Bettina Bär verkauft Champagner im Vegan Sekt Paradise, welches sie gemeinsam mit ihren Kindern gegründet hat. Sie lebt vegan und trinkt leidenschaftlich gerne Sekt und Champagner. Allerdings war es gar nicht so leicht, vegane Schaumweine zu finden, die ohne tierische Hilfsmittel geklärt wurden. Sie wollte der Sache auf den Grund gehen und begann, zu recherchieren. So erfuhr sie zum Beispiel, dass die bei der Herstellung zugesetzten tierischen Hilfsstoffe wie Gelatine, Kasein oder Fischblase auf dem Etikett nicht deklariert werden müssten, da sie ja schließlich im Endprodukt nicht mehr nachweisbar seien, so die Aussage der Winzer.

Nun wollte sie Klarheit über Anbau, Düngung und Produktion von Schaumweinen erhalten. „Meine Vision war es, die Herstellung von Schaumweinen samt all ihrer Inhaltsstoffe transparenter darzustellen. Und zwar wirklich alle Inhaltsstoffe, nicht nur die, die am Ende noch nachweisbar sind. Ganz wichtig war es mir dabei, jenseits der Massenproduktion kleine und relativ unbekannte Familienunternehmen zu finden,“ erzählt sie mir. Auch Fair Trade war ihr dabei sehr wichtig.

Bettina Bär mit Sohn Julian und Tochter Alexandra vor dem Schloss Blutenburg in München. Foto: Arlet Ulfers

Für ihre Recherchen reiste sie in die Champagne, um engagierte Winzer zu finden, die nicht auf Kosten von Mensch, Tier oder Umwelt produzieren. Champagner ist ein Schaumwein, der in der Champagne, einem Weinbaugebiet etwa 100 km nordöstlich von Paris, unter festgelegten Regeln angebaut und gepresst wird. Nur Schaumwein aus diesem Gebiet darf sich Champagner nennen.

Gründung vom Vegan Sekt Paradise

Bettina Bär wollte Winzer finden, die ihre Champagner mit Leidenschaft und Gewissenhaftigkeit produzieren: „Mit ihnen wollte ich eine Kooperation aufbauen, um aktiv Einfluss auf Markt und Branche zu nehmen. Ich lernte viel über die Methode ‚Champenoise‘, über biologisches Düngen, den optimalen Anbau der Trauben und transparente Herstellungsprozesse.“ Durch ihre Reisen knüpfte sie enge Kontakte und Partnerschaften, die auf gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung basieren.

Dann gründete Sie ihr Unternehmen Vegan Sekt Paradise, in dem sie exklusive Champagner, Sekte und Weine anbietet, alle vegan, bio und garantiert handverlesen. In ihrer Firma arbeiten ihre beiden Kinder Alexandra und Julian mit. Allen Dreien ist ein ganzheitlicher Ansatz bei allem was sie tun wichtig.

Champagner Rosé Désirée, Premier Cru von Pascal Mazet.
Champagner Rosé Désirée, Premier Cru von Pascal Mazet. Foto: Katrin Luber

Sie achten bei den guten Tropfen von der Erde über die Pflanze und Frucht, Ernte, Filtrierung, Lagerung bis hin zur Verkorkung und Verpackung auf einen ganzheitliche Ansatz und Respekt gegenüber Fauna, Tieren und Insekten. Einige der Winzer verwenden zum Beispiel eine aluminiumfreie Korkenumwicklung, da die Herstellung von Aluminium große Umweltschäden verursacht. Unbedingt erwähnenswert ist auch der Abstand zum benachbarten Weinstock. Zum Beispiel dürfen die Reben, die sich in unmittelbarer Nähe zu einem konventionell ausgerichtetem Weinstock befinden, nicht zur Verwendung von biologischen Champagnern verwendet werden.

Als echtes veganes Unternehmen achten sie auch auf den Umgang mit dem Weinstock, da sich hier oft Schwachstellen einschleichen. Schließlich fließen für eine vegane Deklaration nicht unbedingt der Anbau und die Verarbeitung der Pflanzen und Frucht mit ein. So arbeiten die ausgewählten Winzer nachhaltig und verwenden im Weinstock keinerlei Produkte wie beispielsweise Düngemittel, in denen sich tierische Rückstände befinden.

Arbeiten mit der Natur

Pascal Mazet
Pascal Mazet. Foto: Pascal Mazet

Einer dieser Winzer ist zum Beispiel Pascal Mazet, von dem ich einen Rosé Champagner probiert habe. Cuvée Désirée ist ein im Eichenholzfass gereifter Brut Rosé mit einer zartrosa Farbe im Glas. Die Mazets überlassen Ihren Champagnern großzügige Reifezeiten und haben keine Eile mit der Abfüllung. Mir hat der Champagner Desirée wirklich sehr gut geschmeckt. Er war sehr fruchtig und trotzdem schön trocken, mit Noten von Johannisbeeren und reifen roten Früchten. Die Trauben stammen hauptsächlich aus dem Jahr 2010. Der Champagner besteht aus einer Mischung aus 83 % Pinot Meunier, 7 % Pinot Noir und 10 % Chardonnay.

Pascal Mazet stellt auf seinem Landgut in der Nähe von Reims seit 1980 exzellenten Champagner nach den Kriterien des biologischen Landbaus her. Nur so kann er das Beste aus dem Anbaugebiet herausholen. In den Kellern kann der Traubensaft dann in Ruhe reifen und sein natürliches Potential entfalten. Um die Bodenbeschaffenheit zu verbessern und eine bessere Entwicklung des Weinbergs zu ermöglichen, bevorzugt Mazet das ganze Jahr über die Bearbeitung des Bodens unter den Reben, um ihn zu belüften und natürliche organische Düngemittel und Bodenverbesserungsmittel einzuarbeiten, die unter Berücksichtigung der Umwelt ausgewählt wurden. Die Begrünung wird ebenfalls durch Mähen gesteuert. Diese Anbaumethoden verhindern Erosion, erhalten eine intensive Bodenflora und -fauna und fördern eine tiefe Verwurzelung der Reben.

