierte Soziologie in Wien und arbeitete von 1979 bis 1989 als Dokumentarfilmer und Magazin-Journalist beim Österreichischen Rundfunk ORF, von 1989 bis 1992 war er Ressortleiter Inland beim österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“ und ist seit 1992 als Geschäftsführer der „Langbein & Partner Media“ Produzent und Regisseur zahlreicher Dokumentarfilme und TV-Reportagen. Außerdem ist er Autor etlicher Sachbücher (u.a. Bittere Pillen 1983, Kursbuch Gesundheit 1986, Leben verlängern – um welchen Preis? 1994, 1996, Das Medizinkartell 2003, Verschlusssache Medizin 2009, Radieschen von oben – über Leben mit Krebs 2012). 2011 erhielt der den Leopold Ungar-Preis für die TV-Dokumentation „Vom Sinn des Gebens“

Äthiopien, Sierra Leone, Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Rumänien

Es ist fast egal, auf welches Land man guckt – überall ist es das gleiche Bild: Die Böden werden für GPSgesteuerte Maschinen im großen Stil eingeebnet, der Verbrauch an Wasser, Chemie und Energie ist in der Agrarindustrie enorm. Eine Fläche halb so große wie Europa wurde bereits aufgekauft, die Bauern und indigenen Völker mussten weichen. Statt Nahrung für die Region anzupflanzen, wird im großen Stil für die Märkte der wohlhabenden Länder produziert. Es sind Programme der EU, die zu riesigen Plantagen für die Biospriterzeugung und zur Zuckerproduktion führen. Mit Entwicklungshilfegeldern sichern Superreiche ihre Investitionen ab.