Vegane Kinder x6 – Interview mit Jérôme Eckmeier!

Jérôme Eckmeier auf der Veggie World in Berlin 2015.
Jérôme Eckmeier auf der Veggie World in Berlin 2015.

Sechs vegane Kinder – wie funktioniert vegane Kinderernährung in der Großfamilie? Dafür habe ich mir den bekannten Familienvater Jérôme Eckmeier als Interviewpartner gesucht, Kochbuchautor und „♪ Rock´n´Roll Veganer ♪“. Jérôme wuchs als Einzelkind mit sehr vielen Cousinen und Cousins auf, da sein Vater 11 Geschwister hatte: „Ich habe das immer genossen, in einer Großfamilie zu leben.“ Jérôme war bereits 1999 Vegetarier und ernährte sich davor flexitarisch. Seit 2008 isst er vegan und lebt seit 2009 auch konsequent mit entsprechenden Textilien, Kosmetika, Strom und Versicherungen: „Ich versuche, in allen Bereichen so ethisch wie möglich zu leben.“

Rote Bete-Salat Deluxe. Foto: Jérôme Eckmeier
Rote Bete-Salat Deluxe. Foto: Jérôme Eckmeier

Seine Frau Melanie war mit den letzten zwei Kinder vegan schwanger, erzählt er mir: „Mit den anderen war sie vegetarisch schwanger. Sie war länger vegetarisch als ich. Ich komme quasi aus einer vegetarischen Öko-Hippie-Familie und war auf einer Waldorfschule. Ich bin neben einem Bioladen aufgewachsen. Eine Zeit lang war ich Flexitarier und habe ab und zu Fleisch gegessen. Meine Frau musste dann aber immer doppelt kochen und deshalb habe ich wieder vegetarisch gegessen. 2008 beschloss ich dann, mich vegan zu ernähren.“

Während seines Studiums zur Theaterpädagogik lernte er Veganer aus der Tierrechtsszene kennen: „Ich vertrage Käse wegen einer Laktoseintoleranz und Eier wegen einer Unverträglichkeit von tierischen Eiweißen sowieso schlecht, daher beschloss ich, diese wegzulassen. Ich verurteile niemanden, da ich denke, das muss jeder mit sich selber ausmachen. Ich freue mich immer, wenn ich Leute überzeugen kann.“

Wie ging es deiner Frau in der Schwangerschaft?

„Ihr ging es sehr gut. Sie hat ganz klassisch Vitamin B12, D und Folsäure supplementiert. Die veganen Schwangerschaften waren von allen die einfachsten und unkompliziertesten. Der Frauenarzt war auch ganz entspannt. Die Blutwerte wurden regelmäßig kontrolliert und es war immer alles in Ordnung. Die beiden sind jetzt anderthalb und fast vier Jahre alt und werden noch gestillt. Die beiden sind die robustesten der ganzen Bande und normalgewichtig.“


Wie reagierte das Umfeld auf die vegane Schwangerschaft? War das bei euch trotzdem noch ein Problem?

„Hier in der Kleinstadt mit 36.000 Einwohnern ist es so, dass wenn du ein paar Mal in der Zeitung warst, du der Lokalmatador bist. Wir haben zu unseren Ärzten einen sehr guten Draht und deshalb war das überhaupt kein Problem. Du kennst das ja wahrscheinlich, manchmal kommen die üblichen Sprüche. Aber da können wir gut mit umgehen und das kontern.“

Spaghetti Carbonara. Foto: Jérôme Eckmeier
Spaghetti Carbonara. Foto: Jérôme Eckmeier

Geht ihr auch irgendwo Kompromisse ein? Im Kindergarten oder bei Geburtstagen?

„Ja, da gehen wir Kompromisse ein, das geht gar nicht anders. Einmal die Woche ist eine Tochter im Kindergarten und isst dort dann vegetarisch. Unsere älteren Kinder sind ja eingesojafleischte Veganer und die haben gar keinen Bock auf anderes Essen. Sie merken, dass ihnen die vegane Ernährung gut tut und wenn die irgendwo eingeladen sind, dann geben wir denen was mit. Bei den Kleinen ist es immer ein bisschen problematisch und da sind wir dann auch kompromissbereit.“

Was essen die Kinder bei der Oma?

