Rezension: Stärker als Fleisch von Rip Esselstyn

Stärker als Fleisch von Rip EsselstynRip Esselstyn, Sohn des berühmten veganen Arztes Dr. Caldwell B. Esselstyn Jr., hat in seinem neuen Buch Stärker als Fleisch alle Argumente von Fleischessern aufgezählt und entzaubert. Esselstyn deckt auf, welche Lebensmittel von vielen Menschen seit Generationen für gesund gehalten werden, obwohl sie es überhaupt nicht sind, wie die Wissenschaft mittlerweile zweifelsfrei nachgewiesen hat.

Esselstyn ist erfolgreicher Triathlet, ehemaliger Feuerwehrmann, New York Times Bestsellerautor und liefert nun die wichtigsten Hintergrundinformationen zur schädlichen Wirkung von Fleisch, Milch- und anderen Tierprodukten auf den menschlichen Körper und widerlegt gleichzeitig mehrere Diätmythen. Belastbare Knochen brauchen weder Fleisch noch Milchprodukte. Auch Pflanzen liefern ausreichend Kalzium und Eisen, und ganz nebenbei noch viele weitere unverzichtbare Nährstoffe, die der menschliche Körper zum reibungslosen Funktionieren braucht.

Beim Lesen merkt man richtig, dass er das gesamte Bullshit-Bingo der Fleischesser nicht mehr hören kann und erläutert auf unterhaltsame und direkte Art, warum eine pflanzenbasierte Ernährung eben keine Mangelernährung ist.

Die Story zum Buch

Nick Gravina war 42 Jahre alt, Feuerwehrmann und Mitglied des South-Metro-Feuerwehrteams in Colorado: „Er war ein unbezwingbares Biest bei der Firefighter Combat Challenge …“ einem Wettkampf, bei dem die Teilnehmer einen unglaublichen Parcours in kürzester Zeit absolvieren müssen und den Nick innerhalb von anderthalb Minuten in voller Montur schaffte, während er die Luft aus einem 14 Kilo schweren Atemschutzgerät auf dem Rücken atmete.

Im März 2012 bekam Nick Schmerzen in der Brust und wurde von Sanitätern an einen Herzmonitor angeschlossen. Diese riefen sofort einen Krankenwagen wegen eines unnormalen Herzrhythmus. Nach einer Stunde mit mehreren Herzstillständen, unzähligen Wiederbelebungsversuchen und 18 Elektroschocks, konnten die Ärzte ein Blutgerinnsel aus seinem Herzen entfernen.

Danach beschloss der zweifache Vater, dass er das nie wieder erleben möchte. Bisher dachte der gut trainierte Sportler, dass er wegen der vielen Bewegung essen könne, was er wolle. Seine Mutter schickte ihm nach diesem Erlebnis das erste Buch von Rip Esselstyn, The Engine 2 Diet (Werbung), welches die Vorteile einer veganen Ernährung erläuterte. Er stellte seine Ernährung um, sein Cholesterin sowie sein Gewicht sanken, er wurde noch fitter.

Rip Esselstyn arbeitete früher als Feuerwehrmann, bis ihm die Supermarktkette Whole Foods einen Job anbot, da sie ihre Mitarbeiter und Kunden von einer gesunden, pflanzenbasierten Ernährung überzeugen wollte: „Nach zwölf Jahren bei der Feuerwehr im texanischen Austin, sprang ich daher ein letztes Mal vom Feuerwehrwagen und hing meine Kluft an den Nagel, um Menschen vor Essen statt vor Feuer zu retten.“

Doch die Kollegen von Nick verstanden selbst nach seinem Nahtoderlebnis nicht, warum er kein Fleisch mehr aß. Seine Mutter rief bei Rip an, um Nick die „Informationen zu geben, die er als schlagkräftige Argumente im Schlagabtausch mit seinen Feuerwehrkollegen nutzen konnte. Wir sprachen über eine Stunde lang und ich gab ihm all die Munition, die er brauchte, um als Sieger aus jeder Diskussion hervorzugehen, in die ihn seine Kollegen verwickeln würden.“

Im ersten Teil des Buches entzaubert er 36 Mythen über Ernährung, Lebensmittel, vegane und omnivore Ernährung: „Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu erfahren. Und nicht nur das. Wenn Sie die folgenden Kapitel gelesen haben, können Sie sich erfolgreich mit den besten Argumenten gegen all die fleischverrückten und pflanzenfürchtenden Miesmacher behaupten, denen Sie tagtäglich begegnen. Lassen Sie uns gemeinsam für eine pflanzenstarke, gesunde Ernährungsrevolution kämpfen!“

Kalzium sorgt für hohe Osteoporoseraten

Wer hat wohl höhere Raten für Osteoporose zu verzeichnen, die Inuitfrauen mit einem hohen Kalziumkonsum oder die Südafrikanerinnen, mit dem weltweit geringsten Konsum von Milchprodukten? Die Milch macht es eben nicht, denn die Inuit haben weltweit die höchsten Osteoporoseraten. Fleisch- und Milchprodukte sind voll mit Aminosäuren, die nun vom Körper wieder neutralisiert werden müssen. Dafür nimmt er das Kalzium aus den Knochen!

Kranke Inuit

Für viele Fleischesser sind die Inuit ja der perfekte Beweis dafür, dass der Mensch ein Fleischesser ist und kein Pflanzenesser. Schließlich lebt diese Bevölkerungsgruppe in dieser eisigen Wüste seit vielen 100 Jahren und ernährt sich ausschließlich von Fisch, Walross, Wal und Seehund, ohne Gemüse und Obst.

