Rezension: Fit Vegan von Karl Ess

karl-ess-fit-vegan-igIch muss gestehen, bis ich das Buch von Karl Ess Fit Vegan zugeschickt bekam, kannte ich ihn gar nicht – bin eben nicht so der Fitnesstyp. Ich gehe lieber spazieren oder schwimmen. Aber es schadet ja nicht, vielleicht doch noch ein bisschen an der Bikinifigur 2017 zu arbeiten! 😀

Mit 750.000 Facebook-Fans, 171.000 Instagram-Abonnenten und über 100 Millionen Klicks auf dem YouTube-Kanal ist er wohl recht bekannt in der veganen Fitness-Szene – offenbar braucht man doch keine rohen Eier oder saftigen Steaks, um einen ordentlichen Bizeps aufzubauen. Karl zeigt zusammen mit seiner Freundin Kerstin Jurek, dass eine nährstoffreiche, pflanzliche Ernährung der Schlüssel zu einem athletischen Äußeren, definierten Formen und einem guten Körpergefühl ist. Leser finden in dem Buch neben Nährstofftabellen, Wochenplänen und anschaulichen Illustrationen wertvolle Motivationstipps und praktische Anleitungen wie den Leitfaden „Vegan in drei Wochen“.

Karl wurde 1989 in Seattle (USA) als Sohn eines Deutschen und einer US-Amerikanerin geboren und wuchs im Allgäu auf. Er begann im Alter von 15 Jahren mit Kraftsport. Während seines Wirtschaftsingenieur-Studiums startete er 2012 seinen YouTube-Channel und 2013 sein erstes Online-Fitnessprogramm. Ein Teil des Fitnessprogramme ist die vegane Ernährung, die er selbst seit fünf Jahren praktiziert.

Warum vegan?

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Quelle: © Tino Oac

Karl führt in seinem Buch neben den gesundheitlichen Gründen wie Gewichtsverlust, attraktiveres Aussehen, schönere Haut, besseres Sexleben und mehr Energie auch das Leid der Tiere in der Massentierhaltung auf und die Auswirkungen auf die Umwelt. Auch die Frage, ob der Mensch von Natur aus Veganer ist, wird von ihm mit einem Vergleich anhand von Raubtieren beantwortet – wir sind ja auch keine Löwen, oder?

Vegan in drei Wochen

Leser können mit Hilfe des Buches ganz einfach in drei Wochen Schritt für Schritt zum Veganer werden. In der ersten Woche sollte nur eine Mahlzeit des Tages vegan gestaltet und alle Milchprodukte weg gelassen werden. In der zweiten Woche Fleisch und Fisch und in der dritten Eier und alle anderen tierischen Produkte. Ergänzt werden die Wochenpläne mit Fitnessübungen, Nährstofftabellen uvm.

Quinoa-Taco. Quelle: © Alexander Walter
Quinoa-Taco. Quelle: © Alexander Walter

Damit die Umstellung ganz einfach geht, sind hinten im Buch Karls persönliche Lieblingsrezepte enthalten. Ob Frühstück, Mittag, Abend, Dessert oder der kleine Hunger zwischendurch – mit den 40 köstlichen Rezepten gelingen auch Koch-Anfängern im Handumdrehen gesunde und nährstoffreiche Gerichte. Hier finden sich beispielsweise Soja-Pancakes, Avocado-Kokos-Granola, diverse Smoothies, Bohnenburger, Pizza, Schnitzel, Pasta, Taco, Salate und leckere Desserts.

Neu-Veganer erhalten auch konkrete Tipps, wie man als veganer Kraftsportler Vorurteilen schlagfertig begegnet und anderen Menschen die ethischen und gesellschaftlichen Beweggründe der Ernährungsumstellung erklären kann. Immer nach dem Motto: „Gutes Gefühl statt schlechtes Gewissen!“


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Quelle: © Tino Oac

Hier noch ein Interview, welches der Verlag Edel Books mit Karl Ess geführt und mir zur Verfügung gestellt hat!

Mit 750.000 Facebook-Fans, 171.000 Instagram-Abonnenten und über 100 Millionen Klicks auf deinem YouTube-Kanal bist du DER Star der veganen Fitness-Szene. Wie erklärst du dir deinen Erfolg bei deiner stetig wachsenden Onlinecommunity?

Unter einem ‚klassischen Veganer‘ stellen sich die meisten einen zotteligen, Sandalentragenden, esoterischen Baumhausbewohner vor. Zudem sind statistisch gesehen, die meisten Veganer Frauen. Ich hingegen komme aus der Fitness-Szene, in der Kraftsportler besonders viel Protein über Fleisch, Eier und Milchprodukte aufnehmen. Mein allgemeines Erscheinungsbild entspricht also einfach nicht dem ‚typischen Veganer‘, was zum einen Neugierde weckt, zum anderen aber auch kontrovers diskutiert wird.

