Hilft eine vegane Ernährung bei Gicht? Wie bei vielen anderen typischen Wohlstandskrankheiten wie Diabetes profitieren Patienten davon und führen häufig ein gesünderes Leben. In früheren Jahrhunderten galt sie als eine Krankheit der Könige und Reichen, da die häufig die Einzigen waren, die sich Fleisch und Fisch leisten konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Gicht zu einer typischen Zivilisationskrankheit.

Was sind die Ursachen von Gicht?

Purine sind Stickstoffverbindungen und ein wichtiger Bestandteil der DNA von Menschen, Tieren und Pflanzen. Im menschlichen Organismus werden sie zu Harnsäure abgebaut. Ein stark erhöhter Harnsäurespiegel wird als Hyperurikämie bezeichnet. Das klinische Erscheinungsbild der Hyperurikämie ist die Gicht, die häufigste Form rheumatischer Gelenkerkrankungen.

Bei einer Hyperurikämie bilden sich Harnsäurekristalle, die sich an verschiedenen Körperstellen wie Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, in der Haut und im Ohrknorpel ablagern und entzünden können. Heftige Gelenkentzündungen und Gelenkschäden können entstehen. Auch in der Niere setzen sich die Kristalle ab. Bleibt die Gicht unbehandelt, kommt es leicht zu Nierensteinen und Nierenschäden. Zu Beginn der Erkrankung und – ohne geeignete Therapie – auch im weiteren Verlauf, leiden Patienten an extrem heftigen Schmerzattacken. Oft ist beim akuten Gichtanfall als erstes die große Zehe, genauer das Großzehengrundgelenk, betroffen.

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Wodurch wird Gicht ausgelöst?

Damit sich eine Gicht entwickeln kann, braucht es eine hohe Konzentration an Harnsäure im Blut. Harnsäure wird vor allem über die Nieren, und nur zu einem kleinen Teil über den Darm ausgeschieden. Ist das Gleichgewicht zwischen Bildung und Ausscheidung der Harnsäure im Körper gestört, steigt der Harnsäurespiegel an. Bei etwa fünf Prozent der erwachsenen Männer lassen sich erhöhte Konzentrationen an Harnsäure im Blut nachweisen, die aber anfangs keine Beschwerden verursachen. Ob eine Gicht auftritt, hängt von der Dauer und vom Grad der Hyperurikämie ab.

Warum ist der Harnsäurespiegel erhöht?

Harnsäure entsteht im Körper beim Abbau von Purinen, die entweder aus der Nahrung stammen und ein normaler Baustein von Körperzellen sind und im Organismus beim Abbau oder Zerfall von Zellen freigesetzt werden. Besonders purinreich sind beispielsweise Innereien, Fleisch, Wurst und Alkohol.

Ein akuter Gichtanfall kommt meistens ohne Vorwarnung bei scheinbar völlig gesunden Menschen. Mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden werden Betroffene plötzlich von einer sehr schweren Schmerzattacke überfallen. Das kranke Gelenk ist extrem berührungsempfindlich, schmerzhaft bei Bewegungen, geschwollen, gerötet oder bläulich verfärbt und heiß. Fieber ist eine häufige Begleiterscheinung. Der akute Zustand kann mehrere Stunden und sogar Tage lang andauern, wenn keine geeignete Therapie erfolgt. Ohne weitere ärztliche Behandlung werden sich die akuten Attacken wiederholen, können dann in immer kürzeren Abständen auftreten und jeweils länger anhalten sowie auf andere Gelenke übergreifen.

Vegane Ernährung bei Gicht als Prävention und Therapie

Die purinreichsten Lebensmittel sind Fleisch, Wurst, Fisch und andere Meerestiere. Verzichtet man auf diese tierischen Produkte und schränkt den Alkoholkonsum ein, sollten die Schmerzen verschwinden. Claus Leitzmann schreibt zum Beispiel in seinem Buch “Vegetarische Ernährung”, dass in Deutschland etwa 60 % der aufgenommenen Purine aus Fleisch stammen. Männer sind bis zu zehnmal häufiger von Hyperurikämie betroffen als Frauen.

