Rezension: Der Geschmack von Laub und Erde von Charles Foster

Der Geschmack von Laub und Erde„Ich wollte wissen, wie es ist, ein Wildtier zu sein,“ schreibt Charles Foster in seinem Buch Der Geschmack von Laub und Erde. Schreibt man als Mensch über die Natur, bedeutete das, dass wir „wie Kolonialherren durch die Welt stolzierten, schilderten, was sie aus 1,80 Meter Höhe sahen, oder dass Menschen so taten, als würden Tiere Kleider tragen.“ Foster hat den Versuch gewagt, die „Welt aus dem Blickwinkel unbekleideter walisischer Dachse, Londoner Füchse, Otter im Exmoor, von Mauerseglern aus Oxford und Rothirschen in Schottland und Südwestengland wahrzunehmen.“

Er schläft in Erdlöchern wie ein Dachs oder in Abflussrohren wie Otter, jagt Mäuse wie ein Fuchs, lässt sich von Hunden hetzen wie ein Rothirsch und schnappt nach Insekten wie ein Mauersegler. Ich weiß nicht, ob er noch Fleisch isst, aber der ehemalige Jäger Foster schreibt: „Ich habe mein Gewehr an den Nagel gehängt und halte mich jetzt lieber an Tofu, doch es gab eine Zeit, als ich schwer bewaffnet durch Wälder und über Berge kroch.“

Nebenbei lernt der Leser sehr viel über die jeweilige Tierart und über unseren Umgang mit Tieren und der Natur, in Biologie und Neurowissenschaften, Anatomie und Physiologie, Psychologie sowie Mythologie. Gleichzeitig ist es aber auch die Aufforderung dazu, unsere Umwelt wieder mehr mit allen uns zur Verfügung stehenden Sinnen zu erleben – nicht nur mit den Augen. Zum Beispiel im Wald die verschiedenen Gerüche aufzunehmen, den Wind auf der Haut zu spüren, die verschiedenen Temperaturen und die Erde zwischen den Zehen.

Charles Foster ist ausgebildeter Tierarzt mit Spezialgebieten Tierverhaltenslehre und Akupunktur in der Tiermedizin. Gleichzeitig ist er auch Anwalt und unterrichtet Ethik und Rechtsmedizin in Oxford. Er schrieb Bücher zu diversen Reise- und anderen Themen wie Evolutionsbiologie, Anthropologie und Philosophie und unternahm mehrere große Reisen, vor allem in Wüstenregionen. Er nahm am Marathon de Sable teil und ist auf Skiern zum Nordpol gewandert.

Dachs: Auf allen Vieren durch den Wald

Ich habe als Kind keine Regenwürmer gegessen und kann daher nicht mitreden, für Dachse sind sie zu 85 Prozent Hauptnahrungsmittel. Foster schreibt dazu: „Regenwürmer schmecken nach Schleim und der Erde, aus der sie kommen. Sie sind der Inbegriff eines regionalen Nahrungsmittels und haben, wie Weinkenner sagen würden, ein sehr ausgeprägtes Terroir. Der Wurm aus Chablis hat einen langen, mineralischen Abgang.“

Er gräbt sich mithilfe eines Bulldozers einen tiefen Graben, der wie eine Kerbe in den Hang schneidet. Er deckt den Graben mit einem Dach aus Farnkraut und Zweigen ab und versiegelt es mit Erde. Den Rest graben sein Sohn Tom und er mit den eigenen Händen und einer kleinen Kinderschaufel. Tom war klein genug, um Farnkraut rückwärts in den Bau zu ziehen und ein Nachtlager zu bauen. Tagsüber schlafen und dösen sie in der Erdkuhle und nachts wandern sie auf allen Vieren durch den Wald: „Wir hatten angefangen zu begreifen, was wir dadurch verpassen würden. Aufrecht zu gehen wäre gewesen, als sähe man sich den Wald im Fernsehen an, obwohl man die besten Plätze im Parkett haben konnte.“

Wie lebt es sich als Fuchs im Londoner East End?

„Es ist leicht, dem Rhythmus der Stadtfüchse zu folgen. Denn sie sind dämmerungsaktiv,“ schreibt Foster. Füchse suchen ein großes Gebiet nach Futter ab und verstecken die Beute dann in Zwischenlagern. Dies bedeutet, dass sie das „Fressen unbeholfen unter Paletten und Kartons schieben, in denen große Flachbildschirme geliefert wurden.“ Während die Menschen ihren Feierabend genießen, „lecken sich die Füchse unterdessen die Reste des indischen Blumenkohlcurrys vom Vortag von der Schnauze und rollen sich unter dem Schuppen zusammen.“

Als er im Freien übernachten will, wird er von einem Polizisten unter einem Busch wach gerüttelt: „Kann ich ihnen irgendwie helfen, Sir?“ „Nein danke, es ist alles in Ordnung.“ „Darf ich fragen, was sie hier tun?“ „Ich mache nur ein Nickerchen, Officer.“ „Ich fürchte, Sie können hier nicht schlafen, Sir.“ „Warum kann ich hier nicht schlafen?“ „Es ist verboten. Sie haben das Grundstück widerrechtlich betreten.“ „Ich glaube nicht, dass ich damit einer Immobilienverwaltungsfirma, die in Panama registriert ist, einen materiellen Schaden zufüge.“ „Wollen Sie einen auf Schlaumeier machen, Sir?“

Daraufhin fällt ihm nichts mehr ein und der Polizist fragt ihn stattdessen, warum er denn hier schlafen wolle? „Ich versuche, ein Fuchs zu sein, und ich will wissen, wie es ist, wenn man den ganzen Tag Verkehrslärm hört und nur Knöchel und Waden sieht anstatt die ganzen Menschen.“ Diese Bemerkung löst absolutes Entsetzen bei dem Polizisten aus. Man könne sehen, wie er überlegt, ob er Foster verhaften oder sich den Papierkram sparen und ihn laufen lassen sollte: „Unsicherheit und Arbeitsbelastung triumphierten über seinen Instinkt, und er raunzte mich an: ‚Verschwinden Sie, Sir, und kommen Sie auf den Boden der Tatsachen zurück.'“ Anschließend schläft er unter einer Plane in seinem Garten.

Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen, auch weil er vieles mit der ganzen Familie erlebt – vor allem die Episoden als Otter. In dem Kapitel als Rothirsch bekommt er eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, von einem Hund gejagt zu werden. Er rechnet auch mit der Tradition der Jagd ab. Ich liebe diese Mischung aus Humor, Philosophie, Biologie und Abenteuerlust. 🙂


Mehr Informationen

Autor: Charles Foster
Titel: Der Geschmack von Laub und Erde: Wie ich versuchte, als Tier zu leben (Werbung)
Erschienen: 12. Januar 2017
Verlag: Malik
Form: 288 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3890292625
Preis: 20,00 €

www.charlesfoster.co.uk

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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