Außerdem wächst die vegane Szene im deutschsprachigen Raum sehr schnell. Viele Menschen beschäftigen sich vor allem über das Internet mit dem Thema und stoßen dann irgendwann auf mich – ob sie wollen oder nicht (lacht).

In deinem ersten Buch „Fit Vegan“ kombinierst du zwei Dauertrends miteinander. Warum gehören aus deiner Sicht Sport und vegane Ernährung nicht nur zusammen, sondern bedingen sich sogar?

Weil beides für den Menschen natürlich und essentiell ist! Wir sind von Grund auf Säugetiere, die darauf ausgelegt sind, Pflanzen zu fressen und sich viel zu bewegen. Wenn wir eine dieser beiden Säulen vernachlässigen, entfernen wir uns von unserem eigentlichen Wesen und werden dann auf lange Sicht krank, unzufrieden und – je nach Sichtweise – auch unattraktiv.

Ein gängiges Klischee über die Ernährung von Bodybuildern ist, dass diese morgens fünf rohe Eier, mittags ein saftiges Steak und abends Fisch mit Magerquark essen. Warum ist dieses Vorurteil längst überholt?

Früher dachte man, dass man Unmengen an Protein (200-500g täglich) verzehren muss, um Muskelmasse aufzubauen und stark zu werden. Man war außerdem der Überzeugung, dass pflanzliches Protein gegenüber tierischen Proteinquellen inferior und unvollständig sei. Beide Thesen sind mittlerweile durch aktuellere wissenschaftliche Studien, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, klar widerlegt. 1-2g Protein pro kg fettfreier Körpermasse sind völlig ausreichend, um Muskelmasse aufzubauen. Außerdem sind pflanzliche Proteine für unseren Körper sogar gesünder, weil diese z.B. bei der Verstoffwechselung weniger schädliche Säuren produzieren.

Dennoch gibt es nach wie vor viele Kraftsportler, die dem Trend ‚Natural Body Forming‘ skeptisch gegenüberstehen. Wie reagierst du auf Aussagen wie: „Um Leistung zu bringen, muss man Fleisch essen?“

Ich argumentiere meistens so: ‚Wenn du dein Auto bewegen möchtest, tankst du doch den dafür notwendigen Treibstoff! Du schüttest ja auch kein Metall ins Auto mit dem Argument, dass das Auto ja größtenteils aus Metall besteht.‘ Unsere effizientesten Energielieferanten sind und bleiben nun mal Kohlenhydrate und man muss schon sehr lange in einem Stück Fleisch herumstochern, um davon ein paar Gramm zu finden.

Du selbst lebst seit fünf Jahren vegan. Was waren deine persönlichen Beweggründe, dich rein pflanzlich zu ernähren? Gab es eine Initialzündung?

Es gab mehrere Ereignisse innerhalb eines gewissen Zeitraums: Zum einen starb mein Opa väterlicherseits an einem Herzinfarkt. Mein Opa mütterlicherseits bekam nach seiner zweiten Bypass-OP die klare ärztliche Ansage, dass ein wichtiger Teil seiner Therapie eine drastische Ernährungsumstellung sein MUSS. In beiden Fällen wurden die Arterien durch tierisches Fett und Cholesterin verstopft. Mein Opa stellte auf eine fettarme pflanzliche Ernährung um und lebt heute, knapp 20 Jahre nach seinem Infarkt, besser als davor.

Des Weiteren hatte ich mit Eric von Sydow ein Idol im Internet. Er war in charakterlicher, sportlicher und unternehmerischer Hinsicht ein Vorbild für mich. Obwohl er aussah wie aus einem Stein gemeißelt, ernährte er sich ausschließlich pflanzlich. Auf seiner Internetseite fand ich dann einige Buchempfehlungen, die mich dann zu 100% davon überzeugten, dass eine vegane Ernährung der einzig richtige Weg ist.

Und wie haben deine Familie, deine Freunde, aber auch deine Kumpels im Fitnessstudio auf deine Ernährungsumstellung reagiert?

Sie haben es zunächst für einen kurzlebigen, spätpubertären Hype gehalten. Meine Familie war völlig verwirrt, da ich die Speisekarte zuvor erst auf Fleisch, Magerquark und Eier umgestellt hatte und eine proteinreiche Ernährung predigte und nun das genaue Gegenteil machen wollte. Meine Freunde im Fitnessstudio gingen sogar einen Schritt weiter: Sie haben begonnen, mich damit aufzuziehen und zu sticheln. Als sie jedoch merkten, wie viel besser es mir mit der Zeit ging und wie viel günstiger die Ernährung ist, haben sie es mir nach und nach gleichgetan.

