Interview mit Ralph Ruthe: „Ich esse immer noch gerne Käse“

Ralph Ruthe Fotograf: Björn Gaus
Ralph Ruthe Fotograf: Björn Gaus

Seit etwa einem Jahr folge ich Ralph Ruthe auf Facebook und freue mich jeden Morgen über seine Cartoons. Dabei fiel mir auf, dass er häufig Themen aus dem Bereich der vegetarischen und veganen Ernährung aufgriff. Ich recherchierte, ob er eventuell Vegetarier ist, fand jedoch keine zufriedenstellenden Aussagen. Daher schrieb ich ihm einfach eine Mail und fragte, ob er Vegetarier sei und falls ja, ob ich ein Interview mit ihm führen dürfte.

Er antwortete sofort, schrieb er sei Vegetarier und stünde gerne für ein Interview bereit. 🙂 Hier lest ihr nun das ungekürzte Interview mit ihm.

Hallo Ralph, ich danke dir vielmals, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst! Meine Leser und ich freuen uns sehr darüber! Ich denke, viele wussten bis jetzt gar nicht, dass du Vegetarier bist. Hat irgendein Ereignis das ausgelöst oder kam die Umstellung eher schleichend?

Ich thematisiere das nicht so groß, weil es für mich keine große Leistung ist. Ich finde, das kann jeder und ich will das nicht hinstellen als ‚Guck mal hier ich esse übrigens keine Tiere!‘ Ich mach das, weil ich mit der Idee schon immer sympathisiert habe und fand das nachvollziehbar, warum man keine Tiere isst, hab aber für mein Empfinden ziemlich lange gebraucht, um das wirklich hinzukriegen. Den ersten Vegetarier habe ich getroffen, da war ich 17 Jahre alt und fand das plausibel, dass man keine Tiere isst. Ich fand Fleisch aber lecker, was dir wahrscheinlich die meisten Fleischesser erzählen.

Geschafft habe ich es eigentlich vor mittlerweile fünf Jahren nach einem Abend mit Freunden. Wir machten uns selber richtig dicke Burger und ich hatte sogar extra sehr teures Biofleisch gekauft. Danach dachte ich: ‚Irgendwie war das eklig!‘ Das war die Initialzündung für mich zu sagen: ‚So, jetzt probiere ich es nochmal!‘ Ich hatte es schon ein oder zweimal vorher probiert und bin dann immer wieder schwach geworden. Seitdem habe ich keinen Schritt mehr zurück gemacht. Wenn erst mal die Geisteshaltung angekommen ist, dann geht das eigentlich relativ leicht. Ist wie beim Rauchen.

strip_1865Wie reagierte dein Umfeld darauf? Wurdest du von deinen Freunden und der Familie veräppelt? Als Vegetarier kennt man doch sicherlich auch die bekannten Sprüche irgendwann auswendig, oder?

Von Freunden und Familie gar nicht. Ich erinnere mich daran, dass ich kurz nach meiner Entscheidung bei einem Kumpel auf einem Geburtstag zum Brunch eingeladen war. Da habe ich mir nur Kartoffelgratin und Gemüse aufgetan, weil alles andere war Fleisch oder mit Fleisch. Ein Bekannter von mir sagte dann die magischen Worte: ‚Bist du Vegetarier?‘ Ich sagte: ‚Ja!‘ Er lachte und erwiderte: ‚Weil dir die Tiere leid tun oder was?‘ Und ich sagte: ‚Genau!‘ Ich bin ja ein Mensch, ich komme schnell auf den Punkt und das ist auch ein Teil meiner Arbeit, dass auch die Pointen sehr auf den Punkt sind.

Ein Problem kann sein: Bei Vegetariern gibt es sehr viel Sendungsbewusstsein und eine gewisse Unsicherheit, dass sie versuchen, sich da selbst rauszureden oder das zu thematisieren. Das mache ich gar nicht. Ich habe mich nicht hingesetzt und gesagt: ‚Gibt ja viel Fleisch hier!‘ Ich habe einfach kein Fleisch gegessen und jemand fragt nach. Danach war kurz betroffene Stille am Tisch weil jedem tun ja eigentlich die Tiere leid.

