Weltwassertag 2017: Wieviel virtuelles Wasser verbrauchen Obst und Gemüse?

Dümmer See in Niedersachsen.

Zum Weltwassertag 2017 will ich mit diesem Beitrag aufzeigen, wie viel virtuelles Wasser wir im Alltag verbrauchen – auch als Pflanzenfresser. Für ein Kilo Rindfleisch werden 15.500 Liter verbraucht, damit könnte man ein Jahr lang täglich duschen! Als Veganer essen wir kein Rindfleisch aber auch die beliebten Avocados verbrauchen pro Kilo 1000 Liter.

Der Wasserfußabdruck ist eine Orientierungshilfe. Er setzt sich zusammen aus dem Gesamtvolumen an Wasser, das für ein Produkt insgesamt verbraucht und verschmutzt wird. Bei Nahrungsmitteln heißt das konkret: das Bewässern des Ackerlandes, die Wassermenge, die ein Tier trinkt, die Reinigung von Ställen, Tiertransportern und Schlachthäusern.

Augen auf beim Einkauf

Den persönlichen Wasserverbrauch können wir mit einer pflanzlichen Ernährung gering halten und einen wichtigen Beitrag zur Schonung der Ressourcen leisten. Aber wie ist der Fußabdruck bei den einzelnen Obst- und Gemüsesorten oder Reis und Kartoffeln? Auf den ersten Blick verbraucht Marokkanischer Reis mit 2.600 l Wasser pro kg im Schnitt weniger als Thailändischer mit 3.412 l. Aber in Thailand wird dank des Monsuns fast nur Regenwasser verwendet wo hingegen in Marokko durch die wenigen Niederschläge große Wasserprobleme verursacht werden. Reis aus Uruguay und Pakistan sowie aus dem Mittelmeerraum sind ebenfalls ungünstiger. Der Griff zu Bioprodukten trägt zur Vermeidung von Wasserverschmutzungen bei. 

Diepholzer Moor.

Im globalen Durchschnitt werden für die Produktion von 1 Kilo Weizen 1.826 l Wasser benötigt, 70 Prozent kommen von Niederschlägen, 19 Prozent aus Bewässerung und 11 Prozent werden als graues Wasser bezeichnet. Dieser wird beim Anbau von Weizen durch Dünger und Pestizide verschmutzt und somit für andere Zwecke unbrauchbar. Beim Weizenanbau gibt es große regionale Unterschiede. Die höchste Einsparung an „Getreidewasser“ erreicht man durch eine Verringerung seines Fleischkonsums, weil dann weniger Importweizen und andere wasserintensive Futterpflanzen produziert werden müssen.

Lieber Kartoffeln aus Deutschland

Deutschland produziert jährlich 11 Millionen Tonnen Kartoffeln und liegt damit weltweit an sechster Stelle der Kartoffelerzeuger. Rund zwei Millionen Tonnen werden exportiert und etwa 130.000 Tonnen Frühkartoffeln importiert. Und das obwohl die heimischen Knollen sich problemlos bis ins Frühjahr lagern lassen und nur acht Liter Wasser für die Beregnung verbrauchen, der Rest ist Regenwasser. Frühkartoffeln aus Ägypten, Israel oder Marokko sorgen dafür, dass in vielen Regionen die Wasservorräte schon bald unwiederbringlich geplündert sein werden. Etwas spätere Frühkartoffeln aus Südfrankreich, Italien und Zypern bekommen den Winterregen in ihrer Heimat ab und brauchen weniger Bewässerung. Heimische Frühkartoffeln sind ab Juni im Handel und vorher sollten wir lieber Lagerkartoffeln kaufen.

Frisches und weiterverarbeitetes Gemüse ist desto günstiger für den Wasserfußabdruck je weiter nördlich es angebaut wurde. Also im Winter vielleicht nicht unbedingt den griechischen Spargel, sizilianische Zucchini und südspanische Paprika kaufen sondern lieber Rosen- und Grünkohl, Wirsing, Lauch, Möhren, Pastinaken, Rote Bete und Schwarzwurzeln. Da empfiehlt es sich, auf die Rezepte von Oma zurückzugreifen und regional und saisonal zu kochen.
Im Sommerhalbjahr kann man dafür aus dem Vollen schöpfen 🙂

Dümmer See in Niedersachsen.

