Ärzte vom britischen Gesundheitssystem fordern Regierung auf, vegane Ernährung zu fördern! Die Ärzte schlagen unter anderem vor, die Tierhaltung zu besteuern und die pflanzliche Ernährung zu subventionieren.

Der National Health Service (NHS) bezeichnet das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland. Der NHS agiert in vier weitgehend eigenständigen Organisationen für England, Wales, Schottland und Nordirland und versorgt rund 65,5 Millionen Menschen medizinisch.

Ziel der Ärzte ist es, den Schwerpunkt des NHS von einem reaktiven Gesundheitssystem auf ein System zu verlagern, das chronische Krankheiten verhindert anstatt sie zu behandeln, wenn sie erstmal durch eine ungesunde Lebensweise und Ernährung ausgelöst worden sind. Mehr als 100 NHS-Ärzte haben sich schriftlich an die britische Regierung gewandt und sie aufgefordert, ein “faires, nachhaltiges und gesundes Ernährungssystem” zu fördern, geben die Ärzte in einem YouTube-Video bekannt.

Der offene Brief – der auch von weiteren 100 Mitarbeitern des NHS unterzeichnet wurde – fordert die Politiker auf, ein solches System durch eine Reihe gesetzgeberischer Maßnahmen zu fördern. Er enthält sechs Vorschläge. Chronische Krankheiten sollen verhindert werden, indem die Ernährung als Schlüsselinstrument eingesetzt wird.

Die Ärzte erklären, dass die Umsetzung ihrer Vorschläge nicht nur der Gesundheit der Menschen dienen würde, sondern auch dazu beitragen würde, künftige Ausbrüche von Zoonosen zu verhindern. Die Abkehr von der intensiven Tierhaltung wäre auch ein guter Schritt gegen die weitere Entwicklung von Antibiotikaresistenzen.

Derzeitige Ernährung fördert eine Epidemie chronischer Krankheiten

Die Mediziner, die von der Hämatologin Dr. Shireen Kassam und der Fachärztin für Geriatrie, Dr. Alicja Baczynska angeführt werden, erklären weiterhin, dass die derzeitige Ernährung im Vereinigten Königreich “eine Epidemie chronischer Krankheiten anheizt, die in diesem Land mit ungesunder Ernährung einhergeht”. Eine Ernährungsumstellung der Bevölkerung “muss dringend vorgenommen werden, um sowohl diese Krankheiten zu verhindern als auch die Zahl der Todesfälle durch künftige Pandemien zu verringern”, fügen sie hinzu.

Die Vorschläge der Ärzte
  • Erhöhte Besteuerung von Lebensmitteln mit hohem Fett- und Salzgehalt sowohl im Einzelhandel als auch im Außer-Haus-Verkauf und eine neue Steuer auf Lebensmittel, die mit Zutaten aus industrieller Tierhaltung hergestellt werden.
  • Eine Beschleunigung des Verbotes der Werbung für Junk Food.
  • Die Einführung von Subventionen, um die britische Bevölkerung dabei zu unterstützen, eine vorwiegend vollwertige und pflanzliche Ernährung für die Gesundheit umzusetzen.
  • Die Förderung eines pflanzlichen Ernährungssystems durch die Einführung von Systemen zur Erhaltung der Landwirtschaft, um die Kohlenstoffemissionen zu senken und das Risiko einer Welt mit Antibiotikaresistenzen reduzieren.
  • Schutz der Ozeane, indem der Überfischung entgegengewirkt und die Abhängigkeit vom Fischkonsum verringert wird, indem alternative Quellen für langkettige Omega-3-Fette gefunden werden.
  • Förderung einer gesunden, nachhaltigen Ernährung durch die Wiedereinführung der Verpflegung im öffentlichen Sektor in Schulen und Krankenhäusern.

In einer Erklärung gab Dr. Alicja Baczynska bekannt: “Es ist nicht hinnehmbar, dass der NHS unter dem Gewicht chronischer Krankheiten zusammenbricht, von denen die meisten durch die Berücksichtigung von Ernährungs- und Lebensstilfaktoren verhindert und behandelt werden könnten. Eine wachsende Zahl von Ärzten und Mitarbeitern des NHS ist frustriert und desillusioniert über das vorherrschende Gesundheitssystem, das chronische Krankheiten behandelt, anstatt sie von vornherein zu verhindern. Viele wenden sich nun einem Gebiet der Medizin zu, das als ‘Lebensstilmedizin’ bezeichnet wird und in dem Krankheiten verhindert, behandelt und oft rückgängig gemacht werden, indem man sich mit der eigentlichen Ursache befasst, d.h. mit der Ernährung und dem Lebensstil.”

Dr. Shireen Kassam fügte hinzu: “Ein wichtiger Teil davon ist die Verringerung unseres Verbrauchs von Tierprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln, die die Inzidenz chronischer Krankheiten erhöhen. Diese grundlegenden gesundheitlichen Bedingungen sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Infektionen wie COVID-19 zu sterben. Obwohl es für jeden ein Anliegen ist, sind Gemeinschaften mit geringeren sozioökonomischen Mitteln und ethnische Minderheiten unverhältnismäßig stark von einer Ernährung mit hohem Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln und Tierprodukten betroffen, wobei gesunde, erschwingliche Lebensmittel oft weniger zugänglich sind. Wir sind eine heterogene Gruppe von NHS-Mitarbeitern, von denen viele seit Jahrzehnten in einem Gesundheitssystem arbeiten, das im Umgang mit chronischen Krankheiten einen klebrigen Gipsansatz bietet, anstatt sich mit den sozialen und Lebensstil-Determinanten der Gesundheit zu befassen, die weitaus größere Vorteile für die physische und psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Nation bringen können.”

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