Interview & Rezension: LOS VEGANEROS 2 von Lars Oppermann

Filmplakat Los Veganeros 2Am Donnerstag war es endlich soweit – die Kinotour der veganen Spielfilmkomödie Los Veganeros 2 startete in Deutschland. Ich habe ihn mir in Bremen angeguckt. An dem Abend war auch der Hauptdarsteller Jelly Francis Gaviria vor Ort und ich habe mich mit einigen anderen nach dem Film mit ihm unterhalten. Eva Habermann sollte auch dort sein, war aber leider erkrankt.

Ich fand den Film sehr lustig und ich kann ihn euch wirklich empfehlen. Natürlich muss man hier die Maßstäbe anders ansetzen, da Regisseur und Drehbuchautor Lars Oppermann nur 50.000 € für die Dreharbeiten zur Verfügung hatte. Damit ist er klar ein Low-Budget-Film, aber man merkt, dass er mit viel Liebe und Herzblut gedreht wurde.

Um was geht es bei Los Veganeros?


Los Veganeros Teil 1 hat mir schon sehr gut gefallen. Er lief 2015 in 150 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Kino und landete bereits am Startwochenende auf Platz 38 der deutschen Kinocharts. Die Tierschutzorganisation PETA zeichnete den Film mit dem Progress Award 2015 aus.

Hier spielte die 94 Jahre alte passionierte Umweltaktivistin Alma die Hauptrolle. Der Regenwald wird für Viehweiden und Futteranbauflächen abgeholzt, der Fleischkonsum der Deutschen steigt weiter an und in der Region Hannover sollen neue Schweinemastanlagen gebaut werden. Die meisten Menschen scheinen damit nicht wirklich ein Problem zu haben. Alma schon. Durch Annoncen in der Lokalpresse versucht sie, regelmäßig Kontakt zu Gleichgesinnten aufzunehmen. So lernt sie auch die 28 jährige Kindergärtnerin Vicky kennen. Vicky lebt vegan. Überzeugt von ihrem Tatendrang stellt Alma ihr ein paar Freunde vor, die sich regelmäßig im Restaurant “Los Veganeros” treffen, um Aktionen zu planen. Als Vicky schon nach kurzer Zeit vorschlägt, den örtlichen Schweinemäster Heinz Granitzka für eine Nacht zu entführen, um so auf die Missstände in seinem Betrieb aufmerksam zu machen, trifft die Gruppe eine Entscheidung mit fatalen Folgen.

Ein Fleischesser erbt ein veganes Restaurant

Im zweiten Teil erbt Harry als passionierter Fleischesser mit Schulden im Rotlichtmilieu von seiner Oma das vegane Restaurant „Los Veganeros“. Er möchte den Laden zu einem Bordell umbauen und so seine Schulden zurückzahlen: „Diesmal ist es ein todsicheres Ding,“ versucht er seine Gläubiger zu beschwichtigen. „Ich bin da an einen Laden gekommen, das wird der geilste Puff der Stadt, mit Restaurant, beste Lage, plus vier Zimmer in der ersten Etage. Da machen wir unten lecker Schnitzel und oben Schweinereien mit den Mädels.“

Als Harry das Los Veganeros betritt, fragt ihn der Kellner: „Hey, was darf es sein?“ „Currywurst Pommes, bitte.“ „Aus Seitan oder Lupinen?“ „Äh, ne, ich bin nicht von hier, aber in Bremen geboren. Wieso?“ „Egal!“

Bei der Unterzeichnung der Verträge beim Notar erfährt Harry, dass seine Großmutter testamentarisch festgelegt hat, dass der Laden nicht zweckentfremdet werden darf: „Ihre Großmutter wäre sehr stolz, wenn sie wüsste, dass sie das Erbe so angenommen haben, wie sie es sich gewünscht hat. Die Restaurants, besonders dieses hier, bedeuteten ihr sehr viel. Leben sie auch vegan?“ „Halbvegan!“ „Also Flexitarier?“ „Ne, Currywurst, aber mit Pommes!“ „Wie auch immer, wir sehen uns bestimmt mal im Restaurant. Meine Familie liebt veganes Essen.“ „Ja, gern. Aber vielleicht kommen sie erst mal ohne die Familie. Wir haben nämlich jetzt auch Schnitzel, also richtige Schnitzel. Und nicht nur das, wenn sie verstehen, was ich meine. Wir pimpen das Los Veganeros ein bisschen. Die Betonung wird jetzt mehr auf dem Eros statt auf dem vegan liegen.“ „Herr Weiß, äh, kann es sein, dass Sie das Testament nicht in völliger Gänze gelesen haben?“