In einer Studie mit über 47.000 Männern erhöhte sich das Gichtrisiko mit steigendem Konsum von Fleisch und Meerestieren. Der Verzehr von purinreichen Gemüsearten hatte keinen Einfluss auf das Gichtrisiko. Ungünstig sind zum Beispiel Spinat und Rosenkohl. Lediglich auf den Konsum von Hülsenfrüchten und besonders hefereiche Lebensmittel wie Bier sollte geachtet werden. Hier ist beispielsweise die Lupine eine gute Alternative, da sie keine Purine enthält.

In der Berliner Vegetarierstudie wurden bei vegetarisch lebenden Menschen niedrigere Blutkonzentrationen an Harnsäure festgestellt als bei Nichtvegetariern, was ein geringeres Auftreten von Gicht zur Folge hatte.*

Patienten sollten ihre Ernährung auf eine purinarme umstellen, sehr üppige Mahlzeiten, Fasten und Durstphasen vermeiden und mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken, sofern aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht. Lebensmittel möglichst fettarm zubereiten, zum Beispiel durch dünsten oder grillen. Übergewicht sollte durch gesunde Ernährung und viel Bewegung langsam reduziert werden. Hier ist es wichtig, auf eine schnelle Abnahme zu verzichten, da dadurch kurzfristig das Gichtrisiko steigen kann.

Bei alkoholischen Getränken ist Zurückhaltung angesagt, denn Alkohol beeinflusst den Stoffwechsel so, dass der Harnsäurespiegel im Blut ansteigt. Bier ist besonders schädlich für Gichtkranke, weil es obendrein auch noch purinreich ist.

Eine vegane Kost ist purinärmer als eine Ernährung mit Fleisch und Fisch und daher gut zur Prävention von Hyperurikämie und Gicht geeignet. Übrigens sind proteinreiche vegane Fleischalternativen gut geeignet, da sie deutlich weniger Purine enthalten als Fleisch. Dies gilt besonders für Produkte auf der Basis von Weizenprotein oder einer Mischung von Weizen- und Sojaprotein sowie Lupinen.

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Mehr Informationen

*Rottka H, Thefeld W (1984): Gesundheit und vegetarische Ernährungsweise. Akt Ernährungsmed 9 (6), 209-16

4 Replies to “Vegane Ernährung bei Gicht: Übersicht über Purine in pflanzlichen Lebensmitteln”

  1. Guten Tag
    Da bei mir trotz jahrzehntelanger vegetarischer Ernährung erhöhte Harnsäurewerte festgestellt wurden,bin ich unsicher,wie ich eine ausreichende Kalziumzufuhr sicherstellen kann
    Ich verzichte auf Milch(Laktoseintoleranz),ausserdem habe ich gehört,dass auch Tofu bei dieser Diät vermieden werden soll
    Vielleicht haben Sie einige alternative Vorschläge
    Mit freundlichen Grüßen
    Susanne Müller

    1. Moin Susanne,

      um die Kalziumzufuhr sicherzustellen, braucht man weder Milchprodukte noch Fleisch oder Fisch. Die besten Kalziumlieferanten sind zum Beispiel Sesamsamen, Mandeln und andere Nüsse wie Haselnüsse und Paranüsse, (dunkelgrünes) Blattgemüse wie zum Beispiel Grünkohl, Spinat und Schwarzkohl, Fenchel, Mangold und Rucola, mit Calcium angereicherte Milchalternativen wie z.B. Hafer-, Mandel-, Dinkel- oder Reismilch sowie calciumreiches Mineralwasser.

      Soja ist eine Hülsenfrucht und daher purinreich, eine Alternative ist zum Beispiel Lupine, die hat auch einen hohen Eiweißgehalt und sättigt. Allerdings wurde in Studien nachgewiesen, dass pflanzliche Purine nicht die gleiche Wirkung auf den Körper haben wie tierische Proteine.

      Probiere es einfach mal aus und lass dann deinen Wert beim Arzt kontrollieren. Allerdings sagt der Kalziumwert im Blut nichts über deine Knochendichte aus, da der Körper bei einem Mangel das Kalzium aus den Knochen freisetzt. Dafür müsstest du eine Knochendichtemessung beim Arzt machen lassen, die du selbst bezahlen musst.

      Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas weiterhelfen.

      Liebe Grüße,

      Katrin

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