Der Bildband Artenreich von Joel Sartore zeigt über 400 kunstvolle Tierporträts aus dem National Geograhic Photo Ark Projekt. Mit brillanten, witzigen charmanten Bildern bringt Sartore dem Betrachter die Themen Evolution und Artenvielfalt näher. Ein Bildband voller seltener Tiere: grünliche Baumstachler und großäugige Lemuren, stolze Seelöwen und stämmige Nashörner. Jedes Bild erzählt eine Geschichte, jeder Text hat eine Botschaft, jede Seite ist ein Aufruf, verantwortlich mit unserer verletzlichen Welt umzugehen.

„Eines der wissenschaftlich und künstlerisch brillantesten Bücher,“ sagt die bekannte Jane Goodall über den Bildband, zu dem Schauspieler und Naturschützer Harrison Ford ein Vorwort geschrieben hat. Die Bilder zeigen Tiere von winzig klein bis riesig groß, vom Grashüpfer bis zum Panzernashorn. Seltene Tiere, die möglicherweise schon bald nicht mehr existieren.

Joel Sartore, 1962 in Ponca City, Oklahoma, geboren, ist Fotograf, Journalist, Autor und Naturschützer. Seit über 25 Jahren veröffentlicht er seine Bilder in der Zeitschrift National Geographic. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er an dem Projekt „Photo Ark“, der fotografischen Dokumentation der Artenvielfalt unseres Planeten. Da Tiere in freier Wildbahn nur mit großem Aufwand und viel Glück zu fotografieren sind, arbeitete Sartore mit Auffangstationen, ausgewählten Zoos und privaten Züchtern zusammen. Mit seiner Arbeit möchte er dazu beitragen, den Niedergang der weltweiten Biodiversität aufzuhalten oder zumindest einzudämmen: „Ich sehe mich als Tierbotschafter, als Stimme für die, die keine Stimme besitzen.“ Er ist Mitglied der International League of Conservation Photographers und der National Geographic Society.

Harrison Ford schreibt im Vorwort: „Dass Sie gerade dieses Buch lesen, ist ein Beleg für Ihr Interesse am Artenschutz. Sie wissen vermutlich auch, dass gegenwärtig Arten schneller ausgelöscht werden als zu jedem anderen Zeitpunkt der Erdgeschichte seit dem Aussterben der Dinosaurier.“ Er betont, dass Ökosysteme sich verändern, wenn eine Art verschwindet: „Ohne Bestäuber wachsen keine Feldfrüchte. Ohne Beutegreifer zerreißt die Nahrungskette. Ohne Affen, Vögel oder Schildkröten werden im Wald keine Samen mehr verbreitet, und damit sterben auch die Bäume aus, die uns mit sauberer Luft und frischem Wasser versorgen und das Klima im Gleichgewicht halten.“

Sartore will beim Betrachter ein Bewusstsein dafür schaffen, was passiert, wenn diese Art, die ich mir hier gerade angucke, ausgestorben ist? Für immer verschwunden? Er soll sich fragen, was man selbst tun kann: „Kein Einzelner kann die Welt retten, aber jeder Einzelne kann sicherlich etwas Bedeutendes leisten,“ so Sartore. „Die Tiere, die ich fotografiere, verhalten sich passiv oder aggresiv, scheu oder angeberisch, albern oder verspielt. Mit anderen Worten: genau wie wir.“

Zwischen den über 400 Fotografien finden sich Zitate sowie Anekdoten. Sartore stellt auch Menschen wie Jack Rudloe, Brian Gratwicke oder Don und Ann Butler vor, die ihren ganz eigenen Beitrag zum Artenschutz leisten.

Die Fotos der Galerie sind alle von Joel Sartore/National Geographic Photo Ark.

Hinter den Kulissen

Um den Tieren Stress zu ersparen, wurde der Hintergrund oft schon Tage vorher angebracht, sodass sich die Tiere daran gewöhnen konnten. Die Fotos zeigen entspannte Tiere, die schüchtern, mal verschmust oder neugierig in die Kamera gucken dabei aber nie gestresst oder verängstigt aussehen: „Niemand kann diese einfühlsamen Porträts sehen, ohne von ihnen begeistert zu sein oder sich motiviert zu fühlen, alles Menschenmögliche für den Schutz und Erhalt der Tiere zu tun. Auch unsere Kinder und Enkel sollen diese unglaublichen Tierwesen bestaunen können,“ so Jane Goodall im Klappentext.

Der Weltenbummler muss sesshaft werden

Als seine Frau Kathy 2005 die Diagnose Brustkrebs bekam, war dem Weltenbummler und Fotograf klar, er musste sich ein Projekt suchen, bei dem er vor Ort sein konnte, um sich um die drei Kinder kümmern zu können: „Seit über 25 Jahren arbeite ich jetzt als Fotograf für die Zeitschrift National Geographic. Im Zuge meiner Arbeit bin ich manchmal wochen-oder sogar monatelang von zu Hause weg; sie hat mich auf alle Kontinente geführt, von der Tundra in Alaska und der Eisdecke in der Antarktis bis zum Regenwald in Bolivien und den schwarzen Sandstränden von Äquatorialguinea. Je mehr ich reiste, desto mehr wurde mir bewusst, in welcher Krise die Arten auf der ganzen Welt stecken. Wir Menschen verändern das globale Klima und Terrain dramatisch. Manche Tiere, die ich fotografieren wollte, wurden immer seltener, manche standen sogar schon kurz vor dem Aussterben.“

In all den Jahren als National Geographic-Fotograf hatte er nie viel Zeit still zu sitzen. Doch jetzt musste er zu Hause sein. Wie konnte er seine Natur- und Artenschutzarbeit vorantreiben? Wie die Öffentlichkeit sensibilisieren? „Ich dachte an Edward Curtis und seine Fotografien amerikanischer Ureinwohner, deren Kultur vom Aussterben bedroht war. Und an John James Audubon und seine wunderschönen Zeichnungen heute nicht mehr existierender Vögel. Vielleicht könnte ich etwas Ähnliches schaffen, um die Menschen auf die Tiere, die ich liebte, aufmerksam zu machen.“

Er rief ich im Lincoln-Kinderzoo in der Nähe in Nebraska an und bat um Erlaubnis, die dortigen Tiere fotografieren zu dürfen. Beginnen wollte er mit einem Modell, das relativ still hielt und so war ein Nacktmull sein erstes Model. Ein nicht sehr großes Nagetier mit geringer Behaarung, das in den Trockengebieten Ostafrikas heimisch ist: „Wir setzten das kleine Geschöpf in der Küche des Zoos auf ein weißes Schneidbrett, und ich fotografierte es. Das Projekt nahm seinen Anfang. Für mich lautet das Fazit: Ich möchte am Ende meines Lebens in den Spiegel blicken und lächeln können, in dem Wissen, dass ich getan habe, was ich konnte. Noch lange nach meinem Tod werden diese Bilder Tag für Tag Artenschutz betreiben. Eine wichtigere Mission gibt es für mich nicht.“


Mehr Informationen

Autor: Joel Sartore
Titel: Artenreich. Eine Hommage an die Vielfalt. Exklusive, bewegende Tierporträts zeigen die Artenvielfalt in einzigartiger Weise und erzählen von der Schönheit der Schöpfung (Werbung)
Erschienen: 16. Oktober 2017
Verlag: National Geographic Buchverlag GmbH
Form: 400 Seiten gebunden
ISBN: 978-3866906396
Preis: 60 €

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