„Dort essen sie das, was wir kochen. Melanie ist ja auch Köchin und meist kochen wir, wenn wir bei unseren Eltern sind. Da müsstest du eher fragen, was essen Oma und Opa an dem Tag! Die müssen dann vegan essen! Da sind wir dann doch ein bisschen dogmatisch (lacht). Ne, die essen das auch gerne, da ich sehr gemüselastig koche. Mit Hülsenfrüchten und Pseudogetreide. Mein Vater isst gerne Fleisch, und wenn ich ihm so ein Sojabigsteak lecker mache, egal ob als Cordon bleu oder so, findet er das auch total lecker. Klar, wirst du mal ein bisschen veräppelt, aber damit kann ich leben. Wir haben Gemüsekisten ausm Bioladen, da packen wir unseren Kram rein und fahren zu Melanies Eltern. Die haben da total Bock drauf und finden das klasse, wie wir das machen.“

Rollmops. Foto: Jérôme Eckmeier
Rollmops. Foto: Jérôme Eckmeier

Wie habt ihr euren Kindern die vegane Lebensweise erklärt?

„Es gibt viele tolle Kinderbücher, die dies erklären. Wir leben eher aus Umwelt- und Ethikgründen vegan und reden mit den Kindern darüber, warum es in der heutigen Zeit falsch ist, Fleisch zu essen wegen der Überbevölkerung. Das klappt gut.“

Wie gehen die Freunde der Kinder damit um?

„Die sind relativ entspannt. Wir haben auch oft den Fall, dass die Eltern sagen, dass sie sich jetzt auch vegetarisch ernähren wollen. Mädchen sind eher nicht so fleischbezogen wie Jungs, die vielleicht vom Vater ein anderes Wertesystem vermittelt bekommen. Wo der Vater ein dickes Steak auf dem Teller zu liegen hat. Die meisten Mädchen haben eher Lust drauf, fleisch- und fischfrei zu leben.“

Waffeln. Foto: Jérôme Eckmeier
Waffeln. Foto: Jérôme Eckmeier

Wie macht ihr das bei Schulausflügen oder Klassenfahrten?

„Bei der letzten Klassenfahrt konnte unsere Tochter die ganze Woche vegan essen. Wir hatten dort vorher angerufen. Ansonsten geben wir den Kindern was mit, was aber seltener nötig ist. Wann hast du die Mutter-Kind-Kur gemacht, Melanie? 2011 war sie auf Langeoog. Ich habe dort gearbeitet und ihr gesagt, da kriegst du niemals was Veganes. Ich habe ihr eine Reisetasche mitgegeben. Wir wohnen ja hier an der Nordseeküste und wollte sie einmal die Woche besuchen und Nachschub bringen. Aber der Koch hatte sich drauf eingestellt. Bis auf die Süßigkeiten brauchte sie gar nichts von den Sachen.“

Was macht ihr mit den Kindern im Urlaub?

„Im letzten Urlaub waren wir im Center Park und da ist ja sowieso Selbstversorgung.“

Was gibt es bei Eckmeiers, wenn es zeitlich knapp ist oder einfach keine Lust zu kochen da ist?

„Wir haben eigentlich immer den Kühlschrank voller Fertigprodukte, weil ich seit Jahren für Tofutown arbeite. Die Produkte sind mit guten Zutaten aus Bioanbau hergestellt. Dann gibt es mal eine schnelle Bolognesesoße mit Spaghetti. Aber dazu dann immer noch einen Salat oder frisches Gemüse.“

Pizza. Foto: Jérôme Eckmeier
Pizza. Foto: Jérôme Eckmeier

Was essen deine Kinder am liebsten?

„Pizza, Wraps, Burger, Nudeln … was alle Kinder gerne essen. Natürlich auch alle süßen Sachen wie Crêpes und vegane Süßigkeiten. Attila hatte mir jetzt auf der BioNord seine Schokolade mitgegeben. Ich habe von der Mandel ein Stück abbekommen von meinen Kindern!“


Mehr Informationen

Serie vegane Kinder
Veggie World Berlin: Jérôme Eckmeier – für mehr Rock´n´Roll am Herd!
YouTube-Kanal von Jérôme Eckmeier
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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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