Es ist ja so: Niemand will Tiere essen. Niemand sitzt da und sagt: ‚Boah ich habe Bock eine Kuh zu essen.‘ Wenn das einer macht, dann ist das ein typischer Machogestus. Fleisch wollen viele essen aber im Grunde will keiner Tiere essen. Daher versteht das jeder, mit dem man vernünftig darüber spricht. Deshalb war das auch keine große Diskussion. Dann hat noch einer gefragt: ‚Ach und wie lange?‘ ‚Seit einem halben Jahr.‘

Es gibt ja eigentlich nur zwei Parteien: Die einen finden das total interessant und wollen auch darüber sprechen. Sie erzählen dir, dass sie das auch wollen oder schon machen. Dann gibt es die, die dann sagen: ‚Ja also ich könnte da nicht drauf verzichten!‘ Ich diskutiere aber auch nicht drüber, weil mir das ehrlich gesagt egal ist. Ich glaube auch nicht, dass ich die Welt damit rette, weil ich das mache. Ich halte es aber für einen Schritt, den man probieren kann. Je mehr das probieren um so besser.

Kuh und Zebra essen SpaghettiWie gehen deine Fans damit um?

Ich thematisiere das nicht groß. Ich poste ein bis zweimal im Jahr einen Cartoon mit der Thematik. Häufig verwende ich das Bild mit dem Krokodil und dem Zebra die zusammen am Tisch sitzen, Spaghetti essen und sich in Susi-und-Strolch-Manier diese Nudel teilen. Da schreibe ich häufig zu: ‚Heute mal was Verrücktes machen: Kein Fleisch essen!‘ Das kriegt immer sehr viel positive Resonanz. Mir folgen fast eine Million Fans auf Facebook, da kannst du nicht erwarten, dass jeder immer alles nachvollziehen kann, was du machst.

Ich merke schon, dass ich mir eine Fanbase aufgebaut habe, die mich versteht und grundsätzlich auch mit dem sympathisiert, was ich schreibe. Ich habe ja vorhin schon gesagt, dass die meisten Menschen das verstehen. Natürlich gibt es immer die Fleischmachos, die da auch total drauf knüppeln. ‚Ja aber bedenkt doch mal, wie viele Wälder für den Sojaanbau abgeholzt werden!‘ und den ganzen Käse, der da so erzählt wird. Das lächle ich weg. Da habe ich die entsprechenden Sprüche drauf und mache Gags draus.

Es ist mir auch egal ob andere das gut oder mich besser finden. Ich mache es nicht für die, ich mache es für mich. Wenn ich Leute dazu bringen kann, auch mal über ihren Schatten zu springen ist das toll, wenn nicht egal.

Ruthe-Cartoon Der isst das wirklich!Bei der Recherche zu dem Interview bin ich auf einige Cartoons von dir gestoßen, in denen du die Tatsache aufs Korn nimmst, dass Menschen Milch trinken und Eier essen. Isst du selber noch Eier oder Käse? Also du bist jetzt Vegetarier oder?

Genau. Ich bin Vegetarier mit einer Tendenz zum Veganismus, aber das ziehe ich nicht 100 Prozent durch, weil ich Käse noch sehr lecker finde. Eier? Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal Eier gegessen hätte. Wir kaufen keine mehr. Es kann mal sein, dass ich, wenn ich zu einem Frühstück eingeladen bin und da ist Rührei, dass ich mir dann was davon nehme, weil es schon da ist. Aber ich mache es nicht mehr selbst.

Ich verzichte auch auf Milch, weil ich sie nicht so super finde. Ich finde, dass Cornflakes viel leckerer sind mit Hafermilch. Für mich ergänzt sich das geschmacklich ideal, weil es ja verwandt ist und getreidig schmeckt. Milchreis finde ich mit Kokosmilch viel besser. Käse finde ich nach wie vor superlecker. Esse ich auch nicht jeden Tag.

strip_0496Hattest Du bei dem Strip, indem ein Huhn selber ein Ei isst, eine Botschaft im Sinn oder ging es Dir nur um die lustige Absurdität? Du veröffentlichst ja viele Cartoons, die zumindest auf den zweiten Blick einen Hauch von Gesellschaftskritik haben. Die beiden Krokodildamen mit der Krokohandtasche und den Krokoschuhen sind da schon eindeutig, oder?

