Rotes Fleisch ließ die Atherosklerose-Marker stark ansteigen, das zeigte eine randomisierte Studie. Bereits nach wenigen Wochen mit einem hohen Konsum von rotem Fleisch zeigten sich erste Anzeichen einer Atheroklerose. Dr. Zeneng Wang und sein Team wiesen im Rahmen einer randomisierten Studie nach, dass der Spiegel eines Atherosklerose-Risikofaktors stark anstieg.

Der Übeltäter heißt Trimethylamin-N-Oxid, kurz TMAO, der zunehmend dafür verantwortlich gemacht wird, die Entstehung von atherosklerotischen Plaques zu fördern und das kardiovaskuläre Risiko zu erhöhen. Allein in Berlin erleiden jedes Jahr 10.000 Menschen einen Herzinfarkt, in ganz Deutschland sind es rund 280.000, etwa 50.000 von ihnen sterben an den Folgen. Zu den bekannten Ursachen gehören Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte im Blut, Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung oder eine Häufung von Herzinfarkten in der Familie. Besonders gefährdet sind auch Patienten, die bereits ein „kardiovaskuläres Ereignis“ erlitten haben, also einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. BIH-Professor Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie am Campus Benjamin Franklin der Charité und ärztlicher Leiter des CharitéCentrum für Herz-, Kreislauf- und Gefäßmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat mit Kollegen vom Department of Cardiovascular Medicine der Cleveland Clinic in Ohio in den USA sowie Professor Matthias Endres und Kollegen der Klinik für Neurologie der Charité und von der Medizinischen Hochschule Hannover in zwei Studien mit insgesamt über 600 Patienten, die kürzlich einen Schlaganfall erlitten hatten, einen bisher weniger bekannten Risikofaktor untersucht: Das so genannte Mikrobiom, die Bakterien im Darm.

Dabei hatten sie insbesondere die Konzentration eines Stoffwechselprodukts der Bakterien, das Trimethylaminoxid, gemessen und mit dem Risiko verglichen, einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall zu erleiden. „Wir haben herausgefunden, dass Patienten mit einer hohen Trimethylaminoxid -Konzentration im Blut ein doppelt bis fünffach so hohes Risiko für einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall hatten wie Patienten mit einer niedrigen Konzentration des Metaboliten“, sagt Ulf Landmesser. Das Trimethylaminoxid regt offenbar die Zellen auf der Innenschicht der Blutgefäße, die Endothelzellen, dazu an, Faktoren zu bilden, die die Blutgerinnung und Gefäßentzündung begünstigen. Das wiederum lockt entzündungsfördernde Blutzellen an, Monozyten, die ihrerseits in den Blutgefäßwänden die Atherosklerose und Thrombose fördern. Eine ganz und gar nicht neue Idee, berichtet Landmesser: „Die Idee, dass Entzündungen mit Arteriosklerose verbunden ist, geht auf Rudolf Virchow zurück, der das schon vor 160 Jahren hier in Berlin beschrieben hat.“

TMAO wird in der Leber aus Trimetyhlamin (TMA) gebildet. Dies wiederum wird von Darmbakterien aus Carnitin und Cholin gebildet. Diese sind in hohen Dosen in rotem Fleisch enthalten. Die Autoren der Studie um Dr. Zeneng Wang erklären, dass eine Ernährung mit viel rotem Fleisch den TMAO-Spiegel erhöht und somit das Thrombose-Risiko.

Durchführung der Studie

Das Forscherteam in den USA bat 113 gesunde Teilnehmer darum, vier Wochen lang jeden Tag rotes oder helles Fleisch zu essen oder zum Vergleich gar kein Fleisch zu essen. Alle drei Ernährungsweisen hatten die gleiche Kalorienanzahl. Nach vier Wochen tauschten die Teilnehmer die Ernährungsweise.

In der Gruppe, die das rote Fleisch gegessen hat, stiegen die TMAO-Spiegel um knapp das Dreifache an im Vergleich zu denen, die helles Fleisch oder gar kein Fleisch gegessen haben. Einige zeigten sogar einen Anstieg um das Zehnfache. Was die Forscher überraschte, war die Erkenntnis, dass auch die Nierenfunktion beeinflusst wurde, offenbar konnte das TMAO nicht mehr so gut ausgeschieden werden.

Wer das rote Fleisch wieder weg ließ, bei dem sanken die TMAO-Spiegel nach wenigen Wochen wieder.

Will man sein Mikrobiom im Darm positiv beeinflussen, sollte man sich nach Möglichkeit vegan ernähren. Denn eine Schweizer Kohortenanalyse an Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, zeigte, dass sich bei regelmäßigem Fleischkonsum eine geringere Biodiversität mit vermehrt entzündlich wirksamen Bakterienstämmen ansiedelt. Patienten, die sich glutenfrei oder vegetarisch ernährten, hatten weniger schlechte Bakterienstämme im Darm und stattdessen eine große Vielfalt. Mehr dazu in meinem Blogbeitrag.


Vegan bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Neue Studie zeigt große Verbesserungen
Wie Darmbakterien das Herzinfarktrisiko beeinflussen
Impact of chronic dietary red meat, white meat, or non-meat protein on trimethylamine N-oxide metabolism and renal excretion in healthy men and women

2 Replies to “Studie: Rotes Fleisch ließ die Atherosklerose-Marker stark ansteigen!”

  1. Sehr spannender Beitrag zum Thema TMAO! Die Wirkung von rotem Fleisch auf Atherosklerose durch TMAO ist leider noch viel zu wenig bekannt! Es geht bei einer herzgesunden Ernährung eben nicht nur um Makro- und Mikronährstoffe, sondern auch um die Auswirkungen auf unsere Darmflora, sekundäre Pflanzenstoffe, Giftstoffe etc!
    Neben dem TMAO fördert übrigens auch (z.T. oxidiertes) Cholesterin aus der Nahrung die Entzündung in den Gefäßen und trägt damit zu Atherosklerose bei. Dazu habe ich einige Beiträge auf meinem Blog veröffentlicht:

    https://herzoeffner.wordpress.com/2019/03/08/cholesterin-aus-der-nahrung/

    Liebe Grüße und weiter so ! Spannender Blog!

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