Rotes Fleisch bekommt seine Farbe von Karmin aus Käferschalen

Foto: Aral Tasher/Unsplash

Rotes Fleisch bekommt seine Farbe von Karmin aus Käferschalen, um den Lebensmitteln einen „gesunden“ rötlichen Farbton zu verleihen. Nathalie Pauleau, Managerin für natürliche Farbstoffe bei Naturex, sagte dem FoodNavigator, einem führenden Online-Nachrichtenportal für die Lebensmittelindustrie, dass Karmin die häufigste Zutat ist, um herkömmlichen Fleischprodukten eine starke rote Blutfarbe zu verleihen. Ohne diesen Zusatz kann das Fleisch oft mehr Brauntöne annehmen, wenn sich das Tierfleisch zu zersetzen beginnt.

Auf Etiketten wird Karmin oft nicht explizit erwähnt geschweige denn erklärt, dass es aus dem Extrakt von Käfern hergestellt wird. Der Zusatzstoff ist in Europa häufig unter den Nummern naturrot 4, C.I. 75470 oder E120 zu finden. Auf der Inhaltsstoffliste findet man die rote Farbe aus Läusen oft „echtes Karmin“ oder auch die Bezeichnungen „Karmin, Carmine, Cochinille, Cochineal oder Karminsäure.“ Roter Farbstoff kann sehr gut aus Pflanzen gewonnen werden zum Beispiel aus der Alkannawurzel oder aus Rote Beete-Saft. Daneben gibt es Karmin aus synthetischer Herstellung, welches man an der Nummer E 124 erkennt.

Der Inhaltsstoff entsteht, wenn Schildläuse abgetötet werden und ihre Körper zu einer roten Masse zerquetscht werden. Die pulverisierten Käfer werden dann in einer chemischen Lösung wie Ammoniak oder Natriumcarbonat gekocht, bevor ein Filter die unlöslichen Stoffe entfernt und Aluminium mit einem transparenten Salz gemischt wird, das mit Karminsäure hergestellt wird. Nach der Ausfällung des Salzes ist das Endprodukt rotes Aluminiumsalz, genannt „Karmin/Karminroter See“, wobei das Wort See von dem ähnlichen Wort lake für harziges Sekret abgeleitet ist.

Neben dem Färben von Fleisch wird Karmin als Farbstoff in Joghurts auf Milchbasis, Farben, Lippenstiften, von denen die durchschnittliche Frau dreieinhalb Kilo pro Jahr verbraucht, und anderen Kosmetika, einigen Arten von Tinte, Buntstiften, künstlichen Blumen und anderen üblichen Haushaltswaren verwendet.

Wer also in eine rote Salami beißt, beißt auch in leckere Käferschalen 😉


Quelle:

What are the best colour options for plant-based meats?
E120: Farbstoff aus toten Schildläusen – welche Produkte enthalten ihn?

2 Kommentare

  1. Finde ich jetzt nicht besonders schlimm.
    Insekten und Arachniden sind proteinmäßig immerhin die Alternative zu Säugetierfleisch, da ist eine sanfte Gewöhnung doch prima (Ameisenspaghetti schmecken super). In Kambodscha sind nahe Verwandte der Milben ein gern gegessenes Frühstück. 🙂
    Und das Läuserot wird auch schon seit der Antike für Kosmetika verwendet, ist also kein neuer Grusel der Lebensmitteltechnik.

    • Moin Madame Graphisme,

      die Menschen sind offenbar verschieden. Mir wird richtig schlecht bei der Vorstellung pürierte Käfer essen zu müssen. Da beiße ich doch lieber herzhaft in einen schönen Apfel (ohne Wurm natürlich :D). Ich würde auch keine Milben oder andere Insekten essen, nur wenn ich kurz vorm Verhungern wäre vielleicht. Meine Kosmetikprodukte sind auch vegan und läusefrei 😉

      Viele Grüße,

      Katrin

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