Ja aber ich muss gestehen, dass ich nicht wirklich so denke. Für mich ist grundsätzlich egal, ob es der Verzicht auf Fleisch ist, ob es die Flüchtlingskrise ist, ob es Diskussionen um Frauenrechte sind. Ich bin Komiker, also ist das Material, daraus kann ich Pointen machen. Ich neige tendenziell dazu auch in den ernstesten Situationen, die mir passieren, über vieles lachen zu müssen. Komik ist Tragik plus Zeit. Das ist tatsächlich so: In jedem Drama ist auch eine Pointe versteckt! Ich kann auch in Situationen lachen, die eigentlich furchtbar sind. Das macht es auch leichter, damit umzugehen. Das große Glück eines Komikers ist es, das dann auch nach außen hin transportieren zu können.

Ich bin da eher immer auf Pointensuche. Ich denke darüber nach, wie wäre das, wenn ein Huhn ein Ei isst. Warum macht es das? Wie würde es zu der Thematik stehen. Wenn ich darüber lachen muss, was mir dazu einfällt dann mach ich einen Cartoon draus. Wenn Leute darüber diskutieren oder einen anderen Blickwinkel haben, ist das nicht mein erster Antrieb. Ich sehe mich nicht als politischen Karikaturisten. Ich bin wirklich Cartoonist und Komiker, es geht mir allein um den Humor.

strip_1574Was antwortest du jemandem, der sagt, er möchte, dass es dem Tier vor dem Schlachten gut ging?

(Lacht laut auf) Ich glaube, ich muss erst mal lachen 🙂 Also es ist so: Wir haben uns nicht ausgedacht, dass wir Tiere essen müssen. Das ist Teil eines evolutionären Prozesses. Menschen haben irgendwann angefangen, Fleisch zu essen. Zu dem Zeitpunkt als die das gemacht haben, war es auch wichtig für die Entwicklung und damit wir da hinkommen, wo wir heute sind.

Ich glaube, um zu begreifen was wir da machen, um zu verstehen, dass man keine Tiere essen muss, dahin sind wir gekommen, weil wir angefangen haben, Tiere zu essen. Weil sich unser Hirn auch weiter entwickelt hat, auch durch die Energie, die wir dadurch bekommen haben. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Das Schlimme ist einfach zu begreifen, dass etwas schlimm ist und es trotzdem weiter zu machen. Überall! Das ist egal, wo wir herkommen, was wir gemacht haben. Der Punkt ist: Wir haben auch irgendwann in Häusern gewohnt, die aus Mammutkacke gemacht waren – machen wir auch nicht mehr.

Wenn mir jetzt jemand sagt, dass es ihm wichtig ist, dass das Fleisch von glücklichen Tieren ist … ja dann ist der noch nicht an dem Punkt angelangt, wo man vielleicht auch wieder aufgehört hat, Fleisch zu essen. Aber ich sage jetzt auch nicht, dass Vegetarier bessere Menschen sind.

Ich finde das lustig. Das ist natürlich wieder ein tragischer Hintergrund aber es ist lustig!

strip_0008Was hältst du von Menschen, die jeden neuen Ernährungstrend mitmachen und manchmal sogar auf Laktose und Gluten sicherheitshalber verzichten?

Ich würde mich jetzt nicht auf das Podest stellen und sagen das ist alles ein Trend. Eine gute Freundin von mir ist laktoseintolerant. Die hat indische Wurzeln. Es ist bekannt, dass dies im asiatischen Bereich sehr viel gängiger ist. Viele sagen ja der Mensch war nie dafür gemacht, außer Muttermilch Milch zu trinken. Wahrscheinlich ist das so, ich bin kein Wissenschaftler. Für mich ist das kein Trend. Wenn Leute Milch nicht vertragen, dann probieren sie eben andere Sachen.

Bei Gluten kenne ich mich nicht gut genug aus. Ich habe keine Lebensmittelunverträglichkeiten. Ich mache mich darüber nicht lustig.

strip_0310Ausgesprochen witzig sind auch deine Cartoons mit den veganen Löwen beispielsweise bei den anonymen Veganern 🙂 Kannst Du meinen Lesern verraten, was Du damit ausdrücken wolltest?

Ja ich wollte die Leute damit zum Lachen bringen. Als Cartoonist suchst du Situationen mit viel Fallhöhe. Das bedeutet, dass eine Person oder Figur in eine Situation geschubst wird, die für sie ungewöhnlich ist. Die größte Fallhöhe für einen Löwen ist natürlich, wenn er einfach kein Fleisch mehr isst.