Tipps für den Obstkauf

Für den deutschen Apfel gilt im Grunde das Gleiche wie für die Kartoffel: Trotz des virtuellen Wassergehalts von 213 l pro kg Früchte ist hier der Blick auf die CO2-Bilanz wichtiger. Denn auch die monatelange Lagerung deutscher Äpfel verbraucht weniger Energie als der Import frischer neuseeländischer Äpfel nach Europa.

Obwohl Bananen in den niederschlagsreichen Tropen und Subtropen wachsen werden viele Bananen-Monokulturen zusätzlich bewässert. Die Regenfälle von 1.000 bis 2.500 mm pro Jahr gleichen die Entnahme aus. Jedoch werden auf den Plantagen für eine leichtere Bewirtschaftung die Flächen zwischen den Pflanzen offengehalten was dafür sorgt, dass der Regen Feinerde, synthetischen Dünger und Pestizid-Rückstände in die Oberflächengewässer spült. Auch die Vorbereitung von konventionell erzeugten Bananen für den Transport trägt stark zur Wasserverschmutzung bei. Bio-Bananen schonen das Wasser in den Anbauländern.

Diepholzer Moor.

Zitrusfrüchte lieber im Winter kaufen

Süße Orangen kommen von November bis Mai aus den Mittelmeerländern, reifen nach der Ernte nicht nach und sind nur einige Wochen haltbar. Orangen sind gut an das mediterrane Klima mit Winterregen und heißen Sommern angepasst. Für höhere Erträge werden sie intensiv bewässert oder sogar in Wüsten angebaut. Um diese Wasserreserven in den Trockengebieten zu schonen, sollte man bis auf ganzjährig verfügbare Zitronen nur von Dezember bis April Zitrusfrüchte kaufen.

Italienische, griechische und türkische Orangen schneiden besser ab als spanische. Am ungünstigsten sind israelische und nordafrikanische Orangen. Die Böden im Bioanbau sind humusreicher und speichern Feuchtigkeit deshalb besser. Außerdem wird kein Wasser durch Dünger oder Pestizide verunreinigt. Im konventionellen Anbau in Südeuropa schlägt das immerhin mit 40 bis 50 l pro kg Orangen zu Buche. Von Juni bis Oktober kommen Zitrusfrüchte oft aus Südafrika. 

Orangensaft wird in Deutschland vorwiegend aus brasilianischem Orangensaftkonzentrat hergestellt. Die Niederschläge in den dortigen Anbauregionen decken den größten Teil des Wasserbedarfs, so dass die Menge an Bewässerungswasser unter 10 l pro kg Früchten liegt. Die Klimabelastung, die mit dem Transport über den Atlantik einhergeht, wäre bei völligem Verzicht vermeidbar, fällt aber buchstäblich wenig ins Gewicht, da das Saftkonzentrat nur 1/6 von frischen Früchten wiegt. Das spart Treibstoff.

Dümmer See in Niedersachsen.

Kaffee lieber aus Gebirgsregionen

Im weltweiten Durchschnitt verbraucht ein 1 Kilo Röstkaffee 18.925 l Wasser, was 132 l für eine Tasse Kaffee bedeutet. Man sollte aber nach Ländern differenzieren: Kaffee aus Vietnam, Äthiopien oder Costa Rica braucht nur zwischen 8.000 und 15.000 l pro kg da die Erträge pro Hektar größer sind. 25.000 l werden in Venezuela, Ecuador oder Tansania verbraucht, stammen aber zum größten Teil aus Regenwasser, das in tropischen Bergregionen oft im Überfluss vorhanden ist.

In Brasilien hat sich der Kaffeeanbau bis ins Tiefland ausgedehnt und im Bundesstaat Bahia werden Kaffeeplantagen in Gebieten mit Trockenwäldern oder Savannen angelegt. Die Kaffeebüsche stehen voll besonnt in industriell bewirtschafteten Plantagen mit zentralen Bewässerungssystemen.

Ihr solltet statt Robusta- lieber Arabica-Kaffee trinken und biologisch angebauten „fair trade“-Kaffee aus Gebirgsländern bevorzugen.


Mehr Informationen

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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