Winzer Dominique mit seiner gleichnamigen Frau auf dem traditionsreichen Gut Lelarge Pugeot.
Winzer Dominique mit seiner gleichnamigen Frau auf dem traditionsreichen Gut Lelarge Pugeot. Foto: Lelarge Pugeot

Weingut mit über 200-jähriger Tradition

1799 wurde Pierre-Henri Lelarge geboren und zog nach Vrigny, wo er auch heiratete. Hier beginnt die Geschichte der Winzerfamilie Lelarge. Nachdem Raymond, 5. Generation der Familie Lelarge, 1922 aus dem Krieg zurückgekehrt war, begann die Familie Lelarge mit der Restaurierung des Weinbergs, während sich Raymond an dem Bau einer Pressmaschine versuchte. 1930 wurde der Champagner Lelarge zum ersten Mal in Flaschen abgefüllt. 1950 übernahmen Marcel, Raymonds Sohn, und seine Frau Fernande das Weingut. 1963 wurde Dominique, die heutige Generation, geboren.

Im Jahr 2000 beschloss Dominique, den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden ganz einzustellen und die Natur frei walten zu lassen. Er begann auch, Gras zwischen den Reben anzubauen. Ab 2009 wurden Pferde für das Pflügen eingesetzt und 2010 verpflichtete sich die Familie zur Bio-Zertifizierung mit Ecocert. Seit letztem Jahr ist das gesamte Weingut biodynamisch nach Demeter-Richtlinien zertifiziert.

Champagner Tradition von Lelarge Pugeot. Foto: Katrin Luber
Champagner Tradition von Lelarge Pugeot. Foto: Katrin Luber

Von diesem traditionsreichen Weingut habe ich den Champagner Tradition zur Verkostung erhalten. Er ist eine Mischung aus 65% Meunier, 20% Pinot Noir und 15% Chardonnay und ebenfalls köstlich! Sehr fruchtig, dabei trocken und einfach ein echter Genuss! Die Reben für diesen Champagner sind bis zu 25 Jahre alt und der Champagner reift erst bis zu sechs Monate im Tank und anschließend drei bis vier Jahre in der Flasche.

Champagner Les Dionysiaques von Eliane Delalot. Foto: Katrin Luber
Champagner Les Dionysiaques von Eliane Delalot. Foto: Katrin Luber

Kleines, aber feines Weingut

Die dritte Flasche, die ich zum Probieren bekommen habe, kommt von dem Weingut Éliane Delalot aus Nogent l’Artaud, das liegt an den Coteaux von Charly-sur-Marne und Saulchery im Vallée de la Marne. Der Cru ist bekannt für die Qualität seiner Meunier. Auf einem kleinen Weinberg mit nur 1,07 Hektar baut der Winzer Wein auf biologischem Wege an: Sie arbeiten fast ausschließlich von Hand und reduzieren den Einsatz von Mechanik und Benzin auf ein Minimum. Für viele Arbeiten wird ein Pferd, das mit zur Familie gehört, sowie Pflanzen und ätherische Öle eingesetzt. Jede Rebe erfordert eine besondere Aufmerksamkeit. Sie produzieren nur kleine Stückzahlen und bevorzugen langsame Gärungen.

Der Winzer Jérôme mit seiner Mutter Eliane auf ihrem Weingut Eliane Delalot. Foto: Privat
Der Winzer Jérôme mit seiner Mutter Eliane auf ihrem Weingut Eliane Delalot. Foto: Eliane Delalot

Les Dionysiaques, einer von drei Champagnern aus ihrem Sortiment, bekam seinen Namen von dem berühmten gleichnamigen Buch über die Geschichte des Erfinders von Kelterei und Weinen. Die Trauben wurden 2014 geerntet. Nach der Ernte erfolgte die Kelterung in Edelstahlfässern, anschließend kam der gute Tropfen für 20 Tage in Eichenfässer.

Alle drei Champagner, die ich zum Probieren bekommen habe, waren köstlich und ich könnte mich glatt daran gewöhnen, häufiger mal Champagner zu trinken. Ehrlich gesagt, war Les Dionysiaques mein Favorit! Alle drei waren sehr fruchtig und trotzdem nicht süß, sondern angenehm trocken.

Einige Reben noch zu jung für die Biozertifizierung

Alle Champagner sind biologisch angebaut, und das seit vielen Jahren. Für eine anerkannte biologische Zertifizierung müssen die Weingüter eine mindestens siebenjährige Kontrollzeit durchlaufen. In einigen Winzerfamilien wird schon seit Generationen ohne chemische Hilfsmittel produziert und die biologische Zertifizierung der Weinstöcke wurde erst in jüngster Zeit beantragt. So kann es sein, dass Champagner biologisch angebaut wurde, die Trauben für die Zertifizierung allerdings noch zu jung waren. Beim Tradition von der Winzerfamilie Lelarge gibt es manche Flaschen, die eine Zertifizierung haben und bei manchen waren die Reben oder Weinstöcke noch zu jung, erst sechs Jahre alt. Dies bezieht sich auch nur auf die Registrierung zur Biozertifizierung, da für diese die Reben mindestens sieben Jahre alt sein müssen. Sie wurden aber bereits unter biologischen Kriterien angepflanzt.


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