Das ist im Grunde das gleiche Bild, wie das eines jungen Mannes der aus einer richtigen Fleischesserfamilie kommt und jetzt plötzlich merkt: ‚Ich esse kein Fleisch mehr.‘ Oder ein Sohn, der sich zu seiner Homosexualität bekennt. Für ihn ist es erst mal eine Situation, mit der er umgehen muss und das projiziere ich dann auf Tiere. Menschen haben es leichter, über Situationen zu lachen die mit ihrem Leben zu tun haben, wenn diese durch Tiere dargestellt werden. Das ist dieses Fabelding.

Im Video vom veganen Bauernhof werden kluge, süß und sich sogar menschlich verhaltende Tiere gezeigt. Doch das Fazit des ignoranten Reporters Tjorben Eckermann lautet: Wir werden sie auch weiterhin essen. Ist das von Dir schwarzer Humor oder auch ein Stück weit Resignation?

Das Video geht noch weiter und endet damit, dass dieses kleine Schweinchen auf einmal ankommt und sich an den Tjorben Eckermann schmiegt. Wenn man drauf achtet, sieht man, dass das was mit ihm macht, es ihn berührt und es ihm nicht mehr egal ist.

Alle sitzen da und sagen solange ‚Ja der Mensch isst Fleisch und Fleisch ist lecker!‘ bis die vor einem stünden mit einem Messer und sagen würden: ‚Gut, dann zerlege es dir mal selbst.‘ Ich behaupte, nicht mal ein Prozent der Leute, die das machen müssten würden das machen. Jedenfalls nicht, wenn die nicht auf einer einsamen Insel sind und das die einzige Chance ist, zu überleben. In der Welt in der wir leben können wir uns ja jeden Tag aussuchen, was wir essen. Das wollte ich damit eigentlich zeigen.

Ich wollte mit dem Video den Teppich auslegen: Wo sind wir, wo stehen wir, was machen wir da eigentlich? Warum machen wir es? Eigentlich aus Gewohnheit. Wenn man aber in dieser Situation ist, da kommt dieses niedliche Schweinchen – da würden die allerwenigsten sagen: ‚Ja klar, Fleisch essen ist doch super!‘ Das sind natürlich auch Lebewesen und das merkt der Tjorben Eckermann. Das heißt, er stand für den durchschnittlichen Fleischesser, der aber doch weich wird wenn es darum geht, sich diesem Punkt des Tötens zu stellen.

Ich resigniere nicht, wenn ich sehe, dass es hier in Bielefeld jetzt alleine drei vegane Restaurants gibt.

Woher bekommst Du deine Inspirationen für diese Art von Cartoons? Bist Du viel auf dem Land unterwegs?

Nein das ist mein Beruf. Ich halte die Ohren immer auf, unterhalte mich mit Leuten. Alles ist Inspiration. Ein Zeitungsartikel, Facebook, Filme, Fernsehserien, an der Bushaltestelle stehen und Leuten zuhören. Alles!

Ich war bisher leider noch nicht auf einer Live Show von Dir. Behandelst Du dort auch die Themen vegane und vegetarische Ernährung?

Nein, in meinen Shows geht es um Cartoons im Allgemeinen, um die Prozesse, wie ich die Arbeit mache, die ich da mache und um meine Figuren, also die Charaktere, bei denen sich die Leute freuen, dass die wieder kommen. Biber und Baum, die Flossen, die HNO-WG.

Ich habe nicht so dieses Sendungsbewusstsein. Ich möchte mich nicht da hinstellen und sagen: ‚Leute, seid nur noch Vegetarier oder setzt euch für Frauenrechte ein!‘ Es gibt ja tausend Sachen, über die man sprechen müsste. Und auch Sachen, die noch wichtiger wären als das Thema.

Dafür stehe ich da aber nicht. Ich möchte die Leute zwei Stunden gut unterhalten und zum Lachen bringen. Wenn die erst mal mit mir gelacht haben, meine Arbeit weiter mögen und mich vielleicht noch sympathisch finden, mir weiter in meinen sozialen Netzen folgen und ich dann mal wieder thematisiere, dass ich es gut finde, vegetarisch zu leben. Ich glaube, dass das langfristig mehr bringt. Die haben dann schon eine Verbindung zu mir und sagen sich: ‚Ok, der Ruthe hat das auch geschafft, dann probiere ich es auch mal.‘ Ich sehe mich schon als jemand der diese Message nach außen trägt, aber in meiner Show ist das kein Punkt.

Wie ernährst Du Dich, wenn Du unterwegs bist? Hast Du da Probleme als Vegetarier?

Nein. Das ist 2016 kein Problem mehr. Es kommt mal vor, dass ich in einen Stau reinfahre, und überlege außen rum zu fahren über Land. In einem 1500-Seelen-Dorf komme ich an einem Bäcker vorbei und hole mir ein Brötchen. Dann versuche mal was zu kriegen ohne Salami oder Kochschinken. Wenn du sagst: ‚Schuldigung, könnten Sie mir bitte ein Brötchen nur mit Käse machen?‘ Ich bitte auch oft darum, einfach nur Salat und Tomate raufzumachen. Da wirst du schon komisch angeguckt.

Vor allem wenn neben dir der Typ im Blaumann steht und sagt: ‚Isch hätte gerne ein Frikadellenbrötchen. Gurke und Salat brauchste gar nicht raufzumachen.‘ Das ist mir auch schon passiert. Ich hasse diese Leute ja nicht. Ich muss schon wieder lachen, weil das für mich Charaktere sind, die ich übernehmen kann.

Du kannst ja auch nicht von heute auf morgen die Welt ändern. So funktioniert das nicht und es ist auch egal. Der Mann ist 55, arbeitet körperlich, er hat immer Fleisch gegessen und er hat wahrscheinlich zwei oder drei Kinder und vielleicht eine kranke Großmutter zu Hause. Der hat nicht wirklich Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen, das ist Luxus. Dem mache ich keinen Vorwurf.

strip_1868 (1)Besteht die Möglichkeit, dass Ralph Ruthe eines Tages zum Veganer wird?

Die Möglichkeit besteht! Halte ich nicht für völlig ausgeschlossen, weil ich inzwischen tagelang mehr oder weniger aus Versehen vegan lebe. Heute Morgen habe ich Cornflakes gegessen mit Hafermilch, mittags gibt es eine Reispfanne mit Gemüse und abends ein Brot mit Tomate. Das passiert und ist nicht geplant und an den Tagen habe ich nix vermisst. Dann gibt es wieder Tage, wo ich total Bock habe auf eine Pizza mit Mozzarella und dann esse ich die auch. Wenn ich bedenke, dass ich jahrelang wirklich jeden Tag Fleisch und Wurst gegessen habe und jetzt quasi auf null bin. Keine Milch trinke, so gut wie keine Eier mehr und vielleicht 3x in der Woche was mit Käse esse – bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung. Ich muss mir da nix vorwerfen.

Ich probiere immer sehr viel aus. Viele Veganer rümpfen ja die Nase, aber ich probiere auch gerne diese Fleischersatzprodukte aus. Wieso nicht? Ich habe ja nicht aufgehört, Fleisch zu essen, weil ich Bolognese scheiße finde, sondern weil ich eben Empathie für Tiere habe und einsehe, dass das für die Umwelt besser ist. Aber wenn ich eine gute vegane Bolognese finde, warum soll ich die nicht essen? Es gibt absolut kein Argument dagegen. Niemandem schadet es, es schmeckt lecker, was solls? Da probiere ich sehr viel rum und da gibt es inzwischen auch echt gute Produkte.

Ich bin ja auch erst seit einem Jahr vegan und ich habe inzwischen eine Laktoseintoleranz, weil ich so lange keine Milch getrunken habe. Ich werfe mir mal eine Laktasetablette ein, wenn ich Lust habe auf eine Mozzarella Pizza. Meistens esse ich aber Pizza ohne Käse.

Ja die Lust auf Käse ist bei mir noch vorhanden. Es gibt so ein Gefühl, das kann nur Käse erzeugen. Bei Fleisch ist das völlig weg, ich habe null Lust drauf. Meine Frau hat neulich aus Versehen die falschen Maultaschen mit Fleisch gekauft. Die Vegetarischen esse ich total gerne. In den anderen sind nur 4,5 Prozent Schweinefleisch drin. Wir haben die gekocht, da habe ich das noch gar nicht gemerkt, weil man die ja in Brühe rein macht und das riecht ähnlich. Dann habe ich die angeschnitten, stecke das erste Stück in den Mund und merke das sofort und das ist so widerlich dieser Schweinegeschmack. Ich denke mir nur: ‚Wie konnte ich das nur essen? Das ist wirklich abartig!‘ Das war gleichzeitig eklig aber auch ein schönes Gefühl, weil ich gemerkt habe, ich vermisse das gar nicht mehr. Bei Käse ist das nicht der Fall! Ist einfach als Produkt sehr sehr lecker. Leider gibt es noch keinen tollen veganen Käse.

Ich habe mir neulich Schafskäse aus Mandeln gemacht, nach dem Rezept von Lisa Pfleger in dem Buch Vegan Homemade. Ich habe es für den Blog rezensiert. Man macht erst Mandelmilch und aus dem Rest mit Olivenöl, Zitronensaft und Kräutern eine Paste, aus der man kleine Bällchen formt, die man im Ofen backt. Der Käse war köstlich!

Ja ich habe schon Tutorials gesehen, aber bisher die Arbeit gescheut. Ich habe schon so viel Ersatz für etwas gegessen, wo ich das nicht mehr vom Original unterscheiden konnte. Ich glaube noch fünf oder sechs Jahre, dann haben die auch da ein Produkt, was super schmeckt. Wahrscheinlich mache ich das dann. Veganer Käse auf Pizza ist ja nix Neues, das gibt es ja seit vielen Jahren. Das war vor einigen Jahren ja mal ein Riesenskandal, als die das alle gegessen haben und es hat keiner gemerkt.


Mehr Informationen

Homepage
Facebook
YouTube
Twitter
Instagram

Folge mir

Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
Folge mir

27 Kommentare

  1. Hallo Katrin! Ich wurde erste heute auf deinen Artikel aufmerksam, da Ralph Ruthe auf seiner Facebook-Seite nochmals dazu verlinkt hat. Was ich so lesen konnte und auch die Kommentare erwecken diesen Eindruck, gehörst du zu der Art von Vegetarierin/Veganerin, die das Ganze nicht als Religionsersatz sehen. 😉

    Ich selbst esse noch Fleisch, habe meinen Konsum erheblich verringert. Vor allem aus gesundheitlichen und ökologischen, aber auch aus ethischen Gründen. Bisher konnte ich mich (leider) noch nicht dazu durchringen wirklich vegetarisch zu leben, da ich noch zu viel Lust auf Fleisch verspüre. Hinzu kommt, dass ich ebenfalls leider schlechte Erfahrungen mit Veganern gemacht habe, die ständig missionieren und Fleischesser schon beinahe als Mörder hinstellen. Da tut es gut, einen Beitrag wie diesen zu lesen.

    Vielen Dank für diesen Artikel! Ich habe deinen Blog in meinen Feed-Reader aufgenommen und freue mich bereits auf weitere Artikel. Und wer weiß, möglicherweise packt mich der Vegetarismus ja auch irgendwann. Ich kann es jedenfalls nicht komplett ausschließen. 😉

    • Hallo Simon,

      lieben Dank für deinen netten Kommentar!

      Ich bin ja selbst erst 2 Jahre vegan und kann mich daher noch gut an die Zeit als Fleischesser erinnern. Als ich vegan geworden bin, habe ich mir vorgenommen, auf keinen Fall dogmatisch zu werden. Denn damit erreicht man nur Trotz.

      Schön, dass dich mein Blog interessiert und vielleicht kann ich dich ja überzeugen. 🙂

      Liebe Grüße,

      Katrin

  2. Man bekommt keine Laktoseintoleranz, weil man zu lange keine Milchprodukte gegessen hat. Das ist Unsinn.
    Es ist genetisch ob und wann man laktoseintolerant wird.

    • Hallo Sylvia,

      mir ist es letztlich egal, warum ich jetzt keine Milchprodukte mehr vertrage – ich bekomme davon jetzt auf jeden Fall ohne Tablette schlimme Bauchkrämpfe. Und das war vor der Umstellung auf vegane Ernährung nicht so. Da konnte ich Eis essen und einen Milchkaffee trinken ohne Symptome. Ob es Unsinn ist oder nicht, kann nur ein Arzt beurteilen. Aber mein Hausarzt sagte dazu sehr schlau: „Und was ist wenn sie den Test machen und es kommt raus sie sind nicht laktoseintolerant? Haben sie dann plötzlich weniger Bauchschmerzen?“ Daraufhin habe ich mir einen Test gespart und esse eben einfach keine Milchprodukte mehr.

      Viele Grüße,

      Katrin Luber

    • Liebe Sylvia,

      doch, das ist sehr wohl so.
      Es ist ein absolut erwiesener Effekt, dass der Körper einfach weniger von dem Baut, was er derzeit nicht braucht.
      Beispiel: Diabetiker (Typ II) haben oft das Problem, dass durch die Tablettentherapie der Körper dazu angeregt wird, weniger Insulin zu Produzieren – oder aber die Zielzellen werden einfach resistenter gegen Insulin. Was am Ende bedeutet, dass jene eben irgendwann auch Insulin spritzen müssen.

      Lactase wird ganz normal vom Körper produziert. Wenn jetzt aber 2 Jahre lang keine Milchprodukte verzehrt werden, warum sollte der Körper dann Lactase bauen?

      Liebe Grüße,

      ein vegetarischer Apotheker.

      • Hallo Thomas,

        schön, dass du meine These als Wissenschaftler bestätigen kannst. Ich muss inzwischen Laktasetabletten schlucken, wenn ich Lust auf Käse auf der Pizza habe. Kommt sehr selten vor aber manchmal ist es so. Zum Glück ist es so, dass ich Milchprodukte inzwischen nicht mehr mag – außer Mozzarella 😉

        Liebe Grüße,

        Katrin

  3. Ich habe mittlerweile viele Veganer in meinem Bekanntenkreis, bin aber selbst schon ein Fleisch- sowie Fischfan, weil ich halt auch eher auf proteinreiche Ernährung achten muss. Aber ich halte es so, dass ich auf hochwertiges Fleisch achte und gerne regional einkaufe, was zwar beim Fisch schwierig ist aber beim Fleisch super funktioniert. ABER: Wir haben seit kurzem einen vegetarischen Lieferservice im Büro – und es pendelt sich so ein, dass ich nun unter der Woche mittags gerne darauf zurückgreife, weil es einfach so lecker ist und vor allem auch regional. Da fällt es mir dann auch am Wochenende leichter mir ein lecker Steak o.ä. zu gönnen 😉 Also den Trend finde ich gut.

  4. Sehr schönes Interview. Ich finde das Thema „Vegetarier“ schwierig. Ich esse einfach zu gerne Fleischprodukte, dass ich komplett darauf verzichten würde. Aber ich esse bewusst. Ich kaufe nicht irgendwelche Produkte für 3,50€ sondern achte darauf, wo das Fleisch herkommt.

  5. Das Interview fand ich total interessant. Ich wusste gar nicht, dass er Vegetarier ist und es nicht mal ausschliessen würde Veganer zu werden. Ich finde das großartig, dass er sich mit dem Thema auseinandersetzt. Ich selber mache das auch. Leider esse ich schon mal etwas Fleisch. Ich würde gern komplett drauf verzichten, aber 4 x im jahr ungefähr packt es mich dann doch wieder mit dem Fleisch. Aber ich achte darauf woher die Produkte kommen. Wichtig ist mir, dass ein „glückliches Tier“ gestorben ist und kein Massentier. Selbst bei Eiern achte ich darauf, dass ich nur welche kaufe aus Freilandhaltung oder direkt vom Bauern. Auf alle Fälle ein sehr interessantes Interview!
    Liebe Grüsse,
    Svenja / strasskind.com

    • Hallo Svenja,

      ich habe mir auch viel Zeit gelassen und im letzten Jahr ab und an bei Feiern noch ein bisschen was gegessen. Aber mittlerweile esse ich gar kein Fleisch mehr. Wenn es mich packt hole ich mir Ersatzprodukte, die werden auch immer besser. Milchprodukte vertrage ich inzwischen gar nicht mehr, da hat sich mein Körper schon umgestellt. 😉

      Ruthe ist wirklich ein sehr sympathischer Cartoonist und ich hatte auch das Gefühl, dass ihm das Thema sehr am Herzen liegt.

      Schön, dass dir das Interview gefallen hat!

      LG

      Katrin

  6. Ich selbst bin ja nur Teilzeit-Vegetarier und durch die Verlinkung von Ralph Ruthe hierher gekommen. Dass er so viele themenbezogene Comics hat, ist mir bisher gar nicht bewusst gewesen. Ich fand die Aussagen und die Einstellung alle sehr sympathisch.

    • Hallo liebe McMaren,

      schön, dass dir das Interview gefallen hat! Ja die vielen Cartoons von Ralph sind mir auch aufgefallen und deshalb juckte es mich in den Fingern, ihn zu interviewen!

      Lieben Gruß,

      Katrin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.