Open Ship der Sam Simon: „Auf den Sea Shepherd-Schiffen schlemmen wir vegan!“

Die Stellenbeschreibung klingt nicht gerade verlockend – und doch sind die Wartelisten lang, sehr lang. Freiwillige stehen Schlange bei der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd, offiziell im Jahre 1981 im US-amerikanischen Bundesstaat Oregon von Kapitän Paul Watson gegründet. Der ursprüngliche Auftrag war der Schutz von Meeressäugern mit dem unmittelbaren Ziel, illegale Wal- und Robbenfangaktivitäten zu beenden. Später weitete Sea Shepherd seinen Aufgabenbereich auf alle Meeresbewohner aus.

Sam SimonMittlerweile kennen viele die Organisation, die sich selbst als „Modern Day Pirates“ und als „Neptune’s Navy“ bezeichnen. In Zeiten von Fluch der Karibik ist ein Logo mit Totenkopf und Dreizack einfach cool. Deshalb wollen viele 6 Monate als Crewmitglied mit Sea Shepherd in die Antarktis beispielsweise und gegen die japanische Walfangflotte kämpfen.

Denn „keine Bezahlung, lange Arbeitszeiten, schwere Tätigkeiten, gefährliche Arbeitsbedingungen, extremes Wetter“ nimmt man gerne in Kauf wenn man dafür „Abenteuer, Sinnerfüllung und die härteste Arbeit, die ihr jemals lieben werdet und the experience of a lifetime“ bekommt 😉 Aber: „Quengler, Unzufriedene, Warmduscher und Feiglinge brauchen sich nicht zu bewerben.“

Als bekennende Warmduscherin scheide ich dann wohl aus – dafür durfte ich das Schiff „Sam Simon“ beim Open Ship angucken und mir ein Bild vom Leben an Bord machen.

Die Besatzung aller Sea-Shepherd-Schiffe ernährt sich vegan

Doch diesen Blick musste man sich erst einmal verdienen – 2h anstehen! Zum Glück war es nicht so kalt wie in der Antarktis. Mein Schatz kaufte in der Zwischenzeit schon den Kuchenstand leer und wir genossen die köstlichen Trüffel, Lebkuchenmännchen, Brownies, Muffins und Karottenkuchen, natürlich alle vegan.

MarcusMarkus erklärt uns später auf dem Schiff: „Auf allen Sea-Shepard-Schiffen ernährt sich die Besatzung vegan. Sonst hätte das was von einer Doppelmoral: Wale retten, aber Tiere essen. Es gibt keine Ernährung, die so umweltfreundlich ist wie die vegane Ernährung. Fleisch verbraucht zu viel Wasser, verschmutzt die Böden und das Grundwasser, verbraucht zu viel Getreide und sorgt für mehr CO2-Ausstoß als der gesamte Verkehr auf der Erde. Jeder muss sich sein Konsumverhalten bewusst machen. Wir treffen jeden Tag eine Entscheidung und die ist nicht nur für uns.“ Markus habe erst auf Fleisch verzichtet, dann auf Fisch, dann wurde er noch mal konsequenter: „Energiesparlampen und Fahrrad fahren sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein,“ versucht er noch mehr Besucher für die vegane Ernährung zu begeistern.

Seit über 30 Jahren im Kampf für Meerestiere

Sam SimonSea Shepherd möchte nicht nur auf das Abschlachten von Robben, Delfinen und Walen hinweisen, sondern diese Grausamkeiten generell verhindern. Paul Watson kämpft seit über 30 Jahren gegen die Tötung der Meeressäuger – nur Gewalt gegen Menschen ist für ihn tabu.

Rainer Lenthe unterhält sich mit den Leuten in der Schlange und erzählt: „Die Sam Simon war früher einmal ein Forschungsschiff, das dazu diente, den Deckmantel der Wissenschaftlichkeit aufrecht zu erhalten. Wir haben das Schiff über ein Konsortium gekauft. Für uns war das sehr praktisch, weil wir so einen besseren Einblick in die Arbeitsweise der Flotte bekamen. Übrigens sind sehr viele Teile von deutschen Firmen in dem Schiff verbaut!

Sam SimonMarkus erzählt uns an Deck in der Kommandozentrale, dass die Sam Simon mit dem Baujahr 1993 das jüngste Schiff der Flotte ist. „Das Boot hat modernes GPS und Internet, wir wollen ja mit unseren Fans in Verbindung bleiben. Die Brücke ist 24 h besetzt, was eine enorme Verantwortung bedeutet. Wir arbeiten in Schichten: 4 h arbeiten, dann 8 h Pause. Ausnahme war bei der Operation Ice Fish, da wechselten sich 4 h Arbeit und 4 h Pause ab. Bei dieser Aktion haben wir Schleppnetze herausgeholt und vier der sechs Schiffe wurden dingfest gemacht. Zwei waren noch unterwegs.“ Es sei noch viel zu tun auf den Weltmeeren: „Es brennt an allen Ecken und Enden.“ Die anderen Schiffe heißen Steve Irwin, Bob Barker und Brigitte Bardot.

Crew-Mitglied Teddy erklärt: „Während das Schiff im Hafen liegt, sind wir 10 Mann an Bord und bei Kampagnen zwischen 30 und 35. Nur Leute mit Herzblut werden so viel für das Ziel geben, wie es geht. Am meisten Unterstützung bekommen wir aus Deutschland, was wir so vorher noch nicht erlebt haben!

Manuel Abraas Sea Shepherd
Manuel Abraas Sea Shepherd

Manuel Abraas aus Bremen ist schon seit 1994 mit ein paar Unterbrechungen mit Sea Shepherd verbunden. 1997 war er 6 Monate auf der Sea Shepherd 3 und nahm sich sogar unbezahlten Urlaub, um dabei sein zu können. 2010 hat er Sea Shepherd Deutschland mitgegründet und ist seit dem eigentlich ständig aktiv. Er erzählt, dass die Einsätze alle gefilmt werden, um sich abzusichern: „Kapitän Paul Watson sagt immer: ‚Die Kamera ist unsere schärfste Waffe!‘ Das stimmt, denn nur so erfährt die Welt, was sich auf den Meeren der Welt so abspielt.“

Doch bei aller Ernsthaftigkeit an Bord, gibt es auch Momente, an die man sich wohl sein Leben lang erinnert: „Einmal ist ein Finnwal neben uns und Delfine sind mal vor dem Boot geschwommen.“


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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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