Der Film versuche ohne erhobenen Zeigefinger, mit viel Humor und Inspiration, zum Umdenken in Sachen Fleischkonsum anzuregen, hieß es in der Ankündigung. Los Veganeros 2 vermittele seine Botschaft für einen tierproduktfreien Lebensstil subtil und unaufdringlich. Es ist ein fiktiver Spielfilm (FSK12) dabei aber kein Imagefilm über Veganer. Im Gegensatz zu Teil 1, stünden in der Fortsetzung weniger die Fakten, sondern vielmehr die Story um den Fleischliebhaber Harry im Vordergrund. Harry bekommt von seiner vegan lebenden Kellnerin Vicky, gespielt von Rosalie Wolff, den Tipp, sich doch mal Earthlings anzugucken. Und das tut er dann tatsächlich. Am nächsten Tag ist er Veganer und will sein Restaurant nicht mehr verkaufen.

Die Dreharbeiten machten ihn zum Veganer

Jelly Francis Gaviria in Bremen.
Jelly Francis Gaviria in Bremen.

Jelly bekam die Rolle übrigens, weil er einfach der perfekte „Proll“ war: „Lars und ich kannten uns, weil ich mit meiner Band vor sieben Jahren ein Album in seinem Tonstudio aufgenommen habe. Und Lars hatte eine bestimmte Figur vor Augen als Hauptdarsteller. Er wollte einen Proll! Danke! (lacht) Er hat um die 100 Schauspieler für die Rolle in ganz Deutschland gecastet. Ich hatte keine Zeit für das Casting, dann haben wir ein Videocasting gemacht, ich sollte Szene eins bis vier auf Video aufnehmen. Drei Monate später bekam ich die Nachricht, dass ich die Rolle bekomme.“

Jelly war zu diesem Zeitpunkt kein Veganer. Als er das Drehbuch geschickt bekam, guckte er sich Earthlings und Cowspiracy an: „Zu diesem Zeitpunkt lebte ich dann komplett vegan. Ich habe auch nicht verstanden, wie jemand nach dem Gucken dieser Filme noch Fleisch essen kann. Später ist es wieder eingerissen und momentan komme ich nicht von Dosenmilch im Kaffee los und einem ganz bestimmten jungen Gouda,“ erzählt er uns.

Er ist aber auch der Meinung, dass ein kompletter Umstieg der ganzen Welt auf eine vegane Lebensweise nur schrittweise möglich ist: „Wenn sieben Milliarden Menschen von einem Tag auf den anderen sagen: ‚Ich lebe jetzt vegan‘, dann bricht die komplette Weltwirtschaft zusammen. Ich glaube, der richtige Weg ist, dass die Leute einfach viel viel weniger Fleisch essen sollten. Wir müssen auf lange Sicht aus diesem Fleischkonsum aussteigen.“

Für ihn hat der Film eine Message, die er unter die Leute bringen will: „Mir geht es darum, das Thema Veganismus unter die Leute zu bringen. Dass man nicht mehr denkt, Veganer sind eine Sekte.“ Eine Besucherin sagt dazu: „Es waren ja fast nur Veganer heute hier.“ Jelly antwortet: „Ja, eine Freundin von mir hat einen Freund, der schon seit vielen Jahren Vegetarier ist und gerne Veganer wäre, aber der trägt so gerne Sneaker und sammelt die schon sein Leben lang und will nicht darauf verzichten. Deswegen wird er kein Veganer. Das ist das Problem in den Köpfen. Der soll doch einfach seine Sneaker weiter tragen.“

Wie kam es zu den Los Veganeros-Filmen? Drehbuchautor und -Regisseur Lars Oppermann im Interview

Lars Oppermann. Foto: Los Veganeros
Lars Oppermann. Foto: Los Veganeros

Lars, wie kommt man darauf, einen veganen Film zu drehen?

