Klartext Ernährung

Rezension: Klartext Ernährung von Dr. med. Petra Bracht und Prof. Dr. Claus Leitzmann

Was habe ich mich gefreut, als ich das Buch Klartext Ernährung von Dr. med. Petra Bracht und Prof. Dr. Claus Leitzmann in den Händen gehalten habe. Es ist ein dickes Buch mit über 600 Seiten und Hardcover.

Der Text zu dem Buch lautet: „Mit der richtigen Ernährung zu einem gesunden Körper – dieses Ziel teilen viele Menschen. Über kaum ein Thema jedoch streiten sich die Fachleute leidenschaftlicher als darüber, was unserem Körper guttut. Die führenden Ernährungsexperten Dr. med. Petra Bracht und Prof. Dr. Claus Leitzmann bringen ihr Fachwissen aus vielen Jahrzehnten Forschung und Praxis zusammen, um endlich Licht ins Dunkel zu bringen. Welche Lebensmittel sind wirklich gesund? Welche Nährstoffe brauchen wir und in welcher Menge? Welche Diäten und Trends schaden mehr, als dass sie helfen? Sollte man Gluten und Laktose wirklich meiden? Mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer klaren Sprache zeigen die Ernährungsmedizinerin und der Ernährungswissenschaftler fachkundig, wie gute Ernährung gelingt und wie sie zur Förderung der Selbstheilung beiträgt. Die Autoren räumen mit Diäten und Produkttrends auf, die uns täglich als gesund verkauft werden und erklären, wie wir Unverträglichkeiten und Krankheiten wie Allergien, Osteoporose, Krebs, Demenz und vielen anderen vorbeugen können. Das große Wissensbuch zum Thema Essen und ein Plädoyer für pflanzliche und nachhaltige Ernährung.“

Selten habe ich jedoch so lange mit mir gehadert, ob ich das Buch letztlich rezensieren sollte oder nicht. Denn ich persönlich mag Prof. Dr. Claus Leitzmann sehr und habe mir auf der VegMed bereits viele sehr interessante Vorträge angehört. Mit Dr. med. Petra Bracht werde ich einfach nicht warm, aber das ist eine ganz persönliche Angelegenheit von mir.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt: Im ersten Teil zeigen sie die optimale Ernährung, im zweiten wird das Grundlagenwissen über Körper und Verdauung vermittelt und im dritten werden wichtige Lebensmittel und Nährstoffe aufgeführt.

Klartext Ernährung?

Im ersten Teil werden viele verschiedene Krankheiten kapitelweise beschrieben und die einzelnen Therapieformen sowie häufig eine Fallgeschichte aus der Praxis von Dr. Bracht erzählt: Chronische Schmerzen (S. 178), Ungewollte Kinderlosigkeit (S. 182), Sarkopenie (S. 186), Nierenerkrankungen (S. 170), Schilddrüsenerkrankungen (S. 166), Rheuma (S. 162), Allergien (S. 156), Krebs (S. 147), Knochenschwund (S. 144), Herzkreislauferkrankungen (S. 140), Lebererkrankungen (S. 132), Verdauungstrakt (S. 128), Bluthochdruck (S. 123), Diabetes Typ 2 (S. 118), metabolisches Syndrom (S. 111) und Übergewicht (S. 106).

Was man auch gut hätte zusammenfassen können, ist die Tatsache, dass sich die Therapieformen kaum unterscheiden, denn jede Erkrankung wird mit 16/8-Intervallfasten und veganer Ernährung als Basistherapie plus einiger individueller weiterer Interventionen behandelt.

Gut, ich habe bei mir auch festgestellt, dass beispielsweise meine Arthrose durch eine vegane Ernährung weg gegangen ist, aber Krebs durch eine vegane Ernährung und Intervallfasten heilen zu wollen halte ich für unverantwortlich und gefährlich. Man kann eine gesunde Ernährung und Psychohygiene begleitend zu einer Krebsbehandlung mit der Schulmedizin betreiben aber die Autoren schreiben in dem Kapitel mit keinem einzigen Wort, dass man sich in ärztliche Behandlung begeben sollte!

Das ist zum Beispiel einer der vielen Gründe, warum ich in diesem Blog kaum über Krebsbehandlung schreibe, denn ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass jemand seine Chance auf Heilung allein der Naturheilkunde und Ernährung überlässt.

Meine Schwiegermutter hat sich über 30 Jahre vegetarisch ernährt und seit über sechs Jahren vegan und hat trotzdem starke Osteoporose. Nun schreiben die beiden Autoren, dass „Menschen, die sich pflanzlich ernähren, haben in der Regel keinen Knochenschwund. Menschen, die ihre Ernährung … auf vollwertige Pflanzenkost umstellen, sich zusätzlich bewegen, … können nach etwa einem Jahr auf mit einer deutlichen Verbesserung ihres Vorbefundes rechnen. Und das ganz ohne die Medikamentöse Therapie …“ Leider wartet meine Schwiegermutter da immer noch drauf.

Chronische Schmerzen habe ich zum Beispiel seit über 20 Jahren wegen einer chronischen Sehnenscheidenentzündung im Arm, wegen der ich 2019 für ein Jahr krankgeschrieben war. Hier hat die gesunde Ernährung nichts geholfen, erst eine Umstellung des Arbeitsplatzes bzw. Akzeptanz und Schonung des Gelenkes im Alltag haben mir geholfen. Ernährung kann viel aber garantiert keine Wunder vollbringen.

In meinem Blog achte ich auf wissenschaftliche Nachweisbarkeit, aber die beiden Autoren liefern in ihrem Buch leider immer wieder viele Informationen, die man nicht nachprüfen kann. Das ist nicht förderlich für die vegane Ernährung, im Gegenteil. Denn es macht einen angreifbar.

Leider gibt es viele solcher Beispiele, die ich hier nicht alle aufführen kann. Ich will wirklich nicht das ganze Buch zerpflücken aber ich persönlich hätte mir hier wesentlich mehr wissenschaftliche Genauigkeit gewünscht, vor allem von einem Ernährungswissenschaftler und einer Ärztin. Mich hat vor allem der moralische Zeigefinger in jedem Kapitel genervt, der auf die ökologischen und ethischen Nachteile von tierischen Produkten hinweist. Es reicht, wenn man das einmal oder zweimal im Buch erwähnt, aber der normale Leser so eines Buches ist entweder bereits vegan oder er ist nach drei Kapiteln so angenervt, dass er den Rest des Buches gar nicht mehr liest. 😀

In Teil zwei und drei werden relativ neutral und sachlich die Informationen über die Ernährung sowie Lebensmittel erklärt und dargelegt, hier ist die Wissenschaftlichkeit und Neutralität eher geboten, die ich mir auch für den ersten Teil gewünscht hätte.

Insgesamt kann ich das Buch zwar nicht ausdrücklich empfehlen, wer es aber als kritischer Leser liest, kann viele Informationen draus ziehen. Allerdings würde ich mir persönlich eher ein Buch speziell für meine Krankheit kaufen, da hat man bessere Informationen.

Bei Zöliakie oder anderen Getreideunverträglichkeiten empfehle ich zum Beispiel mein Buch Kochen und Backen mit Buchweizen, mit vielen Informationen sowie glutenfreien und veganen Rezepten.

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