Vegane Kinder: Trotz Vorurteilen wird Nicoles Sohn vegan ernährt!

vegane-kinder-nicole
Nicole Foto: Privat

Nicole lebt seit dreieinhalb Jahren vegan und ist eine weitere Teilnehmerin meiner Serie über vegane Kinder. Ihr Sohn ist mittlerweile fast 2 Jahre alt und sie hat sich in der Schwangerschaft weiterhin vegan ernährt. Vor der Schwangerschaft war sie sehr dünn und nahm dann 21 Kilo zu. Ihre Gynäkologin beurteilte die Zunahme als absolut im Rahmen und die Kilos waren nach kurzer Zeit fast alle wieder weg.

Ihre Gynäkologin „war sehr offen, was die vegane Ernährung angeht, hat mit mir über die wichtigsten Themen wie B12 Supplementierung, ausreichende Eisen- & Kalziumzufuhr etc. gesprochen und meinte dann, ich wüsste ja besser Bescheid als sie und sie würde mir vollkommen vertrauen. Meine sehr guten Werte während der Schwangerschaft sprachen dann auch dafür, dass eine vegane Schwangerschaft überhaupt nicht risikoreich ist!“ Gesundheitlich hatte sie keine Probleme, ihre Werte waren durchweg sehr gut. Außer Vitamin B12 und Folsäure musste sie nichts supplementieren, auch ihre Eisenwerte waren in Ordnung. In den Wintermonaten nimmt sie vorsorglich Vitamin D.

Trotz heftigem Widerstand blieb sie vegan

Leider hatte sie mit anderen Ärzten weniger Glück: „Mir wurde unter anderem vorgeworfen, ich sei unverantwortlich und würde fahrlässig handeln, wenn ich während der Schwangerschaft vegan esse. Mein Kind könne schwerste Mangelerscheinungen oder gar Behinderungen davon tragen, sehr wahrscheinlich aber unterernährt und zu klein geraten sein. Puh, sich das als werdende Mama anhören zu müssen, ist echt hart und bringt einen manchmal an den Rand der Verzweiflung. Ich habe mich zum Glück nicht verunsichern lassen, denn ich war mir trotz allem Widerstand (auch in der Familie) sicher, zu 100 Prozent das Beste für mein Baby zu tun. Ganz ehrlich, hätte ich nur den Hauch eines Zweifels gehabt, dass meinem ungeborenen Kind die vegane Ernährung schadet, hätte ich das doch nie durchgezogen!“

Der Großteil ihrer Familie kann es zwar nicht nachvollziehen, aber respektiert ihre Lebensweise. Ebenso im Freundeskreis, wobei es hier auch schon Vegetarier und Veganer gibt: „Mein Bruder ist der Einzige im privaten Umfeld, der mich richtig fertiggemacht und mich derbe beschimpft hat, bezüglich meiner veganen Ernährung. So schlimm, dass ich den Kontakt abgebrochen habe.“

Ihrem normalgewichtigen Kind bekommt die vegane Ernährung sehr gut: „Ja, ich stille sogar immer noch. Zum Einschlafen und nachts. Oder nach Bedarf, wenn er krank ist und dann nichts essen oder trinken mag – Muttermilch geht immer. Werde aber demnächst versuchen, sanft abzustillen.“ Zum Start der Beikost bekam ihr Sohn B12 Tröpfchen. Je mehr Stillmahlzeiten durch „normale“ Mahlzeiten ersetzt wurden, desto häufiger. Mittlerweile bekommt er sie täglich.

vegane-kinder-nicole-polenta
Rote Bete-Polenta Pizza u.a. mit Erbsen und grünem Spargel.

Bei der Oma isst er vegan mit wenigen vegetarischen Ausrutschern: „Im Februar 2017 kommt er in den Kindergarten und bekommt dann dort sein mitgebrachtes Frühstück, Mittagessen gibt es wieder zu Hause, da er zunächst nur bis 12 Uhr dort ist. Wenn wir eingeladen sind, bringen wir uns etwas mit oder essen bereits zu Hause.“ Und wie alle Kinder, hat auch Nicoles Sohn immer mal „Ich-will-jeden-Tag-Nudeln“ oder „Was-der-Bauer-nicht-kennt-isst-er-nicht“ Phasen. 🙂 Aber ansonsten isst er fast alles: „Seine Freunde essen alle total gerne bei uns, einige sogar mehr oder auch Dinge, die sie zu Hause nicht essen. Im Urlaub gab es natürlich auch veganes Essen.“

Kinderlauflernschuhe: Ja oder Nein?