Mich hat vor einigen Jahren Earthlings über Nacht gepackt und zum Veganer gemacht. Aber viele Freunde von mir wollten von diesen Bildern nichts wissen und hören. In den ersten Wochen fragten mich viele Leute nach den Gründen für den Wandel und fast immer endeten diese Gespräche in anstrengenden Diskussionen, die mir und dem Gegenüber viel Energie geraubt haben. Am Ende war immer einer genervt und der andere enttäuscht! Der Film ist daher eine tolle Möglichkeit für ein klares Statement, mit dem man viele Menschen auf einmal erreichen kann, ohne irgendwem das Gefühl zu geben, dass man ihn gerade belabern will. Wir haben den Schauspielern des dritten Teils den Film auch empfohlen, damit sie überhaupt wissen, warum wir das machen.

Ich habe neulich einem guten Freund Cowspiracy gezeigt. Vier Wochen später als ich ihn wieder gesehen habe, war es ihm noch ein Anliegen, mit mir über den Film zu reden.

Ja, das ist gut. Es gibt viele, die sich dann doch noch mit Dokumentationen beschäftigen. Aber wir wollen ja genau an die Leute ran, die sagen: ‚Das sind mir zu viele Fakten auf einmal.‘ Diese Leute wollen wir über den Film erreichen. Wir hoffen, die Menschen damit zum Umdenken bewegen zu können. Wir haben nach Teil 1 so viele E-Mails von Fleischessern bekommen, in denen die Leute geschrieben haben: ‚Ey, das hat mich zum Nachdenken gebracht, ich starte jetzt mal die Veggiephase. Selbst wenn sie es erst mal nur eindämmen und nicht mehr so gewaltig in den Massen konsumieren, dann ist man ja schon wieder einen Schritt weiter.

Beim ersten Teil haben die angefragten Profis gesagt: ‚Ihr seid keine professionelle Filmfirma, deshalb bin ich nicht dabei.‘ Beim zweiten Teil hatten wir es da schon deutlich leichter. Wir haben Schauspieler, die selbst schon vegan leben, angerufen. Die haben uns alle gerne unterstützt. Wenn man mit Profis arbeitet, hat man den gewünschten Satz einfach relativ schnell im Kasten und das schont Nerven und Zeit für alle. Wir haben mit professionellen Belichtern und Kameraleuten gearbeitet und die Story ganz anders entwickelt.

Wann habt ihr mit den Dreharbeiten für den zweiten Teil angefangen?

Es gab eine kleine Verschnaufpause von drei Monaten etwa. Ich habe aber 2015 gleich angefangen, das Drehbuch zu schreiben, das war dann Ende des Jahres fertig. Anfang 2016 haben wir dann mit der Planung angefangen, das Casting für die Darsteller und haben mit den Dreharbeiten angefangen. Eine richtige Pause gab es nicht.

Ihr habt ja schon bei Teil 1 auf Filmfördermittel verzichtet. Hattet ihr es diesmal leichter, den Film in die Kinos zu bekommen?

Beim zweiten Teil hatten wir es jetzt etwas leichter, weil die Zahlen beim ersten Film gestimmt haben. Daher waren sie diesmal aufgeschlossener.

Der erste Teil war FSK 16 und der aktuelle hat FSK 12, also scheint der Film auch weniger drastisch zu sein.

Ja, die FSK 16 wurde im ersten Teil ja ausgelöst durch die Szenen aus der Schweinemastanlage, die wir in einem Originalstall gedreht haben. Da haben wir jetzt komplett drauf verzichtet.

Hast du den Soundtrack selbst geschrieben?

Im ersten Teil habe ich den Soundtrack selber geschrieben. Nun sind es sechs eigene Stücke und habe drei Künstler produziert, die mit ihren Bands auch noch eigene Stücke beigetragen haben. Dieser Soundtrack ist rockiger geworden, der erste war sehr ruhig mit Akustikgitarren. Der hier ist viel rockiger und passt besser zu dem Film, was man ja auch an dem Filmplakat sieht.

Hauptdarsteller sind Marion Kracht, Eva Habermann, Helmut Krauss, Nils Brunkhorst, Liza Tzschirner, Rosalie Wolff, Sybille Brunner, Jelly F. Gaviria. Eine Gastrolle haben Sängerin Jamie Lee, Fanta-Vier Manager „Bär“ Läsker, die veganen Starköche Nicole Just, Björn Moschinski und Niko Rittenau, sowie TV Moderatorin Laura Schneider.


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Interview mit „Los Veganeros“ Drehbuchautor und Regisseur Lars Oppermann zu Teil 1

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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