Rezension: THE END OF MEAT von Marc Pierschel – Kinostart 14.9.!

The End of Meat ist für uns Veganer der Idealzustand: Eine Welt in der kein Fleisch mehr gegessen werden würde. Wie sähe unsere Welt dann aus? Vor zwei Wochen hatte der Film The End of Meat von Marc Pierschel im ausverkauften Babylon Kino in Berlin Premiere. Am nächsten Tag gab es eine sehr spannende internationalen Themenkonferenz mit vielen anregenden Diskussionen über die ich hier in den nächsten Tagen noch berichten werde.

Dr. Mark Post mit Cultured Beef. Foto: mindjazz pictures
Dr. Mark Post mit Cultured Beef. Foto: mindjazz pictures

Im Film wagt Marc Pierschel den Blick in eine Zukunft ohne Fleisch sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellte, spricht mit den Pionieren der veganen Revolution in Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet geretteten „Nutztieren“ in Freiheit, trifft auf Wissenschaftler, die am tierfreien Fleisch forschen, das den 600 Milliarden schweren, globalen Fleischmarkt revolutionieren soll und vieles mehr. Der Film zeigt eindrucksvoll die versteckten Auswirkungen des Fleischkonsums, untersucht die Vorteile einer pflanzlichen Ernährungsweise und wirft kritische Fragen über die zukünftige Rolle der Tiere in unserer Gesellschaft auf.

Pierschel interviewt Philosophen, Wissenschaftler, Künstler und Aktivisten und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorschläge darzulegen. Wir kennen die Fragen, die uns immer wieder gestellt werden und die geklärt werden müssen, bevor eine fleischfreie Gesellschaft Realität werden kann: Was tun mit den vielen Millionen Nutztieren, die auf der Welt leben? Sollen sie von den Menschen getrennt werden oder mit ihnen gemeinsam leben? Woher sollen wir wissen, was die Tiere wollen, die ja bekanntlich nicht sprechen können? Wovon soll sich die Menschheit ernähren, wenn Fleisch als Lebensmittel wegfällt? Und wie hängen Ausbeutung und Unterdrückung mit Tieren mit der Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen zusammen?

Die negativen Effekte von Fleisch auf Umwelt und Gesundheit werden immer mehr bekannt und die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden. Der Appetit auf Hamburger, Steaks und Co scheint trotzdem weltweit ungebremst. In Deutschland, dem Land von Bratwurst und Schnitzel, landet Fleisch täglich auf dem Teller. Doch vor einigen Jahren wurden daran Zweifel laut. „Fleischskandale“ und ethische Bedenken führten zu einer öffentlichen Debatte um die Moral des Fleischkonsums und zur Popularisierung fleischfreier Ernährungsweisen. Große Fleischkonzerne begannen pflanzliches Fleisch und Wurst herzustellen, vegane Supermärkte öffneten und vegane Produkte waren gefragt wie nie zuvor. Aber wie sähe eine vegane Zukunft aus? Steht das Mensch-Tier Verhältnis vor einer Wende? Könnte Fleisch je verboten werden?

Wie kam es zu dem Film?

Regisseur & Konferenzveranstalter Marc Pierschel (am Mikrophon) mit Hendrik Hassel.
Regisseur & Konferenzveranstalter Marc Pierschel (am Mikrophon) mit Hendrik Hassel.

Die Geschichte zu The End of Meat beginnt in einer Nacht im Sommer 2013, als er während der Dreharbeiten für meinen Film Live and Let Live eine Gruppe von AktivistInnen der Organisation „Animal Equality“ begleitete: „Nur wenige Stunden später sollten wir uns zusammen mit sechs Legehennen auf der Fahrt gen Süden befinden. Die Bilder aus Massentierhaltungen kannte ich bereits aus dem Fernsehen, aber nachdem ich die Anlage betrat, verschlug es mir den Atem. Obwohl es sich hier um eine sogenannte ‚Freilandhaltung‘ handelte, in der sich die Tiere frei bewegen können, war der Gestank furchtbar. Tausende Legehennen saßen gedrungen über ihren Exkrementen auf drei Ebenen einer Halle,“ erzählt er. Die Aktivisten dokumentierten die Bedingungen und nahmen sechs Hühner in mitgebrachten und mit Stroh gepolsterten Pappkartons mit. Sie sollten wenige Stunden später ein neues Zuhause auf einem Lebenshof finden – ein von Freiwilligen betriebener Hof, der Nutztiere aufnimmt, die dem Schlachthof entkommen konnten oder gerettet wurden.

