Autoimmunerkrankungen Typ-1-Diabetes und Zöliakie treten häufig zusammen auf

Autoimmunerkrankungen Typ-1-Diabetes und Zöliakie treten häufig zusammen auf, das zeigt eine relativ aktuelle Studie aus Finnland. Oftmals weisen Patienten Schilddrüsenprobleme oder Gluten­unverträglichkeiten zusätzlich zu ihrem Typ-1-Diabetes auf. Gerade Frauen scheinen ein hohes Risiko zu haben, so das Ergebnis einer großen finnischen Kohortenstudie.

Das Team aus Wissenschaftlern um Dr. ­Sari ­Mäkimattila von der Universität Helsinki untersuchte, wie viele Erwachsene mit Typ-1-Dia­betes zusätzlich weitere Autoimmunphänomene aufweisen. Die Forscher werteten hierzu die Daten von 4758 erwachsenen Teilnehmern der Finnish Diabetic Nephropathy Study (FinnDiane) aus, in der genetische und umweltbezogene Risikofaktoren von Diabeteskomplikationen erforscht werden.

Autoimmunerkrankungen Typ-1-Diabetes und Zöliakie treten häufig zusammen auf
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22,8 Prozent zeigten mindestens eine weitere Autoimmunerkrankung

Alle Patienten bekamen im Alter von unter 40 Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes. Das Vergleichskollektiv bildeten 12 434 stoffwechselgesunde Personen mit gleichem Alter, Geschlecht und Wohnort. Mithilfe verschiedener nationaler Gesundheitsregister prüften die Wissenschaftler, wie viele Menschen in der Studien- und wie viele in der Kontrollgruppe eine weitere Autoimmunerkrankung wie Hypo- oder Hyperthyreose, Morbus Addison, Zöliakie oder atrophische Gastritis hatten.

Die Teilnehmer waren im Mittel 51,4 Jahre alt und hatten seit 35,5 Jahren Typ-1-Diabetes. Bei der Diabetesdiagnose waren 53 % jünger als 15 Jahre alt gewesen. Insgesamt 1087 der Teilnehmer mit Diabetes (22,8 %) hatten mindestens eine weitere Autoimmunerkrankung, eine Zöliakie hatten 4,4 %. Das Zöliakierisiko war am höchsten, wenn der Diabetes schon in jungen Jahren aufgetreten war.

Autoimmunerkrankungen Typ-1-Diabetes und Zöliakie treten häufig zusammen auf
Glutenfreie Zitronenkekse mit Buchweizenmehl.

In Deutschland sind etwa drei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes auch an Zöliakie erkrankt. Wegen milder Symptome wird die Zöliakie erst spät erkannt. Symptome wie Unterzuckerungen und Mangelerscheinungen aufgrund einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut lassen Ärzte und Eltern oft nicht sofort auf die Diagnose Zöliakie kommen. Die Deutsche Diabetes-Hilfe empfiehlt Menschen mit Diabetes Typ 1, sich bei Beschwerden wie häufigen Bauchschmerzen und Blähungen, ständiger Müdigkeit und Antriebslosigkeit, depressiven Verstimmungen, Mangelerscheinungen und Unterzuckerungen auch auf Zöliakie untersuchen zu lassen.

Menschen mit Typ-1-Diabetes weisen aufgrund eines identischen genetischen Hintergrunds ein größeres Risiko für Zöliakie auf. Die Häufigkeit für Zöliakie bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes liegt bei drei bis sechs Prozent, wobei die Zahlen international schwanken. Neben regionalen Unterschieden im Zöliakie-Risiko spiegeln diese Schwankungen auch unterschiedliche Screening- beziehungsweise Diagnostik-Praktiken wider. „Leider werden noch nicht in allen Kliniken Kinder und Jugendliche mit einem frisch manifestierten Typ-1-Diabetes standardmäßig auf Zöliakie-Antikörper untersucht, obwohl dies in der S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie empfohlen wird“, sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Chefarzt am Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Diabetes-Hilfe. Daher gäbe es auch viele Betroffene, bei denen die Zöliakie später oder gar erst im Erwachsenenalter festgestellt werde. Bei Typ-2-Diabetes hingegen kommt die Autoimmunerkrankung nicht häufiger vor als in der allgemeinen Bevölkerung.

Auslöser für Zöliakie ist das Getreideeiweiß Gluten, welches in Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste vorkommt. Nach dem Verzehr regt es im Blut Betroffener die Bildung spezifischer Autoimmunantikörper an. Diese richten sich gegen die Zellen der Dünndarmschleimhaut, greifen sie an und zerstören sie letztendlich. Die geschädigte Schleimhaut kann ihre Aufgabe, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen, nicht mehr erfüllen. Durch die chronischen Entzündungen kommt es bei Betroffenen unter anderem zu Verdauungsbeschwerden, Stoffwechselschwankungen und mit der Zeit auch zu Mangelerscheinungen. „Bei einem positiven Antikörperbefund sollte bei Kindern mit Typ-1-Diabetes spätestens mit acht Jahren auch die feingewebliche Untersuchung einer Dünndarmgewebeprobe erfolgen“, erläutert Professor Danne. Sonst kann aufgrund einer unerkannten Zöliakie auch eine Osteoporose entstehen, die im pubertären Wachstumsschub zu Problemen führt.

Menschen mit Zöliakie müssen daher lebenslang eine glutenfreie Ernährung einhalten. Glutenfreie Produkte können sich jedoch anders auf den Blutzuckerspiegel auswirken als entsprechende glutenhaltige Lebensmittel, betont der Kinderdiabetologe: „Betroffene Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen daher ihre Berechnung der Kohlenhydrate und die benötigte Insulinmenge an diese neue Situation anpassen. Unter einer glutenfreien Ernährung und darauf abgestimmter Insulintherapie regeneriert sich die Dünndarmschleimhaut wieder, die Stoffwechsellage wird stabiler und es treten weniger Unterzuckerungen auf.“

Mehr Informationen:

Glutenfreie Rezepte in Büchern

Zöliakie und Diabetes
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2020

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