Dümmer See in Niedersachsen.

Gülle als Dünger sorgt für multiresistente Keime im Grundwasser und birgt unabsehbare Risiken für Gesundheit und Umwelt. Denn über die Ausscheidungen gelangen Nitrate und Antibiotika ins Grundwasser. Die Klärwerke müssen das Wasser aufwändig aufbereiten und filtern, wodurch das Trinkwasser in absehbarer Zeit teurer werden wird  – auch für uns, die wir etwas dagegen tun!

Nach dem verregneten Winter sind die Güllespeicher der Landwirte voll und mit dem Sperrfristende für die Gülleausbringung am 31. Januar werden die Böden nun wieder enorm belastet. Der Konsum von Fleisch, Milch, Käse und Eiern verursacht große Umweltprobleme. Aus Profitgründen halten Bauern jedoch immer mehr Tiere, wodurch der Gülleausstoß und die Belastung des Grundwassers zunehmen.

Lachgas aus Gülle in der Luft

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist bekannt für einen immensen Wasserverbrauch, aber auch Gülle als Dünger hat fatale Folgen. Aus ihr dünstet Lachgas aus, das 310-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Es entsteht Ammoniak, das wiederum zur Feinstaubbildung beiträgt und Erkrankungen auslöst. Durch die Gülleausbringung versickern zudem Schadstoffe. Dadurch steigen die Nitratwerte im Grundwasser, die Wasserqualität nimmt ab und das Wasser ist schlimmstenfalls nicht mehr nutzbar.

Nitrat ist dem Grundwasserbericht Niedersachsens zufolge das größte Problem für Grundwasser. Vor allem an Messstellen in Regionen mit zahlreichen Tierhaltungsbetrieben sind die Werte erhöht – auch Antibiotika sind dort in starker Konzentration zu finden. In deutschen Ställen kommen jährlich hunderte Tonnen Antibiotika zum Einsatz. Einen Großteil scheiden die Tiere wieder aus, sodass Medikamentenreste und resistente Keime bis ins Grundwasser gelangen können. Da die Wirkstoffe auch in der Humanmedizin eingesetzt werden, sind Auswirkungen wie Antibiotikaresistenzen nicht abschätzbar; Experten zufolge filtern Kläranlagen nicht ausreichend.

Diepholzer Moor in Niedersachsen.

Antibiotikaresistente Keime wurden Ende Januar in verschiedenen Gewässern in Niedersachsen nachgewiesen. Dies belegten Wasser- und Sedimentproben von zwölf unterschiedlichen Standorten. Beauftragte Wissenschaftler hätten darin multiresistente gram-negative Bakterien (MRGN) gefunden – darunter auch solche, die sogar gegen wichtige Reserveantibiotika unempfindlich seien.

Für 400 Gramm Schweinefleisch werden zehn Liter Gülle produziert. Mit gravierenden Folgen: Aus den Nitraten in der Gülle entsteht das krebserregende Nitrit. Dennoch erhalten Betriebe, die Tiere ausbeuten, die Umwelt zerstören und die menschliche Gesundheit gefährden, Subventionen und werden damit von der Allgemeinheit finanziert.

200 Millionen Kubikmeter Gülle jährlich

Die Düngemittelverordnung gibt Obergrenzen für den Stickstoffeintrag und Zeiträume vor, in denen nicht gedüngt werden darf. Angesichts der 200 Millionen Kubikmeter Gülle und Mist, die 700 Millionen Tiere in der Landwirtschaft jährlich produzieren, ist diese Regelung unzureichend.

Alleine die in Deutschland gehaltenen Schweine erzeugen doppelt so viele Abwässer wie die menschliche Bevölkerung. Die immer beliebter werdende biovegane Landwirtschaft zeigt, wie Nährstoffe ganz ohne tierische Exkremente in den Boden gebracht werden können. Außerdem könnten höhere Steuern auf Produkte tierischer Herkunft die landwirtschaftliche Tierhaltung zurückdrängen.


Mehr Informationen

Antibiotikaresistente Keime in Gewässern entdeckt
Gefährliche Keime in Bächen, Flüssen und Seen
Umweltbundesamt (Hrsg.) (2015): Umweltbelastende Stoffeinträge aus der Landwirtschaft – Möglichkeiten und Maßnahmen zu ihrer Minderung in der konventionellen Landwirtschaft und im ökologischen Landbau. Dessau-Roßlau.
Keime in Gewässern: Nachrüstung von Kläranlagen gefordert.
Von Daniels, Justus; Wehrmeyer, Stefan (2017): Irrsinn der Agrarpolitik

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