Vegane Kinder: Sandra Roszkiewicz lässt sich nicht beirren!

Sandra Roszkiewicz Foto: Privat
Sandra Roszkiewicz Foto: Privat

Sandra Roszkiewicz ist eine weitere Teilnehmerin meiner Serie über vegane Kinder. Ihr Sohn ist jetzt zweieinhalb Jahre alt und Sandra lebt seit 5 Jahren vegan, davor lange vegetarisch. In der veganen Schwangerschaft ging es ihr jedoch nicht gut, sie hatte viele Beschwerden, die aber nicht mit der Ernährung zusammenhingen z.B. Symphysenlockerung und starke Übelkeit. Im ersten Drittel der Schwangerschaft musste sie Gelbkörperhormone nehmen, und nahm dadurch innerhalb von 4 Wochen schon zehn Kilo zu, insgesamt waren es 15 Kilo.

Ihr Sohn ist normalgewichtig und wird noch gestillt. Sandras Frauenärztin wusste nichts von der veganen Ernährung, nur die Hebamme. Der Kinderarzt weiß Bescheid und sieht keinen Grund zur Sorge. Während der Schwangerschaft hat sie die Blutwerte kontrollieren lassen und neben Vitamin B12 und D auch Folsäure und Eisen supplementiert. Mit Einführung der Beikost im 7. Monat bekam ihr Sohn B12.

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Zum Geburtstag gabs eine zweistöckige Quark-Sahnetorte mit Oreokeksen. Foto: Sandra

Ihr Umfeld stellte wegen der veganen Schwangerschaft keine Fragen, da dies für Sandra nie zur Diskussion stand und sie sich nicht beirren lässt. Bei der Oma gibt es daher auch ausschließlich veganes Essen. Sie tauscht sich mit anderen veganen Familien in einigen Gruppen bei Facebook und persönlich aus: „Wir sind mit einigen vegan lebenden Familien befreundet, die wir auch regelmäßig treffen.“ Wie jedes andere Kind hat ihr Sohn auch gewisse Vorlieben und Dinge, die er nicht mag: „Wir hatten auch schon Phasen, in denen er tagelang nur Pommes oder Nudeln essen wollte, wir haben ihn gelassen, nichts aufgezwungen, sondern nur angeboten, und bisher hat sich das ganz schnell von selbst erledigt. Wenn er etwas nicht kennt, fragt er, ob es vegan ist, ist es das nicht, legt er es von ganz alleine weg.

Dieses Jahr ist unser erster richtiger Familienurlaub, wir fliegen in eine vegane Pension nach Spanien. Ansonsten werden wir es genauso machen wie zu Hause, immer ein buntes Esspaket auf Ausflügen dabeihaben, und wenn wir doch mal im Restaurant essen – Pommes, Nudeln mit Tomatensoße, Salat und Wassereis gibt es überall, und das mag er auch gern.“

Wie erklärt man einem Kind die vegane Lebensweise?

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Frühstück: Müsli mit Sojajoghurt und Banane und ein bunter Rohkostteller. Foto: Sandra

„Am besten mit kurzen kindgerechten Worten. Wir haben immer drauf geachtet, die Dinge korrekt zu benennen, also Kuhmilch und Sojamilch, Pflanzenkäse und Kuhmilchkäse usw. und auch das Wort vegan benutzt. Wir gehen viel raus und schauen uns Tiere an, Hunde, Katzen, Insekten, Vögel, und alles was es an Tieren hier gibt. ‚Nutztiere‘ kennt er vor allem aus Büchern und Filmen. Ich erkläre ihm, dass Tiere unsere Freunde sind, wir ihnen nicht wehtun wollen und sie deshalb nicht essen. Er hat auch schon ein gewisses Verständnis, was tot bedeutet, ich musste es ihm erklären, weil seine beiden Opas kurz hintereinander verstorben sind. Tot bedeutet, dass man für immer weg ist…

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Nudeln sind das Lieblingsessen, hier mit Tomatensauce, grünen Bohnen, Erbsen, Paprika und Brokkoli. Foto: Sandra

Wenn wir Fleisch essen, muss man Tiere totmachen. Kuhmilch ist die Milch für die Babykühe, sowie seine Mamamilch für ihn ist. Wenn wir die Kuhmilch trinken, haben die Kälbchen keine und sind traurig. Aus Eiern schlüpfen Küken, wenn wir die Eier essen, können keine Küken ausschlüpfen, und Honig ist das Essen für die Bienen, wenn wir ihn essen, haben sie Hunger. So hab ich es ihm erklärt, und dazu passende Videos von schlüpfenden Küken und Kälbern, die gesäugt werden, gezeigt.

Er akzeptiert das voll und ganz und will gar nichts unveganes essen, weiß mittlerweile auch ganz genau, welche Produkte wir kaufen und essen, hat aber gleichzeitig kein Problem damit, dass andere Menschen diese Dinge essen. Darüber bin ich sehr froh.“

Besuche in Zoos und Zirkussen erlauben?

Da ihr Sohn noch relativ klein ist, kam diese Frage bis jetzt nicht auf: „Ich möchte das eigentlich nicht, und würde ihm sagen warum, würde erklären, dass Zoohaltung nicht artgerecht ist, Tiere nicht hinter Gitter gehören und so weiter. Würde er es dennoch unbedingt wollen, würde ich ihn eventuell einmal mitgehen lassen.“

Als vegane Kosmetikprodukte verwendet sie fast nichts außer Kokos- und Mandelöl, zum Waschen nehmen sie eine Seife der kleinen Firma Sauberkunst.

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2.Lieblingsessen: Pizza!
Hier mit Kidneybohnen, Tomaten, Spinat, Zwiebeln, reichlich Kräutern und Hefeschmelz überbacken. Foto: Sandra

Sandra geht auch ab und an Kompromisse ein, so zum Beispiel bei den Kinderlauflernschuhen: „Wir hatten gebrauchte aus Leder, Second Hand ist für uns immer ein guter Kompromiss. Im Alltag ist es so, dass ich normalerweise nichts von Nestlé kaufen würde, im Schwimmbad ist es aber das einzige Eis, das es gibt, das bekommt er dann. Zu Hause achten wir auf Gelatineklärung, unterwegs kriegt er auch mal einen Saft, bei dem ich es nicht sicher weiß.“

In der Großtagespflege wird er teils vegan verpflegt, einiges gibt sie ihm mit: „Wenn es Bouletten mit Kartoffelbrei und Gemüse gibt, werden seine Beilagen mit pflanzlicher Butter und Milch zubereitet, Bouletten bereite ich vor und gebe sie mit. Fürs Frühstück werde ich ebenfalls pflanzlichen Aufschnitt dort deponieren und ein paar Süßigkeiten für zwischendurch. Auf Feiern fragen wir vorher nach, was es gibt, und bringen eventuell was Eigenes mit. Wir haben viele vegane Freunde, die unveganen fragen mal nach, kümmern sich aber nicht weiter darum.“


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Serie vegane Kinder

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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