„Obwohl mir in der Anlage unwohl zu Mute war – schließlich handelte es sich um eine illegale Aktion – so war es doch ein gutes Gefühl diesen sechs Hennen ein neues Leben ermöglicht zu haben. Zurück blieb das Unbehagen darüber, dass den zurückgelassenen Tieren in wenigen Wochen ein hartes Schicksal droht – der Weg in den Schlachthof, sobald sie weniger Eier als gefordert legen. In diesem Moment auf der Autobahn stellte ich mir die Frage, ob es je eine Welt geben könnte, in der die Kategorie der Nutztiere sowie Massentierhaltungen und Schlachthöfe der Vergangenheit angehören?“

Foto: mindjazz pictures

Gleichzeitig passierte in Deutschland etwas Sonderbares. Im Zuge von Fleischskandalen wie Pferdefleisch in Lasagne oder „Gammelfleisch“ brach eine öffentliche Debatte aus, die plötzlich unsere Behandlung von Tieren zur Diskussion stellte. Rein pflanzliche Ernährung wurde nicht länger belächelt, sondern gewann an Relevanz und etablierte sich als gesunder und nachhaltiger Lebensstil. Als selbst traditionelle Wursthersteller begannen mit vegetarischen und veganen Produkten zu werben, fragte er sich, ob dies mehr als nur ein Trend und vielleicht sogar der Beginn eines Bewusstseinswandels sein könnte?

Marco Springmann von der Universität Oxford berichtet über die weltweit erste Studie, die sich damit befasst hat, welche Auswirkungen auf das Klima und die Gesundheit der Menschen eine Welt ohne Fleisch hätte – wenig überraschend, dass eine vegane Lebensweise überall am besten abschnitt. So könnte beispielsweise eine pflanzliche Ernährung im Jahr bis zu acht Millionen Todesfälle verhindern!

Wusstet ihr schon, dass auf 75 Prozent der abgeholzten Regenwaldfläche des Amazonas entweder als Weideflächen für Rinder fungieren oder Soja und Mais für Viehfutter angebaut werden?

„Vier Jahre später ist mit The End of Meat ein Film entstanden, der sich den Fragen nähert und zeigt, dass sich das Bild von Tieren in der Gesellschaft in der Tat wandelt. Fleisch befindet sich in der Krise. Eine Vielzahl von Konsumenten kritisiert die Zustände der modernen Nutztierhaltung oder lehnt sie völlig ab. Die gesundheitlichen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums und die damit einhergehenden globalen Ungerechtigkeiten sind nicht mehr zeitgemäß. Hinzu kommt eine völlig neue Komponente, die bald revolutionieren könnte, was auf unseren Tellern landet: mit Hilfe von Biotechnologie reifen Methoden, Fleisch, Milch und Käse ohne das Nutzen oder Töten von Tieren herzustellen. Ich hoffe dass mein Film eine Diskussionen über eine vielleicht nicht allzuweit entfernte Zukunft anregen kann, in der Aktivisten keine Tiere aus Massentierhaltungen befreien müssen, weil Fleischkonsum dann der Vergangenheit angehört.“

Foto: mindjazz pictures

Biografie von Marc Pierschel

Marc Pierschel wurde 1978 in Hildesheim geboren und studierte Soziologie und Kulturwissenschaften. Anschließend realisierte er 2009 mit EDGE – perspectives on drug free culture ein dokumentarisches Porträt über die US-amerikanische Jugendsubkultur des Straight Edge. 2013 folgte mit „Live and let live“ ein Dokumentarfilm über das Mensch-Tier Verhältnis und die Geschichte der veganen Bewegung. Der Film greift die hochaktuelle Debatte über die Moral der Nutztierhaltung und deren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit auf und beleuchtet eindringlich und emotional subtil die wesentlichen Perspektiven. Zur Hälfte über Crowdfunding finanziert, läuft der Film bundesweit in Kinos sowie auf Filmfestivals in Deutschland und Italien. 2014 wurde der Film von mindjazz pictures ins Programm aufgenommen und erschien 2016 international auf Netflix.

Im Sommer 2015 begleitete Marc Pierschel die Berliner Aktivistengruppe ‚Hard To Port‘ auf einer zweiwöchigen Kampagne gegen den kommerziellen Walfang in Island. Die daraus entstandene Dokumentation 184 gibt einen Einblick in die Arbeit der Aktivisten, die mit kamerabestückten Drohnen versuchen, die brutale Waljagd vor den Küsten Islands zu dokumentieren. In seinem neuen Film The End of Meat setzt Pierschel die Ideen und Überlegungen aus „Live and let live“ fort. Der Film ist zu 80 Prozent über Crowdfunding finanziert und startet am 14.September in den deutschen Kinos.

Fazit: The End of Meat versucht wirklich Antworten zu finden auf alle relevanten Fragen, die einem zu dem Thema einfallen – dabei bleibt Regisseur Pierschel aber im Hintergrund und realistisch. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber es wird noch ein steiniger bleiben – vor allem für die Tiere und die Umwelt. Von mir bekommt der Film aber eine klare Empfehlung! 


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THE END OF MEAT – EINE WELT OHNE FLEISCH
Kinotermine

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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