Inwiefern hast du eine Leistungssteigerung, aber auch eine Verbesserung deiner Lebensqualität bemerkt?

Zunächst habe ich mich leichter und insgesamt seltener müde gefühlt, da mein Verdauungssystem deutlich weniger arbeiten musste. Als nächstes wurde meine Haut besser und mein Körpergeruch wurde fast neutral. Nach acht Wochen brauchte ich zwei bis drei Stunden weniger Schlaf pro Nacht und auch meine Regeneration nach dem Sport hat sich beschleunigt.

Neben veganen Rezepten, Ernährungstabellen und anschaulichen Illustrationen enthält dein Buch auch die Anleitung „Vegan in drei Wochen“. Du selbst hast allerdings zehn Anläufe in sechs Monaten gebraucht …

Bei dem Thema Ernährung wird es immer Menschen geben, die sich von heute auf morgen um 180 Grad drehen können. Andere werden es vielleicht nur mit Hilfe einer Anleitung schaffen. Ich persönlich hätte sehr gerne auf die zehn Anläufe verzichtet, hätte ich eine helfende Hand gehabt, die mir praktische Möglichkeiten aufzeigt, schneller und effektiver mein Ziel zu erreichen. Genau für diese Menschen ist ‚Fit Vegan‘ gedacht.

In ‚Fit Vegan‘ erklärst du dein Ernährungsprogramm sehr verständlich und räumst mit Sorgen, Mythen und Vorurteilen rund um vegane Fitness auf. Kannst du uns die drei wichtigsten Pfeiler deines Ernährungs- und Fitnesskonzepts verraten?

1. Es ist wichtig, genügend Kalorien und vor allem ausreichend Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, damit man sich gleich von Anfang an energiegeladen fühlt und Lust hat, die Umstellung durchzuziehen. 2. Man sollte sich so naturbelassen wie möglich ernähren. Sehr viele Menschen essen nur Verpacktes – aus der Tiefkühltruhe, dem Schnellimbiss oder der Mikrowelle. Es ist essentiell, frische Zutaten zu verwenden und diese schonend zuzubereiten, um viele Mikronährstoffe, Vitamine und Minerale aufzunehmen. 3. Es ist wichtig, den Konsum von Ölen, Einfachzucker, und Süßigkeiten (ja, selbst vegane Süßigkeiten) zu minimieren, weil wir mit der Ernährungsumstellung auch abnehmen und uns besser fühlen möchten. Nicht nur für uns selbst – wir wollen auch ein positives Aushängeschild für die gesamte Bewegung sein!

„Gutes Gefühl statt schlechtes Gewissen“ – statt den moralischen Zeigefinger zu heben, setzt du in deinem Buch auf undogmatische und positive Hilfestellung. Welche Motivationshilfen gibst du vor allem Neu-Veganern an die Hand?

Anstatt darauf zu achten, worauf wir verzichten, sollten wir uns auf die neue Vielfalt und die tollen Rezepte konzentrieren, die uns erwarten. Außerdem sollten wir uns auch für kleine Fortschritte loben und nicht zu streng mit uns sein.

Zu guter Letzt: Was wünschst du dir für dein Buch ‚Fit Vegan‘?

Ich wünsche mir, dass jeder Leser versteht, dass man sein eigenes Leben, aber auch das seiner Mitmenschen, der Tiere und der Pflanzen positiv beeinflussen kann. Mein Traum wäre es, dass dieses Buch im Schulunterricht gelesen wird und in 30 Jahren Massentierhaltung, Schlachthöfe, chronische Gesellschaftskrankheiten und die Abholzung von Regenwaldflächen der Vergangenheit angehören. Dann wird man kaum glauben können, dass wir mit den Tieren und unserer Umwelt vor Jahren so umgegangen sind.


Mehr Informationen

YouTube-Kanal von Karl Ess
Homepage

Autor: Karl Ess
Titel: Fit Vegan – Unsere Zukunft isst vegan (Werbung)
Erschienen: 6. Oktober 2016
Verlag: Edel Books Verlag
Form: 208 Seiten, Flexicover
ISBN: 978-3-8419-0492-8
Preis: 17,95 €

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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2 Kommentare

  1. Sehr schönes Interview und ganz persönliche Worte von dir, liebe Katrin. Für mich ist nicht „nur“ Fitness wichtig, sondern Gesundheit und Ethnik.
    Ist das vegan oder kann das weg? Die Überschrift finde ich einfach köstlich.
    Viel Erfolg weiterhin und alles Gute.

    • Moin Volker,

      schön, dass dir mein Name gefällt 😉

      Das Interview ist allerdings nicht von mir sondern wurde vom Verlag geführt und mir als Pressematerial zur Verfügung gestellt.

      Liebe Grüße,

      Katrin

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