Ja, früher mussten die Inuit auch in der eisigen Kälte den ganzen Tag ihr Futter jagen, es auseinandernehmen, konservieren und verbrauchten dabei an die 6000 Kalorien pro Tag. Heute sitzen sie in beheizten Häusern, fahren mit klimatisierten Autos rum und ernähren sich immer noch wie ihre Vorfahren. Dadurch sind sie heute eine der „fettleibigsten und kränksten Bevölkerungsgruppen der Erde geworden.“

Paläo is(s)t zu 80 Prozent Pflanzen!

Die Höhlenmenschen aus dem Paläolithikum ernährten sich nicht, wie heute oft behauptet wird, hauptsächlich von Fleisch, sondern zu 80 Prozent von Pflanzen: „Es waren diese Pflanzen und die Möglichkeit, Stärke und Wurzelgemüse zu kochen, die zur großen Explosion des Gehirnwachstums bei uns Menschen führte. Tatsächlich verzehrten die Menschen während des Paläolithikums täglich über 75 Gramm Ballaststoffe – das Doppelte von dem, was ein durchschnittlicher Pflanzenesser heutzutage aufnimmt.“ Die Menschen aßen ein Fleisch, was dem der Antilope ähnelt und nur 5 Prozent Fett hat, kaum gesättigte Fette und keine Hormone und Antibiotika.

Volksstämme, die heute noch jagen und sammeln, essen auch hauptsächlich Pflanzen. Es gibt zwei Bevölkerungsgruppen, die auch heute noch viel Fleisch essen. Einer ist der Massaistamm in Ostafrika, der viel Blut, Milch und Fleisch konsumiert. Eine Studie von George Mann von Harvard zeigte in den 70er Jahren nach 50 Autopsien an Massai, dass ihre Körper alle von Herzkrankheiten gezeichnet waren. Ihre Arterien waren jedoch wegen der vielen Bewegung geweitet.

Auch bei den Inuit, die viel Fisch, Walspeck und Fleisch essen, zeigten Autopsien bereits in den 20er Jahren, dass sie an arteriellem Plaque leiden: „Spätere Forschungsarbeiten zeigten, dass die Arterien der Inuit stark verstopft, ihre Cholesterinwerte hoch und ihre Knochen schwach waren…“

Mediterrane Ernährung als Mogelpackung

Es gibt wohl kaum eine Ernährungsweise, die ähnlich wie die mediterrane von Ernährungsberatern in den Himmel gelobt wird! Fleisch, Fisch, Rotwein, Feta, Joghurt und Olivenöl sind bei dieser plötzlich gesund und werden empfohlen. Rip schreibt, dass es eigentlich gar keine echte mediterrane Lebensweise gibt, da über 20 Länder an das Mittelmeer grenzen und in jedem anders gegessen wird. Was sie vielleicht eint, ist die Tatsache, dass viel Obst, Gemüse und frische Produkte verwendet werden, die Portionen klein und wenig Fleisch enthalten ist.

In Spanien zum Beispiel essen die Menschen mediterran, dennoch zeigte eine umfassende aktuelle Studie, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig ist, 33 Prozent zu hohen Blutdruck haben, 65 Prozent zu hohe Cholesterinwerte und bei etwa 30 Prozent fand man zwei bis drei kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ernährten sich die meisten Menschen in der Mittelmeerregion vom typischen Arme-Leute-Essen, nämlich Linsen statt Fleisch, weil sie keine andere Wahl hatten. In dieser Zeit, den 50er Jahren, gab es eine Studie, die die Menschen auf der griechischen Insel Kreta untersuchte. Dort aßen die Menschen viele Oliven, Avocados, Olivenöl und andere einfach gesättigte Fette sowie frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und kleine Mengen Fisch. Auf dieser Studie basiert die Empfehlung der gesunden mediterranen Ernährungsweise! Und ist da Fleisch dabei? Heute gibt es auf Kreta Zentren für Adipositas und Magenverkleinerung.

Frankreich liegt übrigens laut Forbes Magazine auf Rang 128 der fettesten Länder der Welt, hinter Kasachstan und Moldawien.

Köstliche vegane Rezepte

Im hinteren Teil des Buches finden sich noch köstliche Rezepte, die seine Frau und er aus ihrem Alltag aufgeschrieben haben. Zusätzlich riefen sie die Fans seines ersten Buches dazu auf, ihnen die Rezepte für ihre Leibspeisen zu schicken. Sie bekamen Hunderte! Daraus sortierten sie 150 heraus, die die Kriterien köstlich, sättigend, einfach und vegan erfüllten. Und ich kann sagen, dass sie es wirklich sind 🙂 Köstliche Rezepte, mit denen ihr auch noch den engstirnigsten Fleischesser davon überzeugen könnt, dass vegan vielleicht ja doch ganz gut schmeckt 😉


Mehr Informationen

Autor: Rip Esselstyn
Titel: Stärker als Fleisch – Wie ein Feuerwehrmann aus Texas den Fleischhunger mit einer pflanzenstarken Ernährung löschte (Werbung)
Erschienen: 31. Oktober 2017
Verlag: Narayana Verlag
Form: 400 Seiten
ISBN: 978-3946566618
Preis: 29,80 €

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