Nicole folgt vielen veganen Blogs und ist in einigen veganen Gruppen auf Facebook: „Veganer kenne ich zwar einige, mit denen man sich auch ab und an austauscht. Vegane Familien sind leider nicht dabei. Tofufamily.de war übrigens eine riesige Hilfe für mich am Anfang!“ Als Kosmetikprodukte für Kinder empfiehlt sie die Babypflegeprodukte von Alverde und Lavera.

Vegane Kinderlauflernschuhe sieht Nicole mit gemischten Gefühlen: „Lauflernschuhe sind ohnehin etwas zwiespältig zu sehen. Wir haben unser Kind so lange es ging und so oft wie möglich barfuß laufen lassen oder maximal mit Antirutschsocken, wenn es kalt war. Hausschuhe oder Krabbelschuhe haben wir nicht verwendet. Als er dann nach ca. 4 Wochen schon recht sicher gelaufen ist, haben wir ihm die ersten Schuhe für draußen gekauft, da er leider im Winter laufen gelernt hat. Vegane Kinderschuhe gibt es hier zu kaufen und wir sind bislang zufrieden mit avesu.de und wearareyou.de. Bei DaWanda gibt es auch eine schöne Auswahl an veganen Krabbelpuschen etc.“

Wie erklärt man einem Kind die vegane Lebensweise?

„Bislang haben wir ihm noch nicht viel erklärt, da unser Kind erst 21 Monate ist. Er liebt Tiere über alles. Und von Anfang an haben wir ihm beigebracht, dass Tiere unsere Freunde sind und wir sie lieb haben – und wir keine essen. Er versteht, dass wir andere ‚Milch‘ (er liebt am meisten Hafermilch) trinken und andere ‚Butter‘ (Alsan), ‚Käse‘ oder auch mal Würstchen essen als die meisten anderen. Stört ihn aber nicht. Im Gegenteil: Er nimmt Käse oder Milch nicht an, wenn andere es ihm anbieten.

Allerdings fängt es aktuell an, schwierig zu werden hinsichtlich Wurst oder Salami. Er sieht diese Sachen zwar nicht zum ersten Mal, aber nimmt bewusst wahr, dass seine Freunde oder Oma das essen, und will dann neuerdings auch davon haben. Schwierige Situationen, die wir zwar meist abbügeln können, dennoch werden sie künftig eher mehr statt weniger. Daher möchte ich ihm gerne mithilfe eines schönen altersgerechten Buches erklären, wo was her kommt und warum wir nichts von Tieren essen oder trinken. Wir werden sehen wie sich das entwickelt.“

Folge mir

Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
Folge mir

2 Kommentare

  1. „Allerdings fängt es aktuell an, schwierig zu werden hinsichtlich Wurst oder Salami. Er sieht diese Sachen zwar nicht zum ersten Mal, aber nimmt bewusst wahr, dass seine Freunde oder Oma das essen, und will dann neuerdings auch davon haben. Schwierige Situationen, die wir zwar meist abbügeln können, dennoch werden sie künftig eher mehr statt weniger. Daher möchte ich ihm gerne mithilfe eines schönen altersgerechten Buches erklären, wo was her kommt und warum wir nichts von Tieren essen oder trinken. Wir werden sehen wie sich das entwickelt.“

    Ich bin mir sicher, sie meinen da ein Büchlein für die Großeltern und anderen Bekannten, ja?

    Wieso von einem knapp 2 jährigen Dinge verlangen, die ein erwachsener Mensch wohl respektieren kann?

    Bei den Spielkameraden ist das wohl etwas schwieriger, gerade weil in dem Alter quasi alles in den Mund gesteckt und ausprobiert wird.

    • Hallo Matthias,

      mit dem Buch ist ein Buch gemeint, welches anschaulich und altersgerecht erklärt, dass Wurst aus Tieren gemacht wird, die dafür ihr Leben lassen müssen. Kinder wissen das ja nicht. Wenn er weiß, dass dafür Tiere sterben müssen, wird er wahrscheinlich von sich aus keine Wurst mehr essen. Kinder sind in den meisten Fällen sehr emphatisch und wollen nicht, dass die Tiere mit denen sie so schön spielen können, für sie sterben müssen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.