Veggie World Berlin: Vortrag von Dr. Leila Masson über vegane Kinderernährung

vegane KinderernährungAuf der Veggie World in Berlin hielt die Kinderärztin Dr. Leila Masson einen sehr interessanten Vortrag über vegane Kinderernährung. Sie arbeitet in Neuseeland auch als Stillberaterin und ist Veganerin. Ihre beiden Söhne durften selbst entscheiden und wurden Vegetarier, inzwischen sind sie beide auf dem Weg zum Veganer. Als ihr Sohn Manu sechs Jahre alt war, sagte er: „Ich bin Vegetarier wegen der Gesundheit. Der Gesundheit der Tiere.“

Sie stellt zunächst die Gründe dar, die allgemein für eine vegane Ernährung sprechen, wie beispielsweise ein niedrigeres Gewicht, ein geringeres Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfall, Diabetes und Krebs sowie für Herzkreislauferkrankungen. Veganer haben meist ein niedrigeres schlechtes Cholesterin und ein höheres gutes, gesündere Blutgefässe, eine bessere Durchblutung und einen niedrigeren Blutdruck.

Wie sieht eine optimale Ernährung aus?

vegane KinderernährungWHO und UNICEF empfehlen 6 Monate exklusiv zu stillen, das heißt das Kind bekommt nichts außer Muttermilch; danach sollte es bis zu einem Alter von 2 Jahren weiterhin gestillt werden, aber auch feste Nahrung bekommen. So wird es vor Infekten, Allergien und Autoimmunkrankheiten geschützt. Kinder die gestillt wurden, sollen einen höheren IQ haben, so Dr. Masson. Auch die Mutter profitiert vom Stillen durch ein geringeres Risiko für Brustkrebs (4.3 % weniger pro Stilljahr), Übergewicht und Diabetes.

Für größere Kinder und Jugendliche propagiert sie eine möglichst ganzheitliche naturbelassene Ernährung mit Vollkornprodukten und viel Obst und Gemüse, am besten in Bioqualität. „Guckt man sich Milchersatzprodukte und Muttermilch unter dem Mikroskop an, so sieht man, dass es nur in der Muttermilch von lebendigen Zellen wimmelt. Sie sorgen für einen Immunboost und den Aufbau einer gesunden Darmflora. In der Ersatzmilch ist nichts drin“, erklärt Dr. Masson.

Was brauchen Kinder für Wachstum und Entwicklung?

Ein einjähriges Kind benötigt etwa 900 Kalorien Tag, ein zehnjähriges 1800 und ein Teenager 2200. Wichtig sind auch Makromoleküle, Proteine (1 g/kg), Fette (30‐35 %), Karbohydrate (50‐60 %), Mikromoleküle, Vitamine, Mineralien und Antioxidantien. Die Darmflora braucht Probiotika, also Darmbakterien. Diese sind essenziell für die Verdauung, Vitaminproduktion, das Immunsystem und als Neurotransmitter.

Der Proteinbedarf eines Kindes kann ganz leicht gedeckt werden durch Linsen, Sojabohnen, Tempeh, Bohnen, Kichererbsen, Quinoa, Vollkornreis oder Spinat. In Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und Samen sind allerdings Phytate enthalten die die Aufnahme von Mineralien wie Zink, Eisen, Magnesium und Kalzium vermindern. Allerdings verringern diese auch das Krebsrisiko und binden Schwermetalle. Durch Keimen, Einweichen, Erhitzen und Fermentation kann der Phytatgehalt gesenkt werden.

„Wir brauchen für Wachstum und die Produktion von Neurotransmittern und Hormonen einen Fettgehalt von 30 bis 35 % in unserer Ernährung“, so Dr. Masson. „Hierfür eignet sich am besten kalt gepresstes Olivenöl für kalte Speisen und Kokosfett zum Braten und Kochen. Omega 3 bekommen wir in Form eines Algen Supplements“.

In einer amerikanischen Studie habe man herausgefunden, dass künstliche Farb- und Konservierungsstoffe Hyperaktivität bei Kindern steigern, daher rät sie davon ab, Kindern Lebensmittel mit Zusatzstoffen zum Essen zu geben.

Was sollten vegane Kinder essen?

Sie empfiehlt mindestens 5 Portionen Gemüse, 2 Portionen Obst, Vollkorngetreide, 1 Hand voll Nüsse, 1 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht und Wasser, also keine Säfte oder gesüßten Getränke. Auf diese Weise sorge man für einen niedrigen glykämischen Index und damit auch ein gesundes Körpergewicht. Darüber hinaus sollten Kinder Vitamin B12 supplementieren. Eisen und Kalzium nur nach Bedarf und im Winter brauchen nicht nur Veganer Vitamin D.

Gute Quellen für Kalzium sind beispielsweise Tofu, grünes Blattgemüse, Brokkoli, Hülsenfrüchte, Nüsse und Pflanzenmilch. Für Eisen sind es im Wesentlichen die gleichen Lebensmittel. Zinkmangel äußert sich beispielsweise durch weiße Punkte auf den Fingernägeln. Er ist wichtig als Kofaktor von 200 verschiedenen Enzymen und für das Immunsystem, die Wundheilung, Gehirnfunktion, Laune und Geschmacksrezeptoren.

Finger weg von Kuhmilch

Dr. Spock (nein nicht der aus ‚m Fernsehen :)) warnt vor Milchprodukten für Kinder. Sie enthalten zu viel gesättigte Fettsäuren, vermindern die Eisenabsorption, erhöhen das Risiko von Übergewicht und Diabetes. Die Hormone in der Milch sind nicht für den Menschen geeignet. Milch kann auf lange Sicht Eierstock- und Prostatakrebs sowie Osteoporose verursachen.

Was sich erst mal vielleicht kompliziert anhört, ist aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase überhaupt nicht problematisch. Viele vegane Kinder beweisen, dass diese Ernährung sehr gesund ist.


Mehr Informationen

Serie vegane Kinder im Blog
Homepage: drleilamasson.com
Buch: Children’s Health A to Z for New Zealand Parents
Facebook: Facebook.com/DrLeilaMasson
Twitter: Twitter.com/drleilamasson

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Katrin Luber

Online-Redakteurin & Social Media Managerin bei Ist das vegan oder kann das weg?
Ich bin Katrin Luber, lebe seit Oktober 2014 vegan und startete diesen Blog im September 2015. Leser finden hier nützliche Informationen rund um das vegane Leben direkt aus der Praxis. Mein Anspruch ist es, aufzuklären und zu überzeugen, ohne erhobenen Zeigefinger. Ich wünsche vor allem viel Spaß